Patienten wollen Therapieentscheidungen gemeinsam mit ihrem Arzt fällen
57% der Patienten wollen bei der Therapie mitentscheiden

Das Verhältnis der Deutschen zu ihren Hausärzten hat sich gewandelt. Während man es früher weitgehend dem Arzt überließ, die richtige Therapie auszuwählen, möchten die meisten Menschen inzwischen in die Entscheidung einbezogen werden. Dies ergab eine Umfrage unter über 3.000 Erwachsenen.

Auf die Frage, wer im Allgemeinen über eine Behandlung bestimmen sollte, sprachen sich 57 Prozent für eine gemeinsame Entscheidung von Arzt und Patient aus. Diese Haltung ist vor allem bei jüngeren Erwachsenen verbreitet. Hier gibt es auch eine wachsende Zahl von Menschen, welche die "Zügel selbst in die Hand nehmen" möchte, sich also auch gegen den Rat ihres Arztes für eine andere Therapie entscheiden würden, berichtet Dr. Martin Butzlaff von der Universität Witten/Herdecke in der DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift.

Nur 16 Prozent der 25-34-Jährigen würden sich vorbehaltlos in die Entscheidung des Arztes fügen. In der Generation der über 65-Jährigen sind dies immerhin noch 40 Prozent. Sie sind noch mit einer paternalistischen Medizin aufgewachsen, in welcher dem Arzt als "Übervater" bedingungslos vertraut wurde. Diese Haltung ist heute noch in der Unterschicht verbreitet sowie bei akut Erkrankten. Tatsächlich gibt es laut Butzlaff eine Reihe von akuten Erkrankungen, von der Gallenkolik bis zum schweren Unfall, in denen die Mitentscheidung des Patienten nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist.

Auch die meisten Ärzte favorisieren laut Butzlaff die gemeinsame Entscheidung, die im Fachjargon als "Shared Decision Making (SDM)" bezeichnet wird. Doch Anspruch und Wirklichkeit decken sich nicht immer. In der aktuellen Umfrage gab nämlich nur jeder vierte Patient an, dass der Arzt sie schon einmal aufgefordert hätte, offene Fragen zur Erkrankung zu stellen. Dies ist laut Butzlaff aber eine Voraussetzung für ein offenes Arzt-Patienten-Verhältnis.

Vielen Ärzten fehlen noch die "kommunikativen Fähigkeiten" für eine SDM, vermutet Butzlaff. Es gebe einen Nachholbedarf: "Verglichen mit anderen europäischen Ländern hat Deutschland die kürzesten und am meisten Arzt-zentrierten Gespräche."

WANC 16.11.04
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