Heiße Ohren durch Handys: Erhöht die Strahlung auch die Gefahr für Hirntumore? (Foto: Robert Müller / pixelio.de)
Heiße Ohren durch Handys: Erhöht die Strahlung auch die Gefahr für Hirntumore? (Foto: Robert Müller / pixelio.de)
Handystrahlung: Die umstrittene Gefahr

Wie gefährlich Handystrahlung wirklich ist? Eine verbindliche Antwort darauf kann und will derzeit niemand geben. Warum nicht? Es gibt viele Studien, deren Ergebnisse sich deutlich widersprechen. Aber selbst harte Befürworter der Ungefährlichkeit von Mobilfunk geben zu bedenken, dass die gesundheitliche Gefährdung von Kindern möglich und die langfristige Wirkung der Handynutzung auf den Menschen noch unsicher ist.

Experten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) stellen fest: "Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand geht vom Mobilfunk unterhalb der geltenden Grenzwerte keine gesundheitliche Gefahr aus." Dabei geht es vor allem um das Risiko, dass sich durch die hochfrequenten elektromagnetischen Felder Tumore im Kopf bilden können. Doch das BfS räumt auch ein: "Für eine abschließende Beurteilung von Langzeitwirkungen ist die Technologie allerdings noch zu jung. Auch bei Wirkungen auf Kinder sind noch nicht alle Fragen abschließend beantwortet."

Beruhigen kann das nicht. Denn zwar ist die Zahl der Studien, die vor der Wirkung der elektromagnetischen Felder von Mobiltelefonen warnen etwa genau so groß, wie die, keine erhöhte Gefahr sehen. Wobei sehr viele dieser Studien von den Mobilfunk-Betreibern finanziert werden. Auf die Ergebnisse soll das keinen Einfluß haben. Soll. Doch eines muss einen wundern: Insbesondere von Verfechtern der Gefahrlosigkeit sowie von vielen Behörden wird im Zusammenhang mit der Risikobewertung fast immer eine Standardformulierung verwendet: "Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand reichen die aktuellen Grenzwerte aus, um vor nachgewiesenen Gesundheitsrisiken zu schützen."

Ein Grund, warum vorhandene Erkenntnisse unterschiedlich bewertet werden, ist der regelmäßig gegenseitig erhobene Vorwurf, das die Dauer der Beobachtungen zu kurz ist, um eine wirkliche Aussage treffen zu können. Mit diesem Argument wird die Glaubhaftigkeit und die Beweiskraft der meisten Studien in Frage gestellt. Dazu muss man wissen, dass es bei Hirntumoren durchaus bis zu 30 Jahre dauert, bis sie identifiziert werden können.

Das ist sicherlich ein Grund dafür, dass sich fast alle Experten zurückhaltend äußern, wenn es um mögliche Langzeitwirkungen geht. Denn die lassen sich bisher nicht beurteilen, weil man anscheinend über keine Daten verfügt. Das gilt vor allem für Vieltelefonierer. In ganz vielen Studien sind beispielsweise Berufstätige, die ihr Handy ständig nutzen, um ihre Arbeit zu erledigen, nicht erfasst oder werden von den Auswertungen ausgenommen. Warum? Und wenn es denn so ist, dass man über die Langzeitnutzung keine Aussagen treffen kann, wie lässt sich dann ein Grenzwert überhaupt bestimmen. Und vor allem einer, von dem keine Gefährdung der Gesundheit ausgeht? Ist dieser Grenzwert einer, der beschränktes Wissen in eine angeblich sichere Norm überführt und damit einen Schutz vorgibt, der sich im Grunde gar nicht nachweisen lässt?

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt Unsicherheiten in der Risikobewertung zu, die durch das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm nicht vollständig beseitigt werden konnten. Die Unsicherheit sieht das Amt denn auch in der intensive Handynutzung über mehr als 10 Jahre und in der Nutzung von Mobiltelefonen durch Kinder. Deshalb rät das Amt dazu, sich so wenig wie möglich elektromagnetischen Feldern auszusetzen, um so die persönliche Strahlenbelastung zu minimieren.

Berliner Ärzteblatt 15.02.2013/ Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
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