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Heilfasten: Körperliche Reinigung und seelische Regeneration
Heilfasten: Nützt es oder nützt es nichts?

Die Erfolge von Heilfasten sind immer noch umstritten. Erfahrungen zeigen, dass es als therapeutische Maßnahme nur wirkt, wenn während des Fastens neben der körperlichen Reinigung auch die seelische Regeneration betrieben wird. Bei einigen gesundheitlichen Problemen wirkt Heilfasten nur wenig oder kann sogar gefährlich sein.

Bei psychischen Krankheiten oder akuten Infektionen ist sogenanntes Heilfasten extrem gefährlich und bei anderen gesundheitlichen Problemen wie z.B. Übergewicht nur wenig wirkungsvoll. Zu viele Diäten und Fastenkuren führen zu Essverhaltensstörungen, während ein wenig Sport viel effektiver zur Gewichtsreduzierung und körperlichen Gesundheit beiträgt. Trotzdem erfreuen sich Fastenkuren wieder einer wachsenden Popularität. Dass hierbei aber nicht unbedingt der Wille, ein paar überflüssige Pfunde abzubauen, im Vordergrund steht, zeigt eine Arbeit von Dr. Bettina Stief-Reifenrath vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität zu Köln.

In der heutigen Schulmedizin ist das traditionelle Heilfasten inzwischen fast der Bedeutungslosigkeit anheimgefallen. Im Klinikalltag findet es keinerlei Anwendung. Als vorbeugende oder therapeutische Maßnahme wird es kaum, höchstens noch von Alternativmedizinern oder Heilpraktikern, empfohlen. Dabei kann diese Methode des bewussten Verzichts auf Nahrung zurückblicken auf eine Jahrtausende alte Erfolgsgeschichte. Zahllose Religionsangehörige, Philosophen und Gelehrte sehen schon seit jeher im Fasten eine ideale Form der körperlichen und seelischen Regeneration. In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhundert war es unter anderem der deutsche Arzt Dr. Otto Buchinger, der diese Idee wieder lebendig werden ließ und große Heilerfolge durch das Fasten erzielen konnte.

Als Fastenarzt führte er mehrere Versuche an sich selbst durch, bevor er sich durch zahlreiche Heilfolge vor allem im süddeutschen Raum einen Namen machte. Sein Erfolgsrezept bestand in der Kombination verschiedenster Heilverfahren. Er ließ seine Patienten während mehrwöchiger Fastenkuren homöpathische Medikamente nehmen, verordnete viel Bewegung in der Natur und - gemäß seinen idealistischen Vorstellungen - ausreichend Ruhe und Zeit zur inneren Einkehr. Im Laufe seines Lebens (er lebte immerhin von 1878 bis 1966) versorgte und heilte er genügend Patienten, um die medizinische Fachwelt mit einigen interessanten Fakten zum Heilfasten überraschen zu können.

Seine kombinierten Fastenkuren zeigten Buchinger zufolge Wirksamkeit bei Fettleibigkeit, bei Rheuma und Arthritis, bei Stuhlverstopfung, bei Arteriosklerose und Bluthochdruck. Weiterhin halfen sie hervorragend gegen Asthma und Hautkrankheiten, gegen Blasen- und Nierensteine, Nierenentzündungen und Parodontose. Die Sehkraft werde häufig verbessert, Herz- und Leberleiden verringern sich. Bei Entzündungen und Fieber schließlich sei Heilfasten besonders wirksam. Außerdem schließt Buchinger nicht aus, dass Fasten einer Krebserkrankung vorbeugen kann, da es das Tumorwachstum hemmt. Erstaunlicherweise helfe gezieltes Heilfasten auch bei Magersucht, indem es schwache Organismen kräftige.

Da viele Krankheiten auch psychische und seelische Ursachen haben, legt Buchinger größten Wert darauf, dass seine Patienten während des Fastens neben der körperlichen Reinigung auch die seelische Regeneration betreiben. Werden beim Heilfasten Ruhe, innere Einkehr und Bewegung in der Natur vernachlässigt, nützt die Kur meist gar nichts und Krankheiten können sich sogar verschlimmern. Da diese wichtigen Faktoren in schulmedizinische Studien oft nicht miteinbezogen werden, treten dort während des Fastens eher Verschlechterungen des gesundheitlichen Zustands ein. Menschen, die sich sowohl die körperliche als auch die geistige Dimensionen des Heilfastens zu Herzen nehmen, finden in dieser Methode jedoch ein gutes Mittel, um Leib und Seele gesund zu halten.

WANC 29.07.04/idw

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