Fracking: Nicht unbedenklich für die Gesundheit

Fracking ist nicht unumstritten. Der Methode, die zur Gewinnung von Erdgas dient, wird eine Gefährdung von  Trinkwasser und Landschaften nachgesagt. Jetzt legt eine Studie offen, dass es auch direkt die Gesundheit von Menschen beeinflusst. Und nicht zum Guten.

Kurz zur Methode: Beim Fracking werden Risse im Gestein, in dem Gas lagert, durch eine unter hohem Druck mit mehreren hundert Bar in das Gestein gepresste Flüssigkeit geweitet (Fracking = hydraulisches Aufbrechen). Dadurch können Erdgas und Flüssigkeiten (z.B. Wasser oder Öl) leichter entweichen und gewonnen werden. Eingesetzt werden dazu laut BUND „Millionen von Litern mit Chemikalien versetzten Wassers“. BUND sagt auch, dass diese Art der Förderung „mit erheblichen Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit verbunden“ ist.

Die Bundesregierung sagt: „ Kommerzielles Fracking zur Förderung von Schiefergas bleibt unzulässig.“ Und natürlich wollen unsere Politiker Trinkwasser und Natur schützen. Aber. So ganz verboten ist das Fracking eben nicht. Dazu muss man das konventionelle und das unkonventionelle Fracking voneinander unterscheiden. Beim konventionellen Fracking geht es um Bohrungen unterhalb von 3000 Metern, beim unkonvetionellen um Bohrungen oberhalb von 3000 Metern.

Das konventionelle Fracking wird als weniger gefahrenbehaftet angesehen. Auch von der Bundesregierung. Das unkonventionelle Fracking ist bis mindestens 2021 verboten. Danach muss der Bundestag neu entscheiden. Und: „Um bestehende Kenntnislücken beim unkonventionellen Fracking zu schließen, sind deutschlandweit nur vier Probebohrungen im Schiefer-, Ton- oder Mergelgestein oder Kohleflözgestein zulässig.“ O-Ton Bundesregierung.

Befürworter des Fracking, wie ExxonMobil, behaupten: „Seit 1961 kam das Fracking-Verfahren bei mittlerweile rund 300 Fracs ohne einen einzigen Unfall zum Einsatz und mittlerweile basiert etwa ein Drittel der deutschen Erdgasproduktion auf dem Fracking-Verfahren.“ Natürlich hat „der Schutz des Trinkwassers oberste Priorität“. Ganz klar ist auch, dass eine Flüssigkeit eingesetzt wird, „bei der die Zusätze (Additive) weder giftig noch umweltgefährlich sind“.

Also alles gut? Die Universität von South Dakota hat nun untersucht, inwieweit sich Fracking auf die Luftqualität auswirkt und ob es möglicherweise giftiges Gefahrenpotenzial erzeugt. Gemessen wurden die Auswirkungen auf die Luftqualität an Asthmapatienten. Dazu wurden 5935 Asthmapatienten mit 5713 Nicht-Asthmatikern verglichen, die alle in einem Fracking-Gebiet in Pennsylvania wohnten. In Gebieten mit einer geringen Fracking-Produktion erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit eines Asthmaanfalls und des Einsatzes eine Asthmamedikamentes bei den Asthmapatienten um etwa 28% (zwischen 13% und 46%. In Gebieten mit einer hohen Fracking-Produktion lag dieses Risiko sogar um im Durchschnitt 343% (zwischen 275% und 422%) höher. Die Gesundheitsbehörde der USA (US Occupational Safety and Health Administration) sieht damit ihre Befürchtungen bestätigt, das Fracking langwirkende Effekte auf die Atmungsorgane hat.

Die potentiell giftige Fracking-Flüssigkeit wird laut Studie zu 95% als Abwasser durch sogenannte Versenkbohrungen entsorgt – also in sehr tiefe Gesteinsschichten gepumpt. Was das auf lange Sicht für gesundheitliche Auswirkungen hat, müsse erst noch erforscht werden. Getan hat das bisher – aus welchen Gründen auch immer – offensichtlich noch niemand. Weil das Abwasser aus dem Fracking aber Schwermetalle (z.B. Barium – giftig, Mangan – in hohen Konzentrationen giftig), radioaktives Material (z.B. Radium – verursacht Krebs) und möglicherweise schädliche organische Bestandteile (z.B. Benzol – giftig, schädigt das zentrale Nervensystem; Toluol – verursacht Nerven-, Nieren- und Leberschäden; Xylol - reizt Atemwege, Augen, Magen-Darm-Trakt und Haut, schädigt Lunge, Leber, Niere und Nervensystem) enthält, seien Schäden des Nervensystems, ein erhöhtes Risiko für Parkinson und eine idiopathische Neuropathie (schmerzhafte Schäden der Nervenfasern) möglich.

17.10.2017 cs/ Quelle: JAMA

 
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