Maßnahmen gegen den Klimawandel helfen auch der Gesundheit

Der Wandel des Klimas verändert unsere Umwelt. Aber nicht nur das. Der Klimawandel beeinflusst auch unsere Gesundheit. So sagen Gesundheitswissenschaftler, dass nicht nur die Ursachen, sondern genauso die Auswirkungen der klimatischen Änderungen sich auf Herz und Kreislauf, die Entstehung bestimmter Krebsarten sowie die Atemwege negativ auswirken können. Eine Klimapolitik sei deshalb auch hilfreich für einen besseren Gesundheitsstatus. Und die Kosten für Maßnahmen gegen den Klimawandel könnten sich durch damit verbundene geringere Gesundheitsausgaben mehr als bezahlt machen.


Sir Andy Haines, Professor an der London School of Hygiene and Tropical Medicien, bewertet die Folgen des Klimawandels als dramatisch: „Zweifellos stellt der Klimawandel auch die Gesundheitssysteme vor große und unausweichliche Herausforderungen." Es sieht aber genauso die Möglichkeiten von Maßnahmen, die den Klimawandel bekämpfen wollen, weil diese "viele Chancen für die Gesundheit und Einsparungen bei Krankheitskosten, manchmal auch kurzfristig feststellbare Effekte" eröffne. "Dieser Nutzen wurde von der Politik bislang zu wenig beachtet.“

Welche Folgen der Klimawandel für die Gesundheit haben kann, hat die Europäische Kommission ermittelt: Die Hitzewellen im Sommer 2003 verursachten demnach mehr als 70.000 zusätzliche Todesfälle. In den EU-Mitgliedstaaten steigt die hitzebedingte Mortalität schätzungsweise um ein bis vier Prozent, je Grad des Temperaturanstiegs. Die EU errechnete die hitzebedingte Sterblichkeit bis 2030 auf 30.000 Todesfälle pro Jahr und bis 2080 auf 50.000 bis 110.000 Todesfälle pro Jahr. Eine andere Folge des Klimawandels ist die Zunahme temperaturabhängiger Infektionskrankheiten insbesondere in Europa.

So sind Maßnahmen, den Klimawandel zu verringern, auch Maßnahmen, die Gesundheit zu fördern. Wissenschaftler sagen, dass sich eine Verminderung der durch Verbrennungsmotoren verursachten Luftverschmutzung positiv auf die Lungenkrebsrate und das Auftreten mancher Atemwegserkrankungen auswirken werde. Ein Zurückfahren des städtischen Autoverkehrs würde auch das Maß regelmäßiger Bewegung fördern und damit Krankheiten bekämpfen helfen, die im Zusammenhang mit Bewegungsmangel stehen. Berechnet wurde das für die Stadt London. Eine Einschränkung des Autoverkehrs könnte den umweltschädlichen CO2-Ausstoß um beinahe zwei Fünftel verringern. Das wiederum könnte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle um 10 bis 20%, für Brustkrebs um 12 bis 13%, für Demenz um rund 8% und für Depressionen um rund 5% senken.

Ein anderes Beispiel ist die Verbrennung fossiler Brennstoffe, insbesondere von Braun- und Steinkohle, um Elektrizität zu erzeugen. Diese Art der Elektrizitätsgewinnung führt zu Feinstaubbelastung. Würde man weitergehend auf die Verwendung fossiler Brennstoffe zur Stromgewinnung verzichten, so würde das bis zum Jahr 2030 der EU-Bevölkerung weitere 100 sogenannte DALYs („disablity adjusted life years“ / „behinderungsbereinigte Lebensjahre“ – eine Messzahl, bei der Sterblichkeit und die Beeinträchtigung des normalen, beschwerdefreien Lebens durch eine Krankheit zusammengerechnet wird) pro 1 Million Einwohner bringen. 

Haines mahnt bei Politikern deshalb an, bei Klimaschutzmaßnahmen nicht nur an die Kosten zu denken. Der  Nutzen für die Gesundheit müsse dagegen gerechnet werden und das könne in manchen Bereichen auch alle Kosten der Maßnahmen ausgleichen.

Berliner Ärzteblatt 05.10.2012/ Quelle: European Health Forum Gastein
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