E-Zigaretten: Nicht harmlos, nicht unbedenklich

Sie sollen "gesünder" sein, als herkömmliche Zigaretten. Und sie sollen dabei helfen, vom Rauchen abzukommen: elektrische Zigaretten, auch E-Zigaretten genannt. Ob sie beim Rauchenentwöhnen tatsächlich helfen und ob das überhaupt das Interesse der Hersteller sein kann, ist umstritten. Und Untersuchungen, ob die E-Zigaretten tatsächlich so harmlos und unbedenklich sind, wie es in der Werbung versprochen wird, können die Hersteller bisher nicht vorlegen.

Es gibt nicht wenige Raucher, die ihrem Laster abschwören wollen, oder die auf eine "gesündere" Alternative umschwenken. E-Zigaretten erfreuen sich anscheinend stark zunehmender Beliebtheit. Das belegen schon allein die Online-Shops, die vermehrt im Internet zu finden sind und die teilweise über 60 Geschmacksrichtungen des flüssigen Nikotins von Marlboro oder Lucky Strike anbieten.

Doch wie gefährlich oder ungefährlich die Ersatzglimmstengel tatsächlich sind, darüber sind immer noch relativ wenig Informationen verfügbar. Obwohl die Langzeitrisiken noch nicht erforscht wurden, verharmlosen viele Hersteller von E-Zigaretten diese. In ersten Erhebungen und Untersuchungen wurden allerdings bereits mehrere Risiken aufgedeckt. "E-Zigaretten enthalten Inhaltsstoffe, die bei Kurzzeitgebrauch zur Atemwegsreizung und allergischen Reaktionen führen können", erklärt Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Abteilung für Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

Auch krebserregende Stoffe wie Nickel, Chrom, Blei oder Acrolei finden sich in diesen als gesünder angepriesenen Ersatzzigaretten. In einem der Produkte wurde sogar eine höhere Nickel-Konzentration als in einer herkömmlichen Zigarette festgestellt, mahnt Pötschke-Langer. Und sie warnt: "Zudem enthalten elektrische Zigaretten ebenfalls das Nervengift Nikotin, das in hoher Konzentration erhebliche Gesundheitsschädigungen sowie Vergiftungserscheinungen auslösen kann."

"Die Tabakzigarette ist ein Giftgemisch - die E-Zigarette ein Chemikaliengemisch. Bei Ersterer ist bekannt, dass sie so giftig wie kein anderes Konsumprodukt ist. Die Hälfte der Konsumenten verstirbt vorzeitig und büßt im Durchschnitt zehn gute Jahre des Lebens ein", erklärt Pötschke-Langer. Bei E-Zigaretten wüssten die Verbraucher dagegen nicht, welche Menge an Reizstoffen und an Nikotin pro Zug in ihre Lungen gelangen.

Deshalb sei an eine Entwarnung zu den E-Zigaretten derzeit überhaupt nicht zu denken. "Zunächst muss eine profunde Qualitätssicherung zur Regulierung erfolgen, das bedeutet unter anderem eine Transparenz über die Zusammensetzung der Liquids mit einer klaren Darstellung der Nebenwirkungen."

Berliner Ärzteblatt 25.06.2013/ Quelle: DKFZ, pte
 
Seite versenden  
Seite drucken