Die krankmachende Chemikalie Bisphenol A ist auch in Babyflaschen enthalten
Bisphenol A: Gefährliche Chemikalie

Bisphenol A kommt in vielen Gegenständen vor, mit denen wir tagtäglich Kontakt haben. Beispielsweise in Plastik- und Babyflaschen. Besonders beim Erwärmen wird die Substanz abgegeben. Nachgesagt werden dem Stoff krankheitsauslösende Wirkungen durch die Freisetzung von Hormonen – unter anderem von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch der Veränderung von Gehirnzellen.

Das Deutsche Ärzteblatt berichtet aus einer US-Studie: „Mehr als neun von zehn Menschen haben Bisphenol A (BPA) im Urin. Der Bestandteil vieler Lebensmittelverpackungen war in einer Querschnittsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 300: 1303-1310) mit einer erhöhten Rate von Leberenzymerhöhungen, Typ-II-Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert. Die Zulassungsbehörden halten einen kausalen Zusammenhang nicht für gesichert und sehen deshalb keinen Handlungsbedarf.“

Die wissenschaftlich nüchternen Worte sollten einen erschrecken. Denn der chemische Stoff kommt in zahlreichen Produkten des alltäglichen Lebens vor, Gegenständen, mit denen wir ständig in Kontakt kommen. So stellte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fest: „Die Substanz kann in Gegenständen aus Plastik enthalten sein, auch in solchen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Beispiele dafür sind Babyflaschen, Trinkbecher, Plastikgeschirr oder auch die Innenbeschichtung von Konservendosen.“

Bisphenol A ist in Europa einer der meistproduzierten Stoffe ­ über eine Million Tonnen werden davon im Jahr hergestellt. Die Plastikindustrie fertigt daraus Polycarbonate und Epoxidharze. Die Ziffer 7 oder das Kürzel ‚PC’ zeigt an, wenn er in einem Plastikprodukt enthalten ist. Wegen seiner weiten Verbreitung haben Wissenschaftler Bisphenol A sogar schon im Hausstaub nachweisen können.

Der Stoff ist gefährlich. Inzwischen hat das Umweltbundesamt vor der Chemikalie gewarnt. Bisphenol A finde sich in Babyflaschen und vielen anderen Alltagsgegenständen und könne Schäden beim Menschen hervorrufen, warnte der Leiter der Abteilung Gesundheit und Umwelthygiene, Andreas Gies. Er bestätigte damit einen Bericht des ARD-Magazin Report München. Betonte Gies: Bisphenol A werde besonders beim Erwärmen von Plastik freigesetzt.

Der Wissenschaftler bemängelte, dass bestehende EU-Grenzwert von täglich 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht zu hoch seien. Der Stoff könne Einfluss auf das Prostata- und Brustkrebsrisiko haben. Außerdem könne er die Spermienqualität und die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen. Keine guten Nachrichten.

„Wir wissen, dass dieser Stoff in die Entwicklung des Menschen eingreifen kann,“ sagte Gies. Er wirke vergleichbar mit dem weiblichen Hormon Östrogen und könne die Entwicklung der Geschlechtsorgane verändern. Resultat könnten beispielsweise eine vergrößerte Prostata oder Veränderungen im Brustgewebe sein - beides Risikofaktoren für späteren Krebs. Neben der Fruchtbarkeit von Männern beeinflusse der Stoff vor allem auch die Entwicklung von Nervenzellen und könne sich damit auf das spätere Verhalten oder die Gefühle auswirken.

Dass Bisphenol A sehr umstritten, aber seine Gefahren anscheinend unterschätzt oder verniedlicht werden, zeigt eine Stellungnahme des BfR: „Zur Wirkung des Stoffes auf die menschliche Gesundheit sind international zahlreiche wissenschaftliche Studien durchgeführt worden. Sie kommen teilweise zu widersprüchlichen Ergebnissen. In regelmäßigen Abständen greifen die Medien das Thema Bisphenol A in Babyfläschchen auf, und fragen, ob von dem Stoff eine Gefahr für Kleinkinder ausgeht.“

Die Folgerungen des BfR widersprechen der neuen Studie: „Die Substanz hat eine geringe akute Giftigkeit. Es gibt keine Hinweise auf eine Krebs auslösende Wirkung. Bisphenol A gehört aber zu einer Gruppe von Substanzen, die hormonähnlich (östrogen) wirken können. Diese Substanzen werden wissenschaftlich als „endocrine disruptors“ bezeichnet. Im menschlichen Körper wird Bisphenol A aber schnell in ein Stoffwechselprodukt umgewandelt, das keine östrogene Wirkung mehr hat und über die Nieren ausgeschieden wird. Hierin besteht nach neueren Erkenntnissen ein wesentlicher Unterschied zu Nagetieren, die in experimentellen Studien eine langsamere Ausscheidung von Bisphenol A aufweisen.

Nach sorgfältiger Prüfung aller Studien, insbesondere auch der Studien im Niedrigdosisbereich von Bisphenol A, kommt das BfR in seiner wissenschaftlichen Bewertung zu dem Ergebnis, dass für Säuglinge und Kleinkinder aus der üblichen Verwendung von Polycarbonatflaschen kein gesundheitliches Risiko durch Bisphenol A resultiert. Mit dieser Einschätzung steht das BfR nicht allein: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die amerikanische Lebensmittelsicherheitsbehörde (FDA) teilen diese Bewertung. Auch Japan, das eigene Untersuchungen zur Bisphenol-A-Problematik durchgeführt hat, sah keinen Anlass für ein Verbot.“

Verbieten kann das BfR den Einsatz der gefährlichen Chemikalie sowieso nicht. Den das muss auf europäischer Ebene erfolgen. Doch bisher scheint man die Probleme dort lieber tot zu schweigen. Das Nachsehen hat wieder einmal der Verbraucher.

WANC 18.09.08/ Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung, Deutsches Ärzteblatt, Umweltbundesamt

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