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Mehr ausgegeben als eingenommen haben mal wieder die gesetzichen Krankenassen (Foto: Stock photo)
Den Krankenkassen fehlen 445 Mio. Euro

Die gesetzlichen Krankenkassen beklagen für 2010 bringt ein Minus von 445 Mio. Euro. Entschuldigungen gibt es viele. Beispielsweise habe der Gesundheitsfonds weniger Geld überwiesen, als zur Deckung aller Ausgaben notwendig gewesen wäre. Doch in diesem Jahr sollen die Kassen keine roten Zahlen schreiben.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) meldet es fast ein wenig zerknirscht: Die gesetzlichen Krankenkassen weisen in den jetzt vorliegenden vorläufigen Finanzergebnissen für das Jahr 2010 ein Defizit von 445 Mio. Euro aus. 2009 verzeichneten sie in ihren Jahresrechnungsergebnissen noch einen Überschuss von insgesamt 1,4 Mrd. Euro.

Vom 1. bis 4. Quartal 2010 standen bei den gesetzlichen Krankenkassen Einnahmen in Höhe von rd. 175,3 Mrd. Euro Ausgaben in Höhe von rd. 175,7 Mrd. Euro gegenüber. In den Einnahmen enthalten sind auch rd. 660 Mio. Euro an Zusatzbeiträgen, die von einer geringeren Zahl der Krankenkassen zum Teil ab dem 1. und zum Teil ab dem 2. Quartal 2010 erhoben wurden. Ausgaben von Kassen, die nicht aus den Zuweisungen des Gesundheitsfonds oder aus den Zusatzbeiträgen gedeckt wurden, mussten in 2010 zum Teil aus dort vorhandenen Finanzreserven kompensiert werden.

Kein Wunder, dass sofort die Suche nach den Schuldigen beginnt. Und die lassen sich zumindest den Ausgaben nach leicht finden: Die höchsten Zuwächse sind bei den Arzthonoraren, den Krankenhausausgaben sowie bei den Verwaltungskosten der Kassen zu verzeichnen. Das Gesundheitsministerium behauptet, dass sich durch die in diesem Jahr wirksam werdenden Gesundheitsreform die Ausgaben- und Einnahmesituation bei den Kassen bessern werde. Deshalb die Ankündigung, die Hoffnung ist: „ Für 2011 werden die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds ausreichen, die voraussichtlichen Ausgaben der Krankenkassen zu decken.“ Ob sich das aber bewahrheitet, bleibt abzuwarten, denn vor allem die Ärzte verlangen wieder mehr Geld.

Im Einzelnen:

Die Leistungsausgaben der Krankenkassen sind im 1. bis 4. Quartal 2010 um 3,1 Prozent je Versicherten gestiegen. Im 1. Halbjahr lag der Anstieg noch bei 4,2 Prozent. Dem stand ein Zuwachs der Kasseneinnahmen (überwiegend aus Zuweisungen des Gesundheitsfonds) von 2 Prozent gegenüber.

Der Anstieg der Arzneimittelausgaben (ohne Impfkosten), der je Versicherten im 1. Halbjahr noch bei 4,8 Prozent lag, betrug im Gesamtjahr 2010 nur noch 1,3 Prozent. Die ersten Daten des Deutschen Apothekerverbandes für den Monat Januar 2011, zeigen einen Rückgang von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die Ausgaben für ambulante ärztliche Behandlung sind 2010 um 2,6 Prozent je Versicherten gestiegen, im Jahr 2009 waren es sogar 7,4 Prozent. Allerdings beruhen die vorläufigen Finanzdaten gerade in diesem Ausgabenbereich zu einem erheblichen Teil noch auf Schätzungen, da Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen bis zum Abschluss der vorläufigen Finanzergebnisse durch die Krankenkassen i.d.R nur für das 1. Halbjahr vorlagen. Experten erwarten in diesem Bereich insgesamt noch höhere Veränderungsraten.

Der Anstieg bei den Ausgaben für die Krankenhausbehandlung lag je Versicherten bei 4,7 Prozent. Hier hat sich der Zuwachs im Vergleich zum 1. Halbjahr (plus 4,2 Prozent ) deutlich beschleunigt. Auch dieser Zuwachs setzt bereits auf einem Anstieg von 6,6 Prozent im Jahr 2009 auf. Für die Krankenhäuser wurde damit allein aus Mitteln der GKV in den beiden vergangenen Jahren mehr als 6 Mrd. Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt.

Der Ausgabenzuwachs beim Krankengeld hat sich mit einem erneuten Plus von 8 Prozent nach den zweistelligen Zuwachsraten der Jahre 2008 und 2009 nahezu unverändert fortgesetzt. Hierzu haben unter anderem eine zunehmende Zahl von Krankengeldberechtigten bei steigendem Renteneintrittsalter sowie eine starke Zunahme langwieriger psychischer Erkrankungen beigetragen.

Die Verwaltungskosten der Krankenkassen sind im vergangenen Jahr nach längerer Stabilität deutlich gestiegen. Der Zuwachs lag im 1. bis 4. Quartal bei rd. 6,2 Prozent. In den Jahren 2011 und 2012 begrenzt der Gesetzgeber die Höhe der Verwaltungskosten auf das Niveau des Jahres 2010.

08.03.2011/ Quelle: BMG, GKV-Spitzenverband

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