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Krankschreibung: Angst um den Arbeitsplatz lässt Zahl weiter sinken
Immer weniger melden sich krank

Die Krankenstände in der deutschen Wirtschaft sind nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) weiter zurückgegangen. Trotz der Grippewelle in den Monaten Februar und März, die zu einem vorübergehenden Anstieg des Krankenstandes geführt hatte, waren auch im Jahr 2005 sinkende Krankenstandswerte zu verzeichnen. Bei den fast 10 Millionen AOK-Mitgliedern sank der Krankenstand von 4,5 auf 4,4 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit mehr als zehn Jahren.

Sowohl die Zahl der Krankmeldungen als auch deren Dauer nahm im Jahr 2005 im Vergleich zum Vorjahr weiter ab. Im Durchschnitt waren die AOK-Mitglieder 16,0 Kalendertage krank geschrieben. Im Jahr zuvor waren es noch 16,4 Tage gewesen. In Ostdeutschland fiel der Krankenstand mit 4,1 Prozent noch niedriger als im Westen aus. Dort lag er bei 4,4 Prozent. Der Anteil der Arbeitnehmer, die das ganze Jahr überhaupt nicht krank geschrieben waren, hat in den letzten Jahren zugenommen. Er stieg von 44,7 Prozent im Jahr 2000 auf 48,5 Prozent im Jahr 2005.

In den einzelnen Wirtschaftszweigen gab es erhebliche Unterschiede im Krankenstand. Niedrige Krankenstände waren in der Datenverarbeitung, bei Banken und Versicherungen, im Gastgewerbe sowie im Einzelhandel zu verzeichnen. Branchen wie die Abwasser- und Abfallbeseitigung, die Forstwirtschaft, die Metallerzeugung und -verarbeitung, die Autoindustrie sowie die öffentliche Verwaltung wiesen dagegen überdurchschnittlich hohe Krankenstände auf.

Die meisten Ausfalltage waren auf Muskel- und Skeletterkrankungen (24,0 %), Atemwegserkrankungen (13,7 %), Verletzungen (13,0 %) und psychische Erkrankungen (7,7 %) zurückzuführen. Bedingt durch die Grippewelle im ersten Quartal des Jahres führten Atemwegserkrankungen vermehrt zur Arbeitsunfähigkeit. Bei den Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen, die im Jahr 2004 noch stark zugenommen hatten, war dagegen im letzten Jahr kein weiterer Anstieg zu verzeichnen.

Die niedrigen Krankenstände seien auf die angespannte Lage am Arbeitsmarkt zurückzuführen, so Christian Vetter vom WIdO. Umfragen hätten gezeigt, dass viele Arbeitnehmer auf Krankmeldungen verzichteten, um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Daneben spielten aber auch strukturelle Faktoren, wie der geringere Anteil älterer Arbeitnehmer, die Abnahme körperlich belastender Tätigkeiten sowie eine verbesserte Gesundheitsvorsorge in den Betrieben eine wichtige Rolle.

Für die Arbeitgeber bringt der niedrige Krankenstand erhebliche Einsparungen bei den Lohnnebenkosten mit sich. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit gingen die Kosten der Lohnfortzahlung allein im Jahr 2004 um rd. 1 Mrd. Euro zurück. Dieser Trend setzte sich im Jahr 2005 auf geringerem Niveau fort. Auch die Aufwendungen der Krankenkassen für Krankengeld sind deutlich gesunken. 2005 reduzierten sich die Ausgaben für das Krankengeld im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent.

WANC 27.03.06

Immer weniger werden krank geschrieben

 
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