Kühltürme
Umweltgifte können den Hormonhaushalt von Menschen durcheinander bringen
Umweltgifte für hormonelle Störungen verantwortlich

Bestimmte Umweltgifte stehen im Verdacht, das Hormonsystem von Mensch und Tier zu stören. Europäischen Wissenschaftlern ist es nun erstmals gelungen, zwei Testsysteme zu entwickeln, die diese hormonell wirkenden Umweltgifte nachweisen können.

„Die als endokrine Disruptoren bekannten Umweltgifte verweiblichen die männlichen und vermännlichen die weiblichen Tiere", so die Projektleiterin Ulrike Schulte-Oehlmann. Diese Umweltgifte vermindern die Fruchtbarkeit und stehen sogar im Verdacht, Hoden-, Prostata- und Brustkrebs zu verursachen.

„Tatsächlich handelt es sich um eine Vielzahl an Substanzen", erklärt die Zoologin. In einer groß angelegten Studie an Fischen in englischen Gewässern fanden Wissenschaftler besorgniserregende Veränderungen: In durchschnittlich 13 Prozent der männlichen Tiere fand man Oozyten, das sind Zellen, die zur Bildung von Eiern bestimmt sind. Weibliche Meeresmollusken entwickelten hingegen zusätzlich zu ihren Geschlechtsorganen einen Penis und Samenleiter.

„Inzwischen weiß man, dass dafür die in Schiffsfarben verwendeten Tributylzinn-Verbindungen verantwortlich sind", so die Expertin. Diese Substanzen sind seit Januar 2003 verboten. Früher waren sie ein Bestandteil der Antifoulingfarben, mit denen Schiffsrümpfe vor dem Bewuchs mit Algen, Muscheln und andere Tieren geschützt wurden. Ein anderer Auslöser für die Diskussion über endokrine Disruptoren war eine Studie über die Spermiendichte in menschlichen Samenproben. Im Zeitraum zwischen 1938 und 1988 hatte sich die Spermiendichte bei den später geborenen Männern nahezu halbiert.

Das EU-Projekt COMPRENDO (Comparative Research on Endocrine Disrupters) http://www.comprendo-project.org untersucht auch Substanzen mit androgenen und antiandrogenen Eigenschaften, die also eine ähnliche Wirkung wie männliche Geschlechtshormone haben oder deren Wirkung aufheben. „Ziel des Projekts ist es, die Exposition des Menschen gegenüber endokrinen Disruptoren aufzuklären. Dies geschieht anhand von Blut- und Gewebeproben sowie der Analyse von Nahrungsmitteln aus verschiedenen europäischen Ländern", so die Wissenschaftlerin.

Die Forscher sind zudem auf der Suche nach so genannten natürlichen „Wächterarten", die anzeigen, welchen Grad der Verschmutzung ein bestimmtes Ökosystem erreicht hat. „Wirbellose Tiere wie Krebse und Schnecken sind ideale Testsysteme, weil sie in großer Zahl in den gefährdeten Gewässern auftreten", führt Schulte-Oehlmann aus.

Eins zu eins lassen sich die Testergebnisse der niederen Tiere allerdings nicht auf Säugetiere und den Menschen umlegen. Den Studien vorangegangen waren auch Experimente mit Seeigeln, Seesternen, Krebsen und Amphibien. „Untersucht wurden dabei nicht nur die Veränderungen im Reproduktionssystem, sondern auch in der Entwicklung", erklärt die Wissenschaftlerin. Außerdem gebe es Hinweise, dass bestimmte Eigenschaften im Hormonsystem sehr konservativ gestaltet sind, sodass eine Ableitung von Kaltblütlern auf höhere Tiere möglich sei.

Im Rahmen von COMPRENDO wurden zwei Tests entwickelt, die für eine Anwendung auf der OECD-Ebene reif sind. „Das ist ein großer Fortschritt, denn bisher gibt es noch keine standardisierten und international anerkannten Testsysteme für endokrine Disruptoren", erklärt die Expertin.

WANC 09.03.06/pte

Multiple Sklerose: Anormale Hormon- werte begünstigen Entstehung

 
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