Krankenversicherung
Patientenrecht
Gesundheitspolitik
Rat
 
 

Foto: Stock photo
Das Minus der Krankenkassen lässt Zuzsatzbeiträge oder höhere Beitragssätze (Foto: Stock photo)
Das Loch der Krankenkassen: 3,1 Mrd. Euro

Dass die gesetzlichen Krankenkassen mehr Geld ausgeben als sie einnehmen, das haben alle befürchtet. Doch das Loch in den Kassen der Kassen fällt etwas kleiner aus als angenommen. Dennoch müssen sie in diesem Jahr mit einem Fehlbetrag von 3,1 Milliarden Euro klarkommen. Mit einkalkuliert sind dabei schon die geplanten Einsparungen bei Arznei. Nun stehen Beitragserhöhungen oder weitere Zusatzbeiträge vor der Tür.

Den gesetzlichen Krankenkassen fehlen in diesem Jahr etwa 3,1 Milliarden Euro. Der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung teilte heute mit, dass die Ausgaben im Jahr 2010 etwa 173,4 Milliarden Euro betragen werden. Dabei wurden die von der Bundesregierung beschlossenen Einsparungen bei Arzneimitteln ohne Festbetrag ab August 2010 bereits berücksichtigt. Demgegenüber stehen Zuweisungen in Höhe von 170,3 Milliarden Euro aus dem Gesundheitsfonds, die den Krankenkassen zugesagt wurden. Grundlage der Einschätzungen des Schätzerkreises waren die vorläufigen Finanzergebnisse des Jahres 2009 und der Frühjahrsprognose der Bundesregierung über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.

Der GKV-Schätzerkreis hat auf der Grundlage der vorläufigen Finanzergebnisse des Jahres 2009 und der Frühjahrsprognose der Bundesregierung über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung die Einnahmen und Ausgaben der GKV für das Jahr 2010 geschätzt. Die Experten rechnen mit Ausgaben in Höhe von 173,4 Mrd. Euro. Hierbei wurden die von der Bundesregierung beschlossenen Einsparungen durch die Erhöhung des Abschlags für Arzneimittel ohne Festbetrag von derzeit 6 auf 16 Prozent ab August 2010 mit rd. 0,5 Mrd. Euro berücksichtigt. Daraus ergab sich ein niedrigeres Ausgangsniveau. Gegenüber der letzten Schätzung fällt die Prognose insgesamt um 0,96 Mrd. Euro geringer aus.

Die Einnahmen des Gesundheitsfonds betragen voraussichtlich 172 Mrd. Euro einschließlich des bisherigen Bundeszuschusses in Höhe von 11,7 Mrd. Euro und des zusätzlichen Bundeszuschusses in Höhe von 3,9 Mrd. Euro. Die Beitragseinnahmen fallen auf Grund der verbesserten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt um rd. 0,9 Mrd. Euro günstiger aus als noch in der letzten Schätzung angenommen. Der Gesundheitsfonds weist den Krankenkassen die für das Jahr 2010 zugesagten 170,3 Mrd. Euro zu; die übrigen Mittel dienen dem Aufbau seiner Liquiditätsreserve.

Fazit des Schätzerkreises: Die Ausgaben der GKV liegen im Jahr 2010 somit voraussichtlich um 3,1 Mrd. Euro höher als die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds.

Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes dazu: „Das heutige Ergebnis des GKV-Schätzerkreises bestätigt leider die insgesamt sehr angespannte Finanzsituation der gesetzlichen Krankenversicherung. Selbst wenn sich die Einnahmesituation des Gesundheitsfonds im Vergleich mit der letzten Schätzung verbessert, verbessert sich die Einnahmesituation der einzelnen Kassen um keinen Cent. Die zusätzlichen Einnahmen verbleiben nach dem geltenden Recht im laufenden Jahr im Gesundheitsfonds und stehen den einzelnen Krankenkassen nicht zur Verfügung.“

Und: „Anders sieht es bei den Ausgabenentlastungen aus. Wenn die einzelnen Kassen geringere Ausgaben haben als bisher geschätzt, wirkt sich dieses sofort positiv auf deren jeweilige Finanzsituation aus. Doch selbst wenn sich die heutige Schätzung im Jahresverlauf bestätigt und die Ausgaben im Vergleich zu der letzten Schätzung weniger stark ansteigen, fehlen den Krankenkassen in diesem Jahr immer noch 3,1 Milliarden Euro, die sie aus Rücklagen oder durch Zusatzbeiträge finanzieren müssen. Es ist gut, dass der Bundesgesundheitsminister bei dem Thema Ausgabenreduzierung bereits bei Arzneimitteln einen richtigen und wichtigen Schritt gemacht hat. Wir setzen darauf, dass in den nächsten Monaten weitere folgen werden.“

Schon seit einiger Zeit fordern die Krankenkassen wegen des Fehlbetrages die Erhöhung der Beiträge. Die werden vom Gesundheitsministerium festgelegt und liegen derzeit bei 14,9%. Es gibt Vermutungen, dass der Beitragssatz schon bald über 15% steigen wird. Für die Kassen ist das die einfachere Lösung, denn sonst müssen sie individuelle Zusatzbeiträge erheben. Was das für Auswirkungen hat, mussten die Krankenversicherungen erleben, die diesen Schritt Anfang des Jahres vollzogen haben: Ihnen gingen massenhaft die Versicherten verloren, die zu einer anderen Kasse wechselten, die keine Zusatzgebühren erhebt.

Experten kritisieren aber, dass zuerst einmal die Ausgabenseite der Krankenversicherungen durchforstet gehört. So wird immer wieder Kritik an den hohen Verwaltungskosten der Kassen laut. Und an vielen Vorsorgeprogrammen und Serviceangeboten, deren Nutzen und Wirkung bestritten wird.

WANC 29.04.10, Quelle: Bundesversicherungsamt, GKV-Spitzenverband

Krankenkassen: Wechselflut

Gesundheitskosten: Verteilungskampf im Namen des Patientenwohls

Gesundheitsfonds: Ein korrumpiertes System

Fragen und Antworten zu verschiedenen Gesundheitsthemen
Welche Obstsorte hat den größten Einfluss auf den Blutzucker?

Wann treten Hitzewallungen in den Wechseljahren am häufigsten auf?

Warum verursachen die Schmerzmittel ASS, Diclofenac und Ibuprofen manchmal Magenprobleme?

Wie läuft eine Darmspiegelung ab?

Wie beginnt eine Schizophrenie?

Überblick aller Fragen und Antworten

 
Seite versenden  
Seite drucken