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Eine Operation am Wochenende kann größere Probleme machen als in der ein am Anfang der Woche (Foto: TK-Pressefoto 8512000843)
Eine Operation am Wochenende kann größere Probleme machen als in der ein am Anfang der Woche (Foto: TK-Pressefoto 8512000843)
Komplikationen bei Operationen: Gibt es es den "Wochenendeffekt"?

Die Frage stellt sich: Sind Operationen am Wochenende gefährlicher als in der Woche? Und zwar ganz unabhängig davon, ob es sich um eine geplante oder eine Not-Operation handelt? Jetzt belegt ein Studie: Ja, es gibt Erhöhung des Sterberisikos nach Operationen, die vom Wochentag abhängt, an dem der Eingriff vorgenommen wurde. Und ja, dieses Risiko ist an Wochenendtagen höher als an Wochentagen.

Untersucht über 4,1 Mio. operative Eingriffe, die zwischen 2008 und 2011 in englischen Krankenhäusern stattgefunden haben. Aus diesen Operationen resultierten 27.582 Todesfälle innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff. Die Auswertung zeigte, dass mit jedem Tag, den sich die Operation dem Wochenende näherte, das Risiko wuchs, den Eingriff nicht zu überleben. So betrug der Anteil der Todesfälle an der Gesamtzahl der an dem jeweiligen Tag ausgeführten Operationen am Montag 0,55%, am Dienstag 0,62%, am Mittwoch 0,67%, am Donnerstag 0,7% am Freitag 0,82% und am Samstag und Sonntag 0,74%.

Damit stieg das Risiko, an einer Operation zu versterben, im Vergleich zu Montag am Dienstag um 7%, am Mittwoch um 15%, am Donnerstag um 21%, am Freitag um 44% und am Wochenende um 82%. Diese  Tendenz blieb im übrigen bei fünf als Operationen mit höherem Risiko ausgewählten chirurgischen Eingriffen fast unverändert. Bei Eingriffen, die mit geringem Risiko bezeichnet wurden, zeigte sich ein Anstieg des Risiko ebenfalls bis Freitag, doch am Samstag und Sonntag war die Gefahr an der Operation zu sterben wesentlich geringer.

Die Wissenschaftler stellten auch fest, dass am Wochenende in der Regel weniger riskante Operationen durchgeführt wurden. Die betroffenen Patienten litten unter weniger weiteren Erkrankungen, waren weniger häufig ins Krankenhaus eingeliefert worden und hatten meist länger - im Durchschnitt sieben Tage mehr - gewartet als Patienten, die am Montag operiert wurden. Bei diesem Vergleich wurden weitere Einflußgrößen wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, sozialer Status, Komorbiditäten, vorherige Notfälle und Krankenhauseinweisungen heraus gerechnet. Das bedeutet, dass das Risikoprofil der Patienten am Wochenende sogar niedriger war als montags.

Eine Erklärung dafür, dass es tatsächlich so etwas wie den Wochenendeffekt bei Operationen gibt, können die Wissenschaftler nicht liefern. Allerdings sagen sie, dass bekannterweise die meisten Komplikationen innerhalb von etwa 48 Stunden nach einer Operation auftreten. An Wochenenden arbeiteten Krankenhäuser aber meist mit einem reduzierten Ärzte- und Pflegerstab, womit eine schlechtere Betreuung der Patienten verbunden sein könnte. Allerdings stellen sie selbst in Frage, ob das gesamte Problem allein auf eine mangelhafte Qualität der Versorgung am Wochenende geschoben werden könne.

Berliner Ärzteblatt 28.05.2013/ Quelle: BMJ 2013
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