Woran wir erkranken und warum

An welchen Krankheiten leiden wir am häufigsten? Und warum erkranken wir? Die Frage nach den Gesundheitsproblemen stellt eine Studie, in der bis 2014 sollen rund 26.500 Leipziger Kinder und Erwachsene untersucht werden sollen. Eine Zwischenauswertung von seit 2011 gut 4.200 Erwachsenen und knapp 2.700 Jugendlichen zeigt, dass unter den Erwachsenen Allergien und starkes Übergewicht stetig zunehmen. Bei Jugendlichen erweisen Depressionen als ein unterschätztes Problem. Alarmierend: Wer wenig verdient, wird eher krank.

Die jetzt ausgewerteten Daten wurden zwischen November 2011 und September 2013 erhoben. Es bewahrheitet sich, dass  einige sogenannte Alterserkrankungen sich schon viel früher ankündigen. Bei Personen unter 50 Jahren wurden nachweisbare Veränderungen an den Gefäßen (Plaques) gefunden, die als Vorboten einer späteren koronaren Herzkrankheit gelten. In dieser Altersgruppe konnten außerdem Netzhautveränderungen (Makuladegneration) aufgedeckt werden, die bislang ebenfalls als eine Alterserkrankung bezeichnet wird. Diese frühen Veränderungen deuten einen späteren Sehverlusten viele Jahre im voraus an.

Ein großes Gesundheitsproblem stellt der Bluthochdruck dar. Bereits im Alter unter 40 Jahren kündigte sich bei ungefähr einem Viertel der Studienteilnehmer ein erhöhter Blutdruck an. Im Alter über 60 Jahre leiden dann vier von fünf Leipziger Bürgern unter Bluthochdruck. Diese Indikation wird am häufigsten medikamentös behandelt.

Allergien greifen immer mehr um sich und betreffen zunehmend auch Erwachsene. Dabei wird das allergene Potential der aus Amerika eingewanderten Ambrosia (beifußblättriges Traubenkraut) sehr deutlich.

Mit zunehmendem Alter wächst der Anteil an übergewichtigen Personen (BMI >25) auf 80 Prozent und der Anteil an adipösen Personen (BMI >30) auf 30 Prozent. Während aber Personen im mittleren Alter eine gesäß- und beinbetonte Fettverteilung aufweisen (Birnenform), verschieben sich die Verteilungsmuster mit dem Alter zu einem mehr bauchbetonten Muster (Apfelform).


Diabetes haben über 20 Prozent der Personen im Alter über 60 Jahren. Erschreckend: Jeder  4. weiß nichts von seiner Erkrankung. Diabetes ist bei Personen mit Fettsucht nochmals deutlich weiter verbreitet, teilweise bis 40 Prozent.

Die Studie liefert auch Erklärungen, warum es zu einer Vielzahl dieser Erkrankungen überhaupt kommen kann. Über ein Drittel der Studienteilnehmer bewegt sich zu wenig. Die von der WHO empfohlene tägliche Schrittzahl von 10.000 wird deutlich nicht erreicht. Und beim Essen achtet jede 4. Frau aber nur jeder 8. Mann auf die Menge, um das Gewicht zu halten.

Männer schlafen durchschnittlich sechs Stunden und Frauen von 6,5 Stunden am Tag, Einschlafzeiten und Unterbrechungszeiten nicht mitgerechnet.


Eine depressive Symptomatik wiesen sechs Prozent aller Studienteilnehmer auf. Sie betrifft Frauen häufiger als Männern. Gerade bei der Häufigkeit von Depressionen zeigt sich die Abhängigkeit von der sozialökonomischen Schicht, ist sie niedrig, nimmt die Häufigkeit zu.


Bei den Kindern und Jugendlichen weist die Blutkonzentration des für den Knochenaufbau bedeutenden Vitamin D bei den meisten deutlich zu niedrige Wert auf. Die Ursache liegt wahrscheinlich im veränderten Freizeitverhalten mit intensiver Mediennutzung in geschlossenen Räumen. Diese Situation könnte Grundstein für Osteoporose im Alter sein.


Das Verhältnis aus Größe und Gewicht (Body-Maß-Index - BMI) taugt im Kindesalter nicht zur Früherkennung von Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus Typ II oder von Herz-/Kreislauferkrankungen. Vielmehr müsse der Körper und dessen Volumen vermessen werden.


Knapp zehn Prozent aller bisher untersuchten Kinder und Jugendlichen weisen alle Kriterien einer aktuellen depressiven Störung auf. Jedes 5. Kind hat oder hatte eine depressive Störung. Viele der Kinder leiden außerdem an anderen psychischen Problemen wie Depressionen, Ängste aber auch Verhaltensauffälligkeiten, die häufig gleichzeitig auftreten. Kinder mit psychischen Störungen sind deutlich mehr psychosoziale Belastungsfaktoren innerhalb der Familie und mit Gleichaltrigen ausgesetzt als gesunde Kinder. 35 Prozent der Studienteilnehmer mit einer depressiven Störung haben Eltern, die selbst mit einer solchen Problematik leben.

Berliner Ärzteblatt 27.09.2013/ Quelle: LIFE, Universitätsklinikum Leipzig

 
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