Wie Triclosan die Muskeln schädigt

Triclosan ist eine Chemikalie. Diese soll Bakterien killen. Das desinfizierende Mittel findet sich beispielsweise in Kosmetika, Seifen und Zahnpasta aber auch in Schuhen, Textilien, Spielzeug, Matratzen und Müllbeuteln. Doch Triclosan tötet nicht nur Bakterien ab, es schädigt auch die Gesundheit. Neue Untersuchungen belegen, dass es Muskeln schwächt - z.B. den Herzmuskel.

Greenpeace hat Triclosan schon 2004 angeprangert, weil es eine Gefahr für die Gesundheit darstelle. Die Verbraucherschützer zählen auf: Triclosan reizt Augen und Haut, es kann Leber und Nieren schädigen, das Erbgut verändern, Allergien hervorrufen und trägt ähnlich dem übermäßigen Gebrauch von Antibiotika zum Entstehen resistenter Keime bei. Und: Die Chemikalie ist ein schwer abbaubares Dauergift, das von der EU als umweltgefährlich und wassergefährdend eingestuft wurde.

Schon im Jahre 2000 haben Robert-Koch-Institut und Umweltbundesamt davor gewarnt, "dass die möglichen Folgen einer Veränderung der natürlichen Hautflora des Menschen durch antibakteriell ausgerüstete Verbraucherprodukte zur Reinigung oder Körperpflege nicht absehbar sind". In Wasch- und Reinigungsmitteln findet man Triclosan dagegen seit 2001 nicht mehr, weil sich Mitgliedsfirmen des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel (IKW) freiwillig zur Abstinenz verpflichtet haben.

Nun belegt eine neue Studie der Universität Kalifornien, dass die Gesundheitsgefährdung noch viel weiter geht. In Laborversuchen ermittelten die Wissenschaftler, dass die Chemikalie die Muskeln schwächt. Das betrifft auch den Herzmuskel, dessen Pumpleistung um bis zu 25 Prozent sank. Die Wissenschaftler bewerten das als die Wirkung eines starken Betablockers und für die Herzfunktion als ziemlich dramatisch. Außerdem verminderte sich die Griffstärke - also die Muskelfunktion von Arm und Hand - um rund 18 Prozent.

Berliner Ärzteblatt 15.08.2012, Quelle: PNAS doi: 10.1073/pnas.1211314109
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