Nicht nur industrielle Abgase verpesten unsere Luft und sorgen damit für weltweit rund 7 Mio. Tote durch Luftverschmutzung (Foto: Günter Havlena/ pixelio.de)
Nicht nur industrielle Abgase verpesten unsere Luft und sorgen damit für weltweit rund 7 Mio. Tote durch Luftverschmutzung (Foto: Günter Havlena/ pixelio.de)
Luftverschmutzung: die gerne verschwiegene Lebensgefahr

Wie gefährlich Feinstaub und Abgase wirklich sind, wird weltweit unterschätzt und gerne verschwiegen. Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon: Diskussionen um die Verschmutzung der Luft und eine Erhöhung der Auflagen können der Wirtschaft schaden. Ein weiterer: Das Auto als Umweltsünder zu entlarven, lässt möglicherweise den Konjunkturmotor in Stottern kommen. Wer will das schon? Doch jetzt kommen Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO und einer Studie ans Licht, die belegen, dass verdreckte Luft das größte Umweltrisiko für die Gesundheit ist.

"Die Risiken der Luftverschmutzung sind viel größer als bisher angenommen, insbesondere für Herzerkrankungen und Schlaganfall," bedauert Dr. Maria Niere, Direktorin bei der WHO. "Es gibt nur wenige Risiken die einen größeren Einfluss auf unsere Gesundheit haben als Luftverschmutzung….." Die Zahlen, die die WHO in ihrem neuen Bericht präsentiert, müssen uns eigentlich erschrecken: Jährlich sterben 3,7 Mio. Menschen weltweit an den Folgen der Verschmutzung der Außenluft, 4,3 Mio. an den Folgen der Verschmutzung der Luft der Innenräume.

Dass diese Zahlen doppelt so hoch liegen, wie bisherige Annahmen, hat allerdings nicht nur etwas mit einem höheren Risiko zu tun. Vielmehr führen bessere Mess- und Analysemethoden zu einer detaillierteren Auswertung der Daten. Und die hat u.a. ergeben, dass sich Luftverschmutzung nicht nur auf Atemwegserkrankungen auswirkt. Sondern sie ruft auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall hervor und wird für verschiedene Krebsarten verantwortlich gemacht.

Die WHO geht davon aus, dass schmutzige Außenluft 40% aller Todesfälle durch Herzerkrankungen oder Schlaganfälle, 11% durch Lungenerkrankungen wie COPD, 6% durch Lungenkrebs und 3% durch Atemwegsinfektionen bei Kindern verursacht. Schmutzige Innenraumluft verantwortet 34% aller Todesfälle durch Schlaganfall, 26% durch Herzerkrankungen, 22% durch chronische Lungenkrankheiten, 12% durch Atemwegsinfektionen bei Kindern und 6% durch Lungenkrebs. Zur Erklärung: Luftverschmutzung innerhalb von Gebäuden wird vor allem durch Kochen am offenen Feuer sowie Kohle- und Holzöfen aber auch durch giftige Ausdämpfungen von Farben und Versiegelungen - z.B. Teppichböden, Möbel - verursacht . In der Umwelt sind Abgase aus Verkehr, Industrie, Energieerzeugung und Abfallverbrennung die wichtigsten Verschmutzungsquellen.

Wie stark dauerhaft schlechte Luft das Risiko für einen Schlaganfall erhöht, belegt außerdem eine Datenauswertung von Ergebnissen aus 94 Studien in 28 Ländern. Dabei wurden 6,2 Mio. Krankenhausweisungen ermittelt, bei denen Schlaganfall diagnostiziert worden war. Erhoben wurden dazu die Tageswerte für Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Ozon sowie für Feinstaub und zwar für die Partikelgrößen unter 2,5 bzw. unter 10 Mikrometer.

Deutlich wurde, dass mit einer Erhöhung der Belastung durch die Luftverschmutzung, sowohl die Krankenhauseinweisungen wegen Schlaganfall wie auch die Todesfälle durch Schlaganfall zunahmen. Pharmakologen nennen das Dosis-Wirkungs-Beziehung, was ungefähr bedeutet, dass mit einem zunehmenden Grad der Luftverschmutzung die Zahl der Betroffenen um einen gewissen Prozentsatz ansteigt. Am schwächsten war dieser Zusammenhang bei Ozon, am stärksten bei Feinstaub mit einer Partikelgröße unter unter 2,5. Schon leichte Erhöhungen der Feinstaubbelastung lassen das Schlaganfallrisiko um 19% steigen.

Berliner Ärzteblatt 25.03.2015/ Quelle: WHO, BMJ 2015

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