Risiken von Funk- und Handystrahlen: Keine einfachen Antworten

Sind sie nun gesundheitsgefährlich oder nicht – die elektromagnetischen Felder und Strahlungen, die beispielsweise von Funkantennen oder von Mobiltelefonen ausgehen? Die Antworten auf diese Frage fallen recht unterschiedlich aus. Ein schweizrisches Forschungsprogramm hat nun festgesetellt, dass die Strahlen biologische Prozesse beeinflussen können - etwa die elektrische Hirnaktivität während des Schlafs. Doch zwischen der alltäglichen Strahlenexposition und der menschlichen Gesundheit haben sie keinen Zusammenhang festgestellt. Mit einer Ausnahme: Ungeborene Kinder sind gefährdet.

Was die Zunahme von Mobiltelefonen für Umwelt und menschliche Gesundheit bedeutet, ist ziemlich umstritten. Es gibt viel Studien, die die Harmlosigkeit der Strahlen nachweisen wollen. Zumindest geben sie Entwarnung, dass die elktromagnetische Strahlung keine negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Doch Zweifel bleiben bestehen. Und nicht nur, weil viele der positiven Ergebnisse aus Studien stammen, die sowohl von Netzbetreibern wie Handyherstellern finanziert werden. Immer wieder tauchen auch Untersuchungen auf, die diese Gefahrenlosigkeit nicht unterstreichen.

In der Schweiz hat ein Nationales Forschungsprogramm – das NFP 57 - nun versucht, während vier Jahren eine Klärung herbeizuführen. Allerdings: Es scheint immer noch keine einfachen Antworten zu geben. Einige Forschungsprojekte des NFP 57 haben bestätigt, dass sich nichtionisierende Strahlung nachweislich auf biologische Prozesse in Zellen und Organen auswirken. So haben Forschende zum Beispiel mit Zellkultur-Experimenten ausmachen können, dass sich Strangbrüche im Erbgut als Folge der Strahlung geringfügig häufen, ohne dass die DNA direkt geschädigt wird.

In einer Studie, in der zum ersten Mal Daten über die Mobiltelefonbenutzung und die tatsächliche Strahlenexposition der Bevölkerung erhoben wurden, konnte jedoch kein Zusammenhang zwischen der alltäglichen Strahlenexposition und Störungen der menschlichen Gesundheit gefunden werden.

Die Ergebnisse des Forschungsprogramms liefern keine vollkommen neuen Einsichten. Allerdings hebt der Bericht hervor, dass Föten im Bauch der Mutter mehr geschützt werden müssen. Denn in einer Simulation haben Wissenschaftler die Menge der elektromagnetischen Strahlung nachgestellt, die ungeborenen Kinder im dritten, siebten und neunten Monat der Schwangerschaft ausgesetzt sind: Die Belastung der Föten liegt in bestimmten Fällen über den allgemeinen Grenzwerten. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die werdenden Mütter an Induktionskochherden arbeiten.

Auch scheint das Telefonieren mit dem Handy die Hirnstromwellen zu ändern. Das konnte vor allem dann nachgewiesen werden, wenn das Gespräch vor dem Einschlafen geführt wurde. Allerdings schlug die durch ein halbstündiges Telefonat veränderte Hirnaktivität nicht auf Qualität und Quantität des Schlafes durch.

Noch sei nicht klar, ob die nachgewiesenen Effekte im Gehirn und in den Zellen für die menschliche Gesundheit von Bedeutung sind, sagt eine Mitteilung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Eine Formulierung, die man fast immer findet, wenn unabhängige Forschungseinrichtungen zu diesem Thema Kommentare abgeben. Das ist bei deutschen Stellen nicht anders.



Berliner Ärzteblatt 17.05.2011/ Quelle: Nationales Forschungsprogramm «Nichtionisierende Strahlung – Umwelt und Gesundheit» (NFP 57)
 
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