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Färbemittel für die Haare bergen eine erhebliches Sensibilisierungs- und Allergiepotenzial (Foto: Grey59/ pixelio.de)
Färbemittel für die Haare bergen eine erhebliches Sensibilisierungs- und Allergiepotenzial (Foto: Grey59/ pixelio.de)
Haar färben: Risiken für die Gesundheit

Sich das Haar zu färben, ist eine Verschönerung mit Risiken. Denn die verwendeten Haarfarben sind längst nicht unbedenklich. Zwar glaubt man inzwischen, dass die jetzt noch in den Farben eingesetzten Stoffe keine große Krebsgefahr darstellen. Allerdings bleiben Zweifel. Doch so gut wie ungeklärt sei das Problem der Allergien durch Haarfärbemittel, sagt die Wissenschaft. Das oft eingesetzte m-Aminophenol und auch Resorcin - bergen aber ein erhebliches Sensibilisierung- und Allergiepotenzial.

Am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin kamen rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Behörden, Industrie, Verbraucherverbänden und Medien zusammen, um den aktuellen wissenschaftlichen Sachstand zu Krebsgefahr und Sensibilisierung zu ermitteln und Forschungsbedarf zu diskutieren.

“Ein Krebsrisiko durch Haarfärbemittel besteht für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht", sagt BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel. Die problematischen Substanzen seien seit vielen Jahren verboten. "Forschungsbedarf besteht aber zum Problem der Allergien durch Haarfärbemittel." Ob das wirklich eine gute Nachricht ist?

Kritisch über Haarfärbemittel gesprochen wird aufgrund von Untersuchungen aus den USA aus dem Jahr 2001. Darin fanden sich Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Harnblasenkrebs bei Frisören und Verbrauchern, die Haarfärbemittel insbesondere aus der Zeit vor 1985 verwendet hatten. Im Jahr 2004 hat dier EU-Kommission eine systematische Sicherheitsbewertung aller in Haarfärbemitteln verwendeten Substanzen in Gang gesetzt, um eine Positivliste gesundheitlich unbedenklicher Stoffe zu erstellen. Alle Haarfarben, für die von der Industrie kein Sicherheitsdossier vorgelegt werde, sollten verboten werden. Betroffen waren damals 149 Substanzen.

In Folge mußte die Industrie durch Grundlagenforschung zur Aufklärung der chemischen Vorgänge bei der oxidativen Haarfärbung beitragen, um Konsequenzen für die Sicherheitsbewertung ableiten zu können. Sie musste wissenschaftlich aussagefähige Dossiers zur Sicherheitsbewertung der in Europa vermarkteten Haarfärbemittel erstellen. Diese werden von einem unabhängigen wissenschaftlichen Ausschuss bewertet. Nebenbei wurde in diesem Verfahren die Anzahl der verwendeten Stoffe erheblich reduziert.

Die Bewertung der bislang vorliegenden epidemiologischen Erkenntnisse zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Haarfärbemittelgebrauch ergibt laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kein einheitliches Bild. Die meisten Experten halten die Datenlage für nicht ausreichend, um einen eindeutigen statistischen Zusammenhang abzuleiten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bestehe kein Krebsrisiko durch Haarfärbemittel, weil die problematischen Substanzen bereits seit langem verboten sind. Ob das beruhigen kann?

Rund ein Drittel aller Frauen in Europa und Nordamerika färbt sich die Haare, ebenso etwa zehn Prozent der Männer über 40 Jahre. Henna, die wohl älteste Haarfarbe der Welt aus den Blättern und Sprossachsen des Hennastrauches, wurde schon im 14. Jahrhundert v. Chr. von Frauen in Ägypten benutzt.

Als erstes kommerzielles Farbmittel kam 1907 para-Phenylendiamin - kurz PPD - auf den Markt. PPD hat stark sensibilisierende Eigenschaften und kann Kontaktallergien auslösen. In Haarfärbemitteln wird PPD als Vorstufe des Farbtons eingesetzt, die eigentliche Farbe bildet sich in einer chemischen Reaktion mit so genannten Oxidationskupplern im Haar.

In Hautkliniken in Europa sind drei bis fünf Prozent der Patientinnen und Patienten mit Kontaktallergien gegenüber PPD sensibilisiert, allerdings wird geschätzt, dass nur etwa ein Drittel dieser Fälle auf die Verwendung von Haarfärbemitteln zurückzuführen ist. Für die übrigen könnten Farben in Textilien und Leder sowie Henna-Tattoos die Ursache sein. Aber auch klinisch-dermatologische Allergietests sowie die von einigen Haarfärbemittel-Herstellern empfohlene Selbsttestung werden als mögliche Faktoren für die Sensiblisierung diskutiert. Der Einsatz von PPD in Haarfärbemitteln geht in Deutschland insgesamt zurück, die Alternativen sind jedoch zum Teil ebenso problematisch.

Dass Haarfärbemittel keine unbedenklichen Stoffe sind, hat Ökotest nachgewiesen. Sie untersuchte 42 Haarfarben. Alle schneiden im Test mit "ungenügend" ab. Ökotest schreibt: Die häufigsten Haarfarben in den getesteten Produkten sind aromatische Amine, von denen viele unter Krebsverdacht stehen. Solange der Verdacht nicht ausgeräumt ist, gibt es für diese Farben vier Punkte Abzug. Viele Haarfarben - dazu gehören das in allen getesteten Marken enthaltene Toluene-2,5-Diamine, das oft eingesetzte m-Aminophenol und auch Resorcin - haben zudem ein erhebliches Sensibilisierung- und Allergiepotenzial.

Die weltweit größte Datenbank für Kontaktallergien (IVDK) in Göttingen beobachtete bereits zwischen 1995 und 2002 einen signifikanten Anstieg der Sensibilisierungen gegen Toluene-2,5-Diamine. Aktuelle Daten des IVDK belegen einen weiteren deutlichen Anstieg zwischen 2003 und 2006. Kontaktallergien auf Haarfarben können sehr unangenehm sein und reichen von Juckreiz der Kopfhaut, am Hals oder Nacken bis hin zu extremen Rötungen und Schwellungen der Gesichtshaut.

Ökotest hat auch17 Tönungen getest. Alle Produkte sind "ungenügend". Und dann listet Ökotest die Stoffe, die „wir als hochproblematisch ansehen“: In allen Tönungen im Test stecken Farbstoffe oder Farbstoffbausteine, die zur Gruppe der aromatischen Amine gehören. Einige Vertreter dieser Stoffgruppe gelten als krebsauslösend. Weil Studien einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von Haarfarben und Blasenkrebs zeigten, werden zurzeit auf EU-Ebene Daten von Herstellern eingefordert und überprüft, um eine Positivliste mit "sicheren" Farbstoffen zu erstellen. Für etliche Stoffe fehlen noch Daten. Solange der Krebsverdacht nicht ausgeräumt ist, werten wir die Färbemittel um vier Stufen ab.

Viele aromatische Amine sind zudem starke Allergene - etwa p-Phenylenediamine, das im Just for Men Pflege-Tönungs-Shampoo steckt oder Toluene-2,5-Diamine bzw. dessen Schwefelsalz, das in den meisten Tönungen mit Wasserstoffperoxid enthalten ist. Auch Resorcin, das in sieben Tönungen zu finden ist, kann für Allergien verantwortlich sein. Der Verdacht, dass der Stoff für Mutationen verantwortlich sein kann, ist bislang nicht ausgeräumt worden, in Zellversuchen hat Resorcin Chromosomenveränderungen hervorgerufen. Umstrittene halogenorganische Verbindungen stecken in zwölf Produkten.

WANC 29.10.09/ Quelle: BfR, Ökotest

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