Luftverschmutzung - hier Köln bei Smog - erhöht das Risiko für Herzinfarkt (Foto: Thomas Max Müller  / pixelio.de)
Luftverschmutzung - hier Köln bei Smog - erhöht das Risiko für Herzinfarkt (Foto: Thomas Max Müller  / pixelio.de)
Feinstaub schadet dem Herz, selbst bei geringer Belastung

Luftverschmutzung ist gefährlich für unsere Gesundheit. Insbesondere Feinstaub kann zu Schäden an Herz und Gefäßen sowie an den Atmungsorganen führen und wird als eine Hauptursache für Krebs angesehen. Jetzt haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München heraus gefunden, dass eine langfristige Feinstaubbelastung zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte führt, selbst wenn diese unterhalb der aktuell festgeschriebenen Grenzwerte liegt.

Untersucht wurden 100.166 Frauen und Männer aus Finnland, Schweden, Dänemark, Italien und Deutschland in den Jahren 1997 bis 2007. Erfasst wurde die Belastung mit Feinstaub, das sind Luftpartikel mit einem Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer ( PM10) bzw. lungengängigen Partikeln kleiner als 2.5 Mikrometer (PM2.5) und Stickstoffoxiden (NOx). Die EU hat Grenzwerte für Kleinstpartikel bis 2,5 Mikrometern und für solche bis 10 Mikrometern vorgegeben. Von feinsten Feinstäuben dürfen seit 2008 maximal 25 Mikrogramm (0,025 mg) pro Kubikmeter Luft nachgewiesen werden und von denen bis 10 Mikrometer großen bis zu 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Insgesamt erlitten 5.157 Personen während der Beobachtungszeit einen Herzinfarkt oder instabile Angina pectoris (Brustenge), beides Erkrankungsbilder, die durch eine Verkalkung der Herzkranzgefäße hervorgerufen werden. Ein Anstieg der jährlichen Konzentration von PM2.5 um 5 µg/m³ bzw. von PM10 um 10 µg/m³ in der Luft führte zu einem um 13 bzw. 12 Prozent erhöhten Herzinfarkt-Risiko. Ein Risiko durch erhöhte Feinstaubbelastung trat bereits dann auf, wenn die  Partikelkonzentrationen unterhalb der EU-weiten Grenzwerte von 25 µg/m³ für PM2.5 und 40 µg/m³ für PM10 lagen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Feinstaubbelastungen ein deutliches Gesundheitsrisiko darstellen – und zwar ein größeres als bisher angenommen“, warnt Prof. Dr. Annette Peters. „Besonders alarmierend sind die Gesundheitsschädigungen bereits unterhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte. Die Studie unterstützt daher die Forderungen, diese Grenzwerte abzusenken.“

Mahnungen, dass die Grenzwerte in der EU viel zu hoch sind, gibt es schon mehrere. Erst kürzlich war eine Untersuchung veröffentlicht worden, die gezeigt hatte, dass die Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu erkranken oder zu sterben auch bei Partikelgrößen bis 20 Mikrometern anstieg. Und sie blieb auch erhöht, wenn die Partikelkonzentrationen in der Luft die europäischen Grenzwerte unterschritt.


Berliner Ärzteblatt 24.01.2014/ Quelle: BMJ 2014

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