Feuerwerke enthalten gesundheitsschädliche Stoffe wie Aluminium, Antimon, Kalium, Titan, Stickstoffmonoxid, Sulfurdioxid und Blei (Foto: Stock photo)
Die Gefahren der Feuerwerke

Für Feuerwerke werden nicht nur in Deutschland jährlich Abermillionen Euro ausgegeben. Was da in der Luft verpufft, wird seit 2010 in Europa nach einheitlichen Sicherheitsstandards geprüft. Ob damit die Knallkörper und Raketen wirklich sicherer geworden sind, muss sich erst noch zeigen. Eines ist aber schon heute sicher: Die gesundheitlichen Gefahren, die von den Feuerwerkskörpern ausgehen, sind eher größer geworden. Denn die meist im Ausland gefertigten Silvesterböller und –feuerwerke enthalten kleinste Partikel von bis zu 30 Metallen. Darunter auch richtig giftige wie Blei. Die große Gesundheitsgefahr: Die winzig kleinen Teilchen gelangen ungefiltert in die Lunge und können dort großen Schaden anrichten.

Der Rauch, der bei einem Feuerwerk entsteht, enthält Feinstaub aus Metallpartikeln, der besonders für Asthmatiker ein Gesundheitsrisiko darstellt. Das berichten Forscher vom Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut gemeinsam mit spanischen Kollegen. „Die toxikologische Analyse zeigt, dass viele der hinterbleibenden Metallpartikel bioreaktiv sind und somit die menschliche Gesundheit beeinträchtigen können", warnt Studienleiterin Teresa Moreno.

Schwerpunkt der Analyse waren Partikelrückstände aus Metallen, die dem Raketen-Schwarzpulver zugesetzt werden, um die Farbeffekte zu erzeugen. So verwendet man etwa Strontiumsalze oder Lithium für die Farbe Rot, Barium, Kupfer und Zink für Grün, Natriumsalze für Gelb, Magnesium für weiß und Blei oder Arsen für Blau. Entsprechend ließen sich kleinste Partikel von 30 derartiger Metalle nach einem spanischen Fest mit zahlreichen Feuerwerksraketen auch in der Luft feststellen - darunter zudem auch Aluminium, Antimon, Kalium, Titan, Stickstoffmonoxid und Sulfurdioxid.

Ähnlich wie beim Feinstaub besteht auch beim Rauch aus Silvesterraketen die Gefahr, dass derartige Metallpartikel von nur wenigen Mikrometer Durchmesser ungefiltert in die Lungen gelangen. Moreno bezeichnet die Raketen deshalb als Gefahr für die Gesundheit. „Die beste Lösung wäre, das Einatmen dieses Rauchs zu vermeiden. Zuseher sollten sich nach Möglichkeit nicht in die Windrichtung des Rauches stellen und auch Veranstalter sollten dies bei der Standortwahl berücksichtigen." Weil in den Silvesterraketen auch oft extrem giftige Metalle wie etwa Blei gefunden werden, verlangt die Forscherin strengere Importkontrollen bei Feuerwerken.

„Nach der Silversternacht überschreitet die Luft in deutschen Großstädten, allen voran in Berlin und Hamburg, häufig zulässige Grenzwerte", erklärt Ute Dauert vom Fachgebiet für die Beurteilung von Luftqualität am Umweltbundesamt. Zwar seien die Feinstaubmengen übers Jahr gesehen verschwindend gering, vergleiche man sie mit jenen aus dem Verkehr. Doch die Besonderheit der Partikel aus den den Feuerwerkskörpern beigefügten Metallen sei sehr unübersichtlich, weil es zu ihnen nur wenige wissenschaftliche Studien gebe.

Kurzzeitig kann die Feinstaubbelastung durch Feuerwerke bei sensiblen Gruppen wie etwa Asthmatikern oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen akute Beschwerden auslösen. Das Umweltbundesamt will keine Spaßbremse sein und alles verbieten, betont Dauert. „Die Einschränkung der Feuerwerke ist dennoch sinnvoll - aus Sicht der Luftbelastung, jedoch auch aufgrund weiterer Umweltprobleme. Dazu gehört etwa der zurückbleibende Müll, die meist aufwändige Verpackung für Raketen und auch die vielen Emissionen, die ihre Herstellung und der Transport verursachen.“ Ganz abgesehen davon, dass hinter den Knallern fast immer Kinderarbeit stecke.

Ob sich an dieser Situation insgesamt etwas ändert, muss sich erst noch zeigen. Zwar mussten bis zum 4. Januar 2010 alle europäischen Länder die Richtlinie 2007/23/EG national umgesetzt haben. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) prüft auch bereits seit Oktober 2009 nach der neuen Richtlinie. Auf dem Markt neu erhältliche Knallkörper und Raketen haben daher eine neue Kennzeichnung. Die neue Kennzeichnung besteht aus der Registriernummer, der Identifikationsnummer und dem CEZeichen verbunden mit der Nummer der Benannten Stelle.

Doch ob das weniger Luftbelastung und Gesundheitsgefährdungen bringt, ist eher zweifelhaft. Für den europäischen Verbraucher ist die Registriernummer mit CE-Zeichen am wichtigsten. Sie weist darauf hin, welche Benannte Stelle die Qualitätssicherung beim Hersteller überwacht. Für uns in Deutschland ist zusätzlich die Identifikationsnummer wichtig. Danach heißt es: wenn BAM fehlt, darf das Produkt in Deutschland nicht verwendet werden.

Mit der Richtlinie wird Feuerwerk in Europa nun einheitlich geprüft. Es gibt zurzeit acht Benannte Stellen, die die Prüfungen durchführen dürfen. Die BAM ist eine davon und darf, muss aber nicht, Feuerwerksartikel für ganz Europa prüfen. Wenn die BAM Feuerwerksartikel prüft, vergibt sie ihre Registriernummer. Die Nummer kann wie folgt heißen: 0589-F2-1234. Die Ziffer 0589 steht für die BAM als Benannte Stelle, F2 bedeutet Feuerwerk der Kategorie 2, in Deutschland nur an Personen ab 18 Jahre abzugeben. 1234 ist eine fortlaufende Ziffer.

Damit das Feuerwerk aber auch in Deutschland abgebrannt werden darf, muss es zusätzlich eine Identifikationsnummer durch die BAM erhalten haben. Die Identifikationsnummer kann wie folgt aussehen: BAM-F2-1234. Wichtig ist das Kürzel BAM. Ohne die BAM-Identifikationsnummer, ist der Feuerwerksköper in Deutschland verboten.

Diese Richtlinie wurde eingeführt, um Handelshemmnisse ab- und ein gleich hohes Qualitäts- und Sicherheitsniveau in Europa aufzubauen. Bei der Diskussion um die Festlegung der erforderlichen Prüfungen hat sich die BAM mit ihren Prüfverfahren durchgesetzt. Deshalb ändert sich für uns in Deutschland in Bezug auf die Sicherheit nichts. Lediglich die erlaubten Mengen an pyrotechnischem Satz (Glitzereffekt und Schwarzpulver) in einer Batterie, Kombination oder Fontäne können sich erhöhen im Vergleich zu den früher gültigen Grenzwerten. Aber: „Die großen Feuerwerksartikel sind sicherer als die kleinen Kippligen“, so die Experten der BAM. Und: Die alten Zulassungen der BAM sind noch bis 2017 in Deutschland gültig. Diese alte Kennzeichnung für einen Feuerwerkskörper der Klasse II sieht wie folgt aus: BAM-PII-1234.

WANC 27.12.10, Quelle: Journal of Hazardous Materials, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Silvester: Alarm fürs Gehör

Fragen und Antworten zu verschiedenen Gesundheitsthemen
Welche Obstsorte hat den größten Einfluss auf den Blutzucker?

Wann treten Hitzewallungen in den Wechseljahren am häufigsten auf?

Warum verursachen die Schmerzmittel ASS, Diclofenac und Ibuprofen manchmal Magenprobleme?

Wie läuft eine Darmspiegelung ab?

Wie beginnt eine Schizophrenie?

Überblick aller Fragen und Antworten

 
Seite versenden  
Seite drucken