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E-Zigaretten: Wirklich die gesunde Rauchalternative?

Der Spiegel interviewte den britischen Suchtforscher Peter Hayek zur E-Zigarette. Und der war ganz euphorisch: E-Zigaretten würden "wahrscheinlich das Ende der Zigarette bewirken" und hätten "das Zeug, tabakbedingte Krankheiten und Todesfälle zu eliminieren." Bisher scheint dieser Optimismus eher unbegründet. Denn bisherige Studien bestätigen nicht, dass E-Zigaretten-Raucher das Qualmen vollständig aufgeben. Was aber am schwersten wiegt: Bisher existieren keine Untersuchungen über die Langzeitwirkung der Lösungen, die da verdampft werden. Die Folgen für die Gesundheit sind völlig ungeklärt.

Das US-amerikanische Medizinerfachblatt JAMA zerstörte viele Illusionen. In einer im März 2014 veröffentlichten Studie verhinderte der Konsum von E-Zigaretten nicht das Rauchen von Tabakzigaretten. Das Gegenteil schien eher der Fall zu sein: Die E-Zigarette ermutigte vielmehr  zum Tabakqualmen. Das galt im übrigen für Erwachsene genauso wie für Jugendliche.

Der Allergologe Dr. Andrew Nickels von der Mayo Clinic wollte nun heraus finden, ob es Belege gibt, die die Behauptungen der E-Zigaretten-Hersteller unterstützen, zum einen, dass mit dem Genuss von E-Zigaretten das Tabakrauchen vermindert wird und zum anderen, dass E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten gesundheitliche Vorteile bieten. Nickels skeptisch: "Bisher gibt einfach nicht genügend Beweise, dass Verbraucher E-Zigaretten dafür einsetzen sollten."

So hat Nickels keine belastbaren Daten gefunden, die die These unterstützen, dass E-Zigaretten zu weniger Tabakrauchen führen. Im Rauch der E-Zigaretten wurden sowohl Nikotin als auch gefährliche Giftstoffe gefunden, allerdings in weniger hohen Konzentrationen als sie in Tabakzigaretten vorkommen. Viele der in den Liquids enthaltenen Stoffe wurden überhaupt noch nicht auf ihre Auswirkungen auf Lunge und Atemwege untersucht, beispielsweise die Substanz Propylenglykol. Der einfach Grund: Bisher hat noch niemand daran gedacht, derartige Stoffe zu rauchen. Und Pharmakologen meinen, dass derartige Stoffe in der Lunge auch nichts zu suchen haben.

Nickels räumt denn auch ein, dass es bisher keine Untersuchungen über die Folgen des langfristigen Konsums derartiger Substanzen gebe. Auch die US-Gesundheitsbehörde FDA sieht die Sicherheit von E-Zigaretten nirgendwo bestätigt oder ausreichend untersucht. Das Schlimme sei, dass Verbraucher überhaupt keine Chance hätten, zu erfahren, was in den E-Zigaretten enthalten sei. Das American College of Allergy, Asthma and Immunology (ACAAI) fordert, E-Zigarette zu Medizinprodukten zu erklären und schärfer zu kontrollieren.

Schärfere Kontrollen plant auch die Weltgesundheitsorganisation WHO. Dagegen haben sich 53 Wissenschaftler aus verschiedenen Nationen ausgesprochen, weil sie meinen, E-Zigaretten seien ein Teil zur Lösung des Rauchenproblems und nicht das Problem selbst. Ob das stimmt? So genau weiß das bisher keiner.

Im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2014; 111(20): 349-55; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0349) ist eine interessante Übersichtsarbeit über die zur E-Zigarette verfügbaren Studien erschienen. Darin wird festgestellt, dass es für die Wirksamkeit von E-Zigaretten in der Rauchenentwöhnung noch unzureichend Beweise gibt. Allerdings existierten Hinweise, dass E-Zigarettenraucher weniger Tabakzigaretten konsumierten. Auf der anderen Seite würden vermehrt Nichtraucher E-Zigaretten nutzen. Erkenntnisse, ob E-Zigaretten deshalb als Einstiegsdroge funktionierten, liegen aber nicht vor, das Potenzial sei aber vorhanden. Die Gefährdung durch den Rauch der E-Zigarette bewege sich vermutlich um Größenordnungen unter der des Tabakrauchens. Weil aber die verwendeten Flüssigkeiten zum Verdampfen kaum untersucht sind, bestehen Unsicherheiten. Die dort verwendeten Inhaltsstoffe bergen aber toxikologische Aspekte. Auch weist die Arbeit auf das mit Einweg-E-Zigaretten verbundene Elektroschrott-Problem hin.

Berliner Ärzteblatt 30.05.2014/ Quelle: Annals of Allergy, Asthma & Immunology

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