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Magersucht und auch der Einsatz von Hormondoping gefährden die Gesundheit von Sportlern (Foto: Stockbyte)
Magersucht und auch der Einsatz von Hormondoping gefährden die Gesundheit von Sportlern (Foto: Stockbyte)
Magersucht und Hormondoping: Nicht nur Spitzensportler gefährdet

Sport ist gesund. Jedenfalls meistens. Doch manchmal kann sich Sport auch negativ auf die Gesundheit und das Hormonsystem des Sportlers auswirken. Beispielsweise durch Leistungsdruck. Oder das durch für manche Sportarten notwendige niedrige Körpergewicht. Magersucht und auch der Einsatz von Hormondoping gefährden die Gesundheit von Sportlern. Und zwar nicht nur die von Spitzensportlern.

Die positive Wirkung regelmäßiger, sportlicher Aktivität für Körper und Geist ist belegt. Auch auf die hormonelle Regulation wirkt sich Bewegung normalerweise günstig aus: So profitieren beispielsweise Typ-2-Diabetiker von regelmäßigem Sport, da die Skelettmuskulatur dann empfindlicher auf Insulin reagiert. Übermäßiger sportlicher Leistungsdruck – sei es von außen oder durch den Sportler selbst – kann jedoch das Gegenteil bewirken. „Gerade bei Sportarten, in denen es vorteilhaft ist, ein niedriges Körpergewicht zu haben, ist das Risiko für Essstörungen deutlich erhöht“, warnt Dr. Birgit Friedmann-Bette, Oberärztin an der Abteilung Innere Medizin VII: Sportmedizin, am Universitätsklinikum Heidelberg.

Sportlerinnen und Sportler, die beim Geräteturnen, bei Gymnastik, Tanz oder Skispringen besonders gut abschneiden wollen, laufen mitunter Gefahr, sich durch eine vermeintlich „gewinnbringende“ Hungerkur in eine gefährliche Magersucht hineinzumanövrieren. „Im Spitzensport hat die Anorexia nervosa schon Todesopfer gefordert“, weiß Friedmann-Bette. Für den Körper hat die mangelnde Kalorienzufuhr schwerwiegende Folgen: „Bei einer „Anorexia athletica“ kommt es in einem Teil des Zwischenhirns, dem sogenannten Hypothalamus, zu Störungen der hormonellen Regulation.“ Bei Sportlerinnen kann das zu massiv erniedrigten Östrogenspiegeln führen, die Zyklusstörungen bis hin zu einem Ausbleiben der Menstruationsblutung verursachten. Außerdem käme es häufig zu einer Abnahme der Knochendichte, die Knochenbrüche ohne erkennbare Ursache, sogenannte Stressfrakturen, zur Folge haben können, erläutert die Expertin aus Heidelberg. Neuere Forschungen wiesen auf ein viertes Symptom hin: eine beeinträchtigte Gefäßfunktion.

Unterschätzt werden – insbesondere von Leistungssportlern – auch die fatalen Auswirkungen von Hormonpräparaten, die die körperliche Leistungsfähigkeit steigern sollen. „Doping-Substanzen wie die 'anabol-androgenen Steroide' bewirken nicht nur eine Zunahme der Muskelmasse. Sie können auch Gefäß- und Herzerkrankungen, Lebertumore und psychische Veränderungen zur Folge haben“, warnt Friedmann-Bette. Zudem laufen Frauen Gefahr, dass ihr Körper mehr und mehr „vermännlicht“. Bei Männern könne es durch Einnahme von Hormonpräparaten zur vermehrten Ausbildung des Brustdrüsengewebes kommen. Neben den klassischen „Anabolika“, Abkömmlingen des männlichen Sexualhormons Testosteron ist auch Wachstumshormon ein beliebtes Doping-Mittel. Verschiedene neuere Substanzen verändern die Hormonregulation, indem sie direkt auf Hormonrezeptoren einwirken. „Das Problem ist, dass alle diese Substanzen heute über einen nicht zu unterschätzenden Schwarzhandel im Internet praktisch für jeden zugänglich sind“, warnt Friedmann-Bette. Gerade im Kraftsportbereich griffen sogar Freizeitsportler regelmäßig zu Dopingpräparaten. „Wir müssen alles tun, um auf die Gefahren dieser Mittel aufmerksam zu machen“, sagt die Ärtzin.

wanc 22.02.2012/ Quelle: 55. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
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