Zu wenig Schlaf ist genauso schädlich wie schlafen zur falschen Zeit
 

Wer ständig unter Schlafmangel leidet, bekommt es zusätzlich auch noch mit Einschränkungen seiner geistigen Leistungsfähigkeit zu tun und muss sich mit einem  erhöhten Risiko für Herzkrankheiten und Diabetes auseinandersetzen. Neue Untersuchungen belegen nun, dass es nicht nur um die Schlafmenge, sondern auch um die richtige Schlafzeit geht.  

 „Zu wenig Schlaf vermindert unsere kognitiven Fähigkeiten und wirkt sich negativ auf die physische  Gesundheit aus. Leider wird dieses wichtige Thema im gesamten Gesundheitswesen immer noch zu oft unterschätzt“, warnt Prof. Pierre Maquet, Leiter der neurologischen Abteilung an der Universität Lüttich. Im Schnitt schlafen heute Amerikaner 6,5 und Europäer rund sieben Stunden pro Nacht. „Das ist um eineinhalb Stunden weniger als unsere Großeltern geschlafen haben und bedeutet, dass wir alle an chronischem Schlafmangel leiden“, weiß Maquet. 

Das wirke sich nicht zuletzt auf die Informationsverarbeitung im Gehirn aus. Erklärt Maquet: „Bei Schlafmangel leidet vor allem die Fähigkeit, neue Informationen im Gedächtnis zu behalten. Man kann sie zwar aufnehmen aber sie werden nicht dauerhaft im Gehirn abgespeichert sondern gehen langfristig wieder verloren. Es scheint so zu sein, dass die nach jeder neuen Information angelegten Gedächtnisspuren fragil bleiben, bis sie im Schlaf verfestigt und so ins Langzeitgedächtnis eingebaut werden“.

Betroffen von Schlafmangel ist auch die körperliche Gesundheit. Zwar sind nicht alle Langzeitfolgen bekannt, belegt ist aber, dass zu wenig Schlaf Übergewicht fördert und einen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen darstellt. Denn Schlafmangel steigert nicht nur den Appetit, sondern verändert auch die Essgewohnheiten. Weil offenbar vermehrt ungesundes Essen mit viel Zucker und Fett verzehrt wird, steigt das Gewicht (der BMI) dann schnell nach oben. Das könne einen Teufelskreis in Gang setzen, betont Maquet: „Menschen mit Übergewicht leiden vermehrt an Schlafapnoe, können dann noch weniger durchschlafen und  handeln sich damit ein zusätzlich erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten ein.“  

Hinzukommt, dass zu wenig Schlaf den Stoffwechsel stören kann. In einer Studie sank bei den Testpersonen die Empfindlichkeit gegenüber Insulin schon nach einer einzigen Nacht mit nur vier Stunden Schlaf um beinahe ein Viertel. Laut Prof. Hans Romijn vom  Leiden University Medical Center (LUMC) stellte sich dieser Effekt sowohl bei Patienten mit Diabetes Typ 1 als auch bei gesunden Teilnehmern ein. 

Für Diabetespatienten kann das bedeuten, dass sie trotz Insulinspritzen einen erhöhten Blutzuckerspiegel und damit ein höheres Risiko für Herzkrankheiten, Nierenfunktionsstörungen und andere Folgeerkrankungen haben. Rät Romijn: „Diabetiker brauchen nach einer Nacht ohne ausreichenden Schlaf, eine Extradosis Insulin nach den Mahlzeiten. Regelmäßig zu wenig zu schlafen, ist für niemanden ratsam, aber für diese Patientengruppe gilt das in besonderem Maße”.

Chronischer Schlafmangel schwächt das Immunsystem und macht dadurch empfänglicher für Infektionen und Virenerkrankungen. Oder hat sogar noch deutlich gravierendere Folgen. Denn es existieren Untersuchungen, die ein geringfügig erhöhtes Krebsrisiko für Schichtarbeiter nahe legen.  

Maquet erzählt, dass gesundheitliche Risiken nicht allein vom Schlafmangel, sondern genauso von einer dauerhaften Störung des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus ausgehen. So mussten junge und völlig gesunde Studienteilnehmer 42 Stunden lang wach bleiben und sich dabei verschiedenen geistigen Anforderungen stellen. „Zu unserer Überraschung hat sich gezeigt, dass es zwischen verschiedenen Regionen der Großhirnrinde Unterschiede im zirkadianen Rhythmus gibt”, gesteht Maquet. „Jede dieser inneren Uhren scheint auf den Schlafmangel an sich zu reagieren. Das bedeutet dass die Informationsverarbeitung nur dann optimal funktioniert, wenn wir zur richtigen Zeit schlafen.“ Es gibt offenbar also nicht nur eine innere Uhr, sondern gleich mehrere. 

cs 30.6.2017/ Quelle: 3rd EAN Congress Amsterdam 2017





Quelle:
http://www.medizinauskunft.de/home/artikel/wohlfuehlen/wellness/schlafmangel-30-6-17.php