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Foto: EnBW / Bernd Franck, Düsseldorf
Kernkraftwerk Philippsburg: Atommeiler sollen nicht für Fehlbildungen verantwortlich sein (Foto: EnBW / Bernd Franck, Düsseldorf)
Kernkraftwerke: Nicht für Fehlbildungen von Kindern verantwortlich?

Viele Menschen, die in der Nähe von Kernkraftwerken wohnen müssen, haben Angst. Sie fürchten für ihre Gesundheit die negativen Folgen möglicher Strahlung. Das Ganze ist nicht ohne politischen Sprengstoff, weil die Laufzeit der Atommeiler verlängert werden soll. Jetzt haben Wissenschaftler versucht nachzuweisen, dass Kinder, deren Mütter in der Nähe von Kernkraftwerken wohnen, nicht häufiger mit Fehlbildungen zur Welt kommen. Allerdings: Andere Studien kommen zu anderen Ergebnissen. Und: Kritiker bemängeln die Vertrauenswürdigkeit der Studie.

Etwa jedes 18. bis 20. Neugeborene wird mit einer großen Fehlbildung (WHO-Definition) geboren. In Deutschland sind somit jährlich etwa 33.000 Kinder betroffen. Besonders häufig kommen hierbei Fehlbildungen bei Organen des Herz-Kreislauf-Systems (z.B. Herzfehler), des Skeletts (z.B. Hüftluxationen) und der Nieren vor. Etwa 20 Prozent der angeborenen Defekte sind erbbedingt, 5 bis 10 Prozent beruhen auf chromosomalen Störungen, wie dem Down- Syndrom, und 2 bis 5 Prozent auf Virusinfektionen. Bei ca. 60 Prozent ist die Ursache nicht bekannt, betonen Wissenschaftler.

Und wie sieht es mit den Auswirkungen möglicher radioaktiver Strahlungen in der Nähe von Atomkraftwerken aus? Dazu haben Experten des Geburtenregisters „Mainzer Modell“  am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz die „Epidemiologische Studie zu angeborenen Fehlbildungen in der Umgebung deutscher Leistungsreaktoren“ (kurz: KuK-Studie, Kind und Kernkraft) durchgeführt. Für die KuK-Studie wurden innerhalb von vierzehn Monaten 5.273 Kinder (Lebendgeborene, Totgeborene und Schwangerschaftsabbrüche aufgrund pränatal diagnostizierter Fehlbildungen) in die Auswertung einbezogen, deren Mütter zu Beginn der Schwangerschaft entweder in der Studienregion (zehn Kilometer Nahumgebung Biblis und Philippsburg) oder in der ausgewählten Vergleichsregion (die 20 Kilometer entfernte Region rund um Kaiserslautern, Pirmasens und Zweibrücken) wohnten. Dies entspricht einer Erfassung von mehr als 90 Prozent aller relevanten Geburten.

Zu dem Einfluß der Strahlung sagt die Studie: Jeder Mensch ist in Deutschland einer natürlichen radioaktiven Strahlung von durchschnittlich etwa 1,4 mSv pro Jahr ausgesetzt. Demgegenüber ist die gemessene zusätzliche Belastung in der Nähe deutscher Kernkraftwerke vernachlässigbar.

Von den 2.423 Kindern der Studienregion hatten 108 eine Fehlbildung (4,5 Prozent) und in der Vergleichsregion 135 von 2.850 Kindern (4,7 Prozent). „Soviel hatten wir aufgrund der Erfahrungen des Mainzer Modells erwartet. Dies spricht gegen einen Einfluss des mütterlichen Wohnsitzes in der Nähe eines Kernkraftwerkes auf angeborene Fehlbildungen. Zudem gibt es in dieser Studie auch keinen Hinweis darauf, dass die Häufigkeit von Fehlbildungen mit der räumlichen Nähe des Wohnortes zum Kernkraftwerk zunimmt“, stellt die Studienleiterin Priv.-Doz. Dr. Annette Queißer-Wahrendorf vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin fest.

Die Daten der wissenschaftlichen Untersuchung wurden in zwei Schritten erhoben: Zumeist beim vorgeburtlichen Aufnahmegespräch in einer der 16 aktiv beteiligten Kliniken – von insgesamt 31 Kliniken und Instituten – der relevanten Region beantworteten die teilnehmenden Mütter ergänzend zu den üblichen Fragen zum Schwangerschaftsverlauf einen studienspezifischen Zusatzfragebogen, in dem beispielsweise nach medizinischer Strahlenbelastung gefragt wurde. Nach der Geburt führten eigens geschulte Kinderärzte standardisierte klinische und sonografische Untersuchungen der Neugeborenen durch. Diese entsprachen der üblichen Vorsorgeuntersuchung (U2) bei speziell ausgearbeitetem und standardisiertem Schema.

„Es war uns ein wichtiges Anliegen zu untersuchen, ob es Hinweise für eine erhöhte Fehlbildungshäufigkeit im Zehn-Kilometer-Radius eines Kernkraftwerkes gibt. Dass wir dafür keinerlei Hinweise gefunden haben, hat uns sehr beruhigt“, betont Queißer-Wahrendorf. „Dies ist aus unserer Sicht eine wichtige Information für die Mütter und Familien, die in diesen Regionen leben.“

Ob die Familien wirklich beruhigt sein können? Die Ärzteorganisation IPPNW sieht das ganz anders. Sie kritisiert, dass die KuK-Studie aufgrund geringer Fallzahlen eine zu geringe statistische Nachweisstärke (power) habe, um einen Effekt in ähnlicher Größenordnung wie in der Studie zu Kinderkrebs um Atomkraftwerke (KiKK-Studie) nachzuweisen.

Der Physiker Dr. Alfred Körblein hat die Daten der Studie auch ausgewertet. Trotz der dünnen Datenlage zeige sich eine deutliche Zunahme des Risikos mit der Nähe zum Atomkraftwerk, wenn die Auswertung der Daten auf den Entfernungsbereich größer 3 km beschränkt werde. Seiner Meinung nach hätte eine Ausweitung der Untersuchungsregion auf einen Radius von mindestens 15 km und des Untersuchungszeitraums auf 2 Jahre ausgereicht, um Zusammenhänge zwischen Strahlenbelastung in der Nähe von Kernkraftwerken und Fehlbildungen zu bestätigen. 

Interessant ist auch: Das Kinderkrebsregister in Mainz hat in der sogenannten KiKK-Studie 2007 gezeigt: Das Risiko für Kinder, an Leukämie zu erkranken, ist umso größer, je näher sie an einem Reaktor wohnen. Und eine ebenfalls 2007 durchgeführte Analyse von weltweit erschienen Studien zu dem Thema, bestätigte diesen Trend.
 
WANC 22.07.10, Quelle: Epidemiologische Studie zu angeborenen Fehlbildungen in der Umgebung deutscher Leistungsreaktoren

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