Dramatische Zunahme von Erkrankungen bei Männern und Frauen fest, die ihren Arbeitsplatz bereits verloren haben oder in ständiger Sorge darum leben müssen
Job verloren - Gesundheit futsch

Arbeitslose werden häufiger krank als Menschen mit einem Job. Besonders chronische Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und psychische Störungen treten deutlich öfter auf. Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto höher ist das Risiko ernsthaft zu erkranken. 

In Deutschland sind derzeit 4,36 Millionen Menschen arbeitslos, darunter 1,9 Millionen Langzeitarbeitlose. Mehr als Armut und Ausgrenzung aus der Erwerbswelt drohen diesen Frauen und Männern körperliche und psychische Erkrankungen.
Zahlreiche nationale und internationale Studien stellen eine dramatische Zunahme von Erkrankungen bei Männern und Frauen fest, die ihren Arbeitsplatz bereits verloren haben oder in ständiger Sorge darum leben müssen.

Schwerwiegende chronische Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (z. B. Rücken, Wirbelsäule) und psychische Störungen (besonders Depressionen) treten deutlich häufiger auf als bei Erwerbstätigen. Sie sorgen nach einer Studie der Bundesagentur für Arbeit dafür, dass gesundheitliche Einschränkungen inzwischen noch vor fehlender fachlicher Qualifikation das Haupthindernis zur erfolgreichen Vermittlung in den 1. Arbeitsmarkt darstellen. Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto höher ist das Risiko ernsthaft zu erkranken. 

Was dagegen tun? 70 Personen - 45 Erwerbslose und 25 Beschäftigte einer Transfergesellschaft (PEAG) versuchten in acht Gruppen (70 % Männer und 30 % Frauen) über einen Zeitraum von fünf Wochen Auswege aus ihren oftmals sehr schwierigen sozialen, gesundheitlichen und beruflichen Problemen zu finden. In den Gruppensitzungen führten die Teilnehmenden praktische Übungen (z. B. Entspannung und Bewegung) durch, die durch begleitende und anschließende Gesundheitskurse vertieft wurden.

Auch altersbedingt - 78 % der Teilnehmenden waren über 40 Jahre alt - sahen die meisten trotz ihres zumeist intensiven Bewerbungsbemühungen für sich kaum noch Chancen auf eine reguläre Beschäftigung. Insbesondere Langzeitarbeitslose (70 % waren länger als ein Jahr arbeitslos, davon 40 % länger als zwei Jahre) dürften die finanziellen Einschnitte in Folge der veränderten Sozialgesetzgebung zusätzliche Probleme bereiten, da bereits 44 % sich von ihren aktuellen Schulden stark belastet fühlten.

Insgesamt war die psychosoziale Situation der Teilnehmenden dramatisch. Zum Beispiel sahen 45,5 % der Erwerbslosen eine sehr düstere nahe Zukunft vor sich, mehr als 38,1 % zeigten Anzeichen für eine depressive Verstimmung, fast ein Drittel (31,8 %) empfanden ihre Alltagshandlungen als sinnlos und mehr als zwei Drittel (68,2 %) waren insgesamt sehr unzufrieden mit ihrer Lebenssituation.

Auffallend auch die hohe Zahl (65,8 %) verzweifelter arbeitsloser Menschen, die ihre schlechte Lebenssituation kaum noch für änderbar halten und zum Teil (26 %) Selbstmordgedanken hegen. Hervorzuheben ist, dass die befristet Beschäftigten der Transfergesellschaft (PEAG) zwar gesundheitlich nicht den Status von Beschäftigten des 1. Arbeitsmarktes erreichten, aber eine deutliche höhere Lebensqualität (z. B. kaum Schulden) und positivere Zukunftserwartung hatten.

Obgleich viele Teilnehmende anfangs der ungewöhnlichen Kombination aus "Selbstmanagement für ein verändertes Gesundheitsverhalten" und "effizienterer Jobsuche" skeptisch gegenüberstanden, erhielten die Beraterteams ein sehr positives Feedback. So hatten über 80 % großes Interesse an einer Fortführung bzw. Wiederholung der Maßnahme. Hervorzuheben ist, dass fast alle Teilnehmer im Beratungszeitraum eine Verbesserung ihrer psychosozialen Situation erreichten, die sich u.a. auch in vermehrten Bemühungen der Arbeitsplatzsuche äußerte. Im Vergleich zu den erwerbslosen Teilnehmern waren positive Entwicklungen bei den Beschäftigten der Transfergesellschaft noch etwas ausgeprägter.

WANC 20.09.04/idw

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