Arbeit im Gesundheitswesen macht krank

Während in fast allen Branchen in Deutschland die Zahl der Kranken- und Fehltage weiter zurückgeht, steigt sie im Gesundheitswesen noch an. Untersuchungen führen das auf starke Arbeitsbelastung und ungünstige Arbeitsbedingungen zurück.

Der Krankenstand in Deutschland ging erneut stark zurück und erreichte seinen niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Das hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) ermittelt. Er lag bei den AOK-Mitgliedern im Jahr 2003 bundesweit bei 4,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der krankheitsbedingten Ausfalltage in den Betrieben um 6,4 Prozent. Die stärksten Rückgänge verzeichnete das Bau- und verarbeitende Gewerbe. Jeder Versicherte war im Durchschnitt 17,7 Kalendertage krank geschrieben. Im Jahr zuvor waren es noch 19 Tage.

Von diesem Trend abgekoppelt hat sich das Gesundheitswesen, insbesondere die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Die Krankenstände im Jahr 2003 bei den in Altenpflegeheimen und ambulanten sozialen Diensten Beschäftigten lagen bei 5,8 Prozent. Bei den in Krankenhäusern Tätigen waren es 5,3 Prozent. Die in Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäusern Beschäftigten waren 2003 im Mittel 21,3 bzw. 19,2 Kalendertage krank geschrieben.

Die im Vergleich überdurchschnittlich hohen krankheitsbedingten Fehlzeiten sind nach Aussagen der Herausgeber des "Fehlzeiten Reports" häufig auf arbeitsbedingte Belastungen zurückzuführen. Notwendig sei ein professionelles Gesundheitsmanagement und die Anwendung moderner Methoden der Arbeitsorganisation und Organisationsentwicklung in den Einrichtungen. Dadurch könnten nicht nur Belastungen vermieden, sondern auch Qualität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Versorgung verbessert werden.

"Vor allem psychische Erkrankungen und Muskel- und Skeletterkrankungen führen in Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäusern häufiger zu Fehlzeiten als im Durchschnitt", erläutert Mitherausgeber Christian Vetter vom WIdO. Bei den in Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäusern tätigen Frauen nehme der Krankenstand insbesondere in den höheren Altersgruppen deutlich stärker zu als bei den übrigen AOK-Mitgliedern.

Bei einer europaweiten Studie zur Arbeitsbelastung und -beanspruchung von Pflegepersonal, die der Report vorstellt, schnitt Deutschland bei den meisten Indikatoren vergleichsweise ungünstig ab, obwohl die finanziellen Rahmenbedingungen in den übrigen Ländern häufig nicht besser sind. Fast jeder Fünfte denkt in Deutschland ernsthaft daran, den Pflegeberuf zu verlassen. Dabei handelt es sich insbesondere um Jüngere und Besserqualifizierte.

Nur in Großbritannien und Italien ist der Anteil derer, die erwägen, aus dem Beruf auszusteigen, höher. "Soll der zunehmende Bedarf an Pflegekräften weiterhin gedeckt werden, sind Verbesserungen der Arbeitsbedingungen dringend erforderlich. Die Arbeitsplätze müssen so gestaltet werden, dass Pflegekräfte ihre Tätigkeit auch langfristig gesund und motiviert ausüben können", sagt der Gesundheitswissenschaftler Bernhard Badura von der Universität Bielefeld, einer der Mitherausgeber.

WANC 30.11.04
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