E-Zigaretten: Weniger, aber nicht ohne Schadstoffe
 

Die Werbung verspricht oft die E-Zigarette als die gesündere Alternative. Ob die Hoffnung der Raucher erfüllt wird? Eine Studie hat nun untersucht, ob bei E-Zigaretten-Rauchern tatsächlich weniger Schadstoffe im Blut gefunden werden als bei Rauchern herkömmlicher Zigaretten und bei Nichtrauchern.

Die Engländer nennen sie kurz und bündig „tobacco-related toxicants“, was sich bei uns mit tabakbedingte Giftstoffe übersetzen lässt und so viel bedeutet, wie Schadstoffe, die in der Zigarette enthalten sind und die wir beim Rauchen einatmen. Wie viele Schadstoffe das nun sind, darüber gibt es unterschiedliche Angaben: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) spricht von mehr als 4.000. „The Tabaccoatlas“ zählt mehr als 7000 Giftstoffe und mindestens 70 krebsauslösende Substanzen.

Die Forscher verschiedener wissenschaftlicher Institute in den USA (in New York, Maryland, Georgia, Minneapolis, Washington) haben untersucht, wie hoch die Konzentration von 50 Biomarkern (das sind messbare Werte biologischer Prozesse, die  als Indikatoren z. B. für Umweltbelastungen oder das Entstehen von Krankheiten dienen) der fünf wichtigsten tabakspezifischen Giftstoffgruppen tatsächlich ist. Und zwar bei E-Zigaretten-Rauchern, Rauchern normaler Tabakzigaretten und Nichtrauchern. Die Giftstoffgruppen waren Nikotin, tabakspezifische Nitrosamine (TSNAs), Schwermetalle - wie Cadmium oder Nickel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAHs) und flüchtige organische Verbindungen (VOCs).

Zur Erklärung: TSNAs entstehen beim Erhitzen von Tabak und sind im Zigarettenrauch enthalten, sie gelten als krebserregend. PAHs sind Zusatzstoffe, die zu Hautentzündungen und Hornhautschädigungen führen können und die Atemwege, Augen und den Verdauungstrakt reizen. Manche PAHs gelten als krebserzeugend und beeinträchtigen die Fortpflanzungsfähigkeit. VOCs sind kohlenstoffhaltige Verbindungen, die leicht verdampfen und können Kopfschmerzen, Überempfindlichkeitsreaktionen, Müdigkeit, Leistungsminderung, Schlafstörungen und Reizungen der Atemwege hervorrufen.

In der Studie wurden 247 E-Zigaretten-Nutzer, 2411 Zigarettenraucher, 792 gleichzeitige Nutzer beider Produkte und 1655 Nichtraucher verglichen. Die Teilnehmer waren zwischen 35 und 54 Jahre alt und zu 60% Frauen. Die Daten wurden zwischen November 2016 und Oktober 2017 erhoben.

Im Vergleich von E-Zigarette zum Nichtrauchen ergab sich bei den Nichtrauchern eine je nach Biomarkergruppe um 19% bis 81% verminderte Konzentration der Schadstoffe. E-Zigaretten-Raucher waren um 10% bis 98% je nach Schadstoffklasse weniger belastet als Tabakzigaretten-Raucher. Im Vergleich der Raucher beider Versionen zu den Nurnutzern einer der beiden Produkte lagen die Konzentrationen der Einer-von-beiden-Nutzern um 10% bis 36% niedriger.

Diese Durchschnittswerte veränderten sich mit der Häufigkeit der Nutzung. Wer E-Zigaretten täglich rauchte, das waren 56% der Testpersonen, hatte gesteigerte Werte insbesondere bei Nikotin, zwei TSNAs, bei den Metallen Blei und Strontium sowie bei Acrylnitril.  

Die Wissenschaftler ziehen aus diesen Ergebnissen verschiedene Schlüsse. So werden auch E-Zigaretten-Raucher mit Schadstoffen und Giften belastet, auch wenn die Belastungswerte viel geringer als bei Tabakzigaretten-Rauchern sind. Deshalb warnen sie, dass auch E-Zigaretten das Potential hätten, Krankheiten hervor zu rufen.

Sie weisen auch darauf hin, dass die neueren Generationen von E-Zigaretten mit einer variablen Temperaturkontrolle auf einen höheren Gehalt von Karbonylverbindungen (wie Akrolein, das ist eine augenreizende Chemikalie), Formaldehyd (kann Allergien, Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen verursachen und gilt in höheren Konzentrationen als karzinogen) sowie Acetaldehyd (schädliche Wirkungen in Leber und Herz).  In einer andere Studie zeigten neuere E-Zigaretten-Generationen einen mit älteren Versionen vergleichbare Nikotinbelastungen aber eine verminderte Belastung mit anderen Giftstoffen.

In der vorliegenden Studie wurden verschiedene Chemikalien, die bisher gar nicht als Schadstoffe in Zigaretten erfasst wurden, nicht ausgewertet. Darunter sind beispielsweise bestimmte Additive und Aromastoffe. Die Wissenschaftler bemerken darüber hinaus, dass E-Zigaretten beim Rauchen neue giftige Stoffe produzieren könnten, vor allem Nickel und Chromium, die erst noch erfasst werden müssten.

21.12.2018 cs / Quelle: JAMA





Quelle:
http://www.medizinauskunft.de/home/artikel/wohlfuehlen/wellness/e-zigarette-21-12-2018.php