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Prämien für den Verbleib in der Krankenkasse und das Beantworten von Fragen - die Versicherungen kämpfen mit harten Bandagen
Krankenkasse: Kampf um jeden Patienten

Im Vorfeld der Einführung des Gesundheitsfonds entbrennt der Kampf um die Versicherten. Weil die Kassen in Zukunft pro Kopf einen Einheitsbetrag plus einen Aufschlag abhängig von seiner Erkrankung bekommen,  zählt künftig jeder einzelne. Dafür werden dann auch sogenannte Prämien gezahlt.

Die Barmer Ersatzkasse (BEK) gibt mehreren zehntausend Versicherten Prämien dafür, dass sie die Krankenkasse nicht verlassen. Insgesamt sollen laut Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gut 25.000 Versicherte in den Genuss der so genannten "Serviceberater-Pauschale" kommen. Im Gegenzug für die Prämie in Höhe von 150 - 200 Euro verpflichten sich die Versicherten, bis Ende 2009 in der BEK zu bleiben und an Umfragen teilzunehmen.

Das Bundesversicherungsamt (BVA) rügt diese Prämie scharf, da sie seiner Meinung nach wettbewerbswidrig sei. "Die Serviceberater-Verträge dienten primär nicht der Marktforschung, sondern bezweckten, die Versicherten mittels einer hohen Geldprämie weiterhin an die Kasse zu binden", erklärte Sylvia Bohlen-Schöning, Vizepräsidentin des BVA, der FAZ. "Damit verstößt die Barmer gegen die Grundsätze des fairen Wettbewerbs unter den gesetzlichen Krankenkassen."

Andere Kassen haben sich bereits 2007 beim BVA über diese Marketingaktion beschwert. "Ich kann gut verstehen, dass die anderen Kassen über das wettbewerbswidrige Verhalten der Barmer verärgert sind", sagt Bohlen-Schöning. Sie hoffe, dass kein Rechtsstreit nötig werde, damit die BEK bis Ende September 2008 ihr "Serviceberater-Programm" einstellt.

Die mit 5,2 Mio. Mitgliedern größte deutsche Ersatzkasse hält die Einwände der Aufsicht allerdings für unbegründet. Dennoch wolle man das Programm ab Oktober nicht mehr weiter verfolgen, heißt es von der Barmer. Nach eigenen Angabe habe die BEK das "Serviceberater-Programm" rund 3,7 Mio. Euro gekostet, die aus dem gesetzlich begrenzten Marketingetat finanziert würden.

Mit Nachdruck wies die BEK die Formulierung zurück, es handle sich bei der "Serviceberater-Pauschale" um eine "Bleibeprämie". Tatsächlich gehe es darum, mit wissenschaftlicher Hilfe zu erforschen, warum Mitglieder die Kasse verlassen wollen. "Das entspricht auch einer früheren Anregung des BVA, die Marktforschung sogar noch zu intensivieren", sagte der BEK-Vorstandsvorsitzende Johannes Vöcking. Deshalb habe man Mitglieder angesprochen, die ihren Austritt nicht eigens begründet hätten. Die Kasse widersprach der Vermutung, dass dies vor allem für besserverdienende Mitglieder gegolten habe, die einen hohen Beitrag zahlen. Das Programm laufe aus, auch wegen der Ungewissheiten im Zusammenhang mit der geplanten Einführung des Gesundheitsfonds im kommenden Januar.

Die FAZ zitiert aus einem ihr vorliegenden Vertrag zwischen der BEK und einem "Serviceberater": "Er nimmt bis zum 31. Dezember 2009 an vier Befragungen der Barmer teil."

Erste scharfe Kritik aus der Politik auf das Vorgehen der BEK ließ nicht lange auf sich warten. So sagte FDP-Gesundheitspolitiker Daniel Bahr: "Serviceberaterverträge werfen einen Schatten auf die Ergebnisse von Versichertenbefragungen. Die Kassen haben häufig genug Ärzte und Apotheker kritisiert, die sich durch Beraterverträge an die Pharmaindustrie binden. Das fällt auf die Barmer zurück."

WANC 12.08.08/pte

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