In den Tiefen der Ozeane suchen Forscher nach neuen Arzneistoffen. (Foto: MEV)
Medizin der Zukunft kommt aus der Natur

"Die Natur ist eben doch kreativer als die Chemiker", umschrieb Professor Thomas Simmet, Pharmakologe an der Universität Ulm, das wichtigste Ergebnis eines wissenschaftlichen Symposiums, das sich mit "Naturstoffen in Pharmakologie und Medizin" beschäftigte. Die Hoffnungen, die man in der Arzneimittelforschung in die Gen- und Biotechnologie gesetzt hatte, hätten sich bislang so gut wie überhaupt nicht erfüllt. Die Enttäuschung sei groß, man wende sich jetzt wieder verstärkt den natürlichen Quellen von medizinischen Wirkstoffen zu.

Über viele Jahrtausende gründete sich die medizinische Heilkunst allein auf Arzneistoffe, die man aus der Natur, vorwiegend aus Pflanzen, gewonnen hatte. Die Naturmedizin kann also auf eine lange und erfolgreiche Tradition zurückblicken. Was kaum einer weiß: Auch heute noch beruhen fast 70 Prozent aller im Handel befindlichen Arzneimittel auf Naturstoffen. Selbst viele so genannte chemische Medikamente, wie zum Beispiel Aspirin, leiten sich von ursprünglich in der Natur entdeckten Substanzen ab.

Die Parole lautet: Zurück zur Natur
In den 80er- und 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts wandte sich dann die Pharmaforschung immer mehr der chemischen Synthese neuer Wirkstoffe zu. Die rasant wachsenden, neuen Erkenntnisse in der Gen- und Biotechnologie versprachen rasche Erfolge bei der Suche nach innovativen Medikamenten. Diese Euphorie hat inzwischen einen deutlichen Dämpfer erhalten, viele hoch fliegende Hoffnungen zerschlugen sich.

International ist deshalb heute eine Kehrtwende zu beobachten. Arzneimittelhersteller interessieren sich wieder stärker für das Wissen und die Erfahrungen von Naturvölkern, schicken Forscher in die Urwälder Afrikas, Asiens und Südamerikas oder in die Tiefen der Weltmeere, um noch unbekannte Quellen für neue Arzneistoffe zu erschließen.

Deutschland fällt zurück
"Was die Arzneimittelforschung anbetrifft, gehört Ländern wie Brasilien oder China die Zukunft", sagt der Pharmakologe Harald Schmidt voraus. Der Gießener Professor beklagt, dass Deutschland noch vor wenigen Jahrzehnten in der Arzneimittelentwicklung weltweit führend gewesen sei, doch jetzt gerate man im internationalen Vergleich mehr und mehr ins Hintertreffen. Es fehle einfach an öffentlichen Forschungsgeldern.

Neue Entdeckungen erwarten die Wissenschaftler vor allem bei der Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs. In Mikroorganismen, Pilzen, Pflanzen und vor allem Meerestieren seien hierzu noch gewaltige Schätze verborgen, die es jetzt zu bergen gelte.

WANC/DGK

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