Luftverschmutzung durch Feinstaub: Ein oft unterschätztes Gesundheitsrisiko

Luftverschmutzung ist zu einem weltweiten Gesundheitsproblem geworden. Am häufigsten ist dafür Feinstaub (das sind Partikel mit einer Größe von 2,5 Mikrometern - PM2,5) verantwortlich: Er erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Nierenerkrankungen. Jetzt gibt es gleich mehrere neue Untersuchungen, die Feinstaub als Ursache für Typ-2-Diabetes und ein erhöhtes Sterberisiko definieren.

In einer Studie wurden 729.108 US-Veteranen, die nicht unter Diabetes litten, über einen Zeitraum von 8,5 Jahren beobachtet. Es stellte sich heraus, dass jede Erhöhung der PM2,5-Konzentration um 10 μg/m3 (Mikrogramm pro Kubikmeter) das Risiko für eine Diabeteserkrankung um durchschnittlich 15% (zwischen 8% und 22%) erhöhte. So erkrankten 21% der Veteranen an Diabetes, die einer Feinstaubkonzentration von 5 bis 10 µg/m3 ausgesetzt gewesen waren. Bei denjenigen, bei denen es zwischen 11,9 bis 13,6 µg/m3 gewesen war, lag der Anteil der Erkrankten bei 24%. Das Risiko zu sterben, stieg um durchschnittlich 8% (zwischen 3% und 13%).

Das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie hat zusammen mit der London School of Hygiene & Tropical Medicine in einer Untersuchung errechnet, dass 2015 etwa 4,5 Mio. Menschen an den Krankheitsfolgen von Feinstaub verstorben sind, darunter 237.000 Kinder. Das liege vor allem daran, dass zwischen 2000 und 2015 die Feinstaubbelastung auf mehr als das Vierfache der von der WHO als Grenzwert empfohlenen Konzentration von 10 Mikrogramm gestiegen ist - sie liegt jetzt bei 44 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Die Krankheiten, die letztlich zum Tod führten, waren bei 727.000 Menschen Entzündungen der tiefen Atemwege, bei 1,09 Millionen chronische Lungenerkrankungen, bei 920.000 zerebrovaskuläre Erkrankungen, bei 1,5 Millionen Herzerkrankungen und bei 304.000 Lungenkrebs. 2015 gingen durch frühzeitigen Tod der Menschheit laut diesen Berechnungen 122 Millionen Lebensjahre verloren.

Wie eine weitere Studie der Stanford University zeigt, leiden unter der Feinstaub-Verschmutzung vor allem Babys und Kindern in Afrika. Die Wissenschaftler haben Daten ausgewertet, die belegen, dass die zunehmende Feinstaubkonzentrationen für 21% der Neugeborenen-Sterblichkeit zwischen 2001 und 2015 verantwortlich ist. Deshalb warnen sie auch davor, dass das Problem schlechter Luftqualität oft vernachlässigt werde. Dabei könnte schon eine „relative geringe Verminderung der Partikelkonzentration die Säuglingssterblichkeit erheblich reduzieren“.

9.7.2018 cs / Quelle: The Lancet Planetary Health/Nature

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