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Alkoholmißbrauch durch Jugendliche: Fast alle Verhindungsstrategien verpuffen

Das Engagement ist groß: Eine Vielzahl von Maßnahmen soll Jugendlich von "riskantem Alkoholkonsum" abhalten. Ungeachtet der Präventionsprogramme werden immer mehr Alkoholvergiftungen bei 10- bis 20-Jährigen gezählt. Wissenschaftler haben untersucht, warum Vorbeugemaßnahmen vergebene Mühe sind. Dabei haben sie herausgefunden, dass die Ergebnisse solcher Aktionen nicht nur zu wenig überprüft werden, sondern auch viel zu wenig spezifisch und zielgruppenorientiert sind.

Wenn Erwachsene von einem riskanten Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen sprechen, dann meinen sie ein Trinkverhalten, das die Gesundheit schädigen und geistige und körperliche  Entwicklung beeinflussen kann. Wie häufig eine solcher Konsum stattfindet, dazu liegen durchaus verschiedene Erkenntnisse vor. Dennoch: Die Alarmlampen leuchten hell.

Die Politik warnt jedenfalls und schiebt Programme an, die das Verhalten der Betroffenen verändern und ein weiteres Ausbreiten des unbegrenzten Alkoholkonsums verhindern sollen. Es gibt eine Vielzahl solcher Programme, doch wirken sie?  Das sollten Wissenschaftler heraus finden, die dazu 59 Studien ausgewertet haben. Nur wenige dieser Studien wurden erstaunlicherweise in Deutschland durchgeführt, die meisten sind mangelhaft und wenig vergleichbar, weil sie z.B. den Begriff "riskanten Konsum" mit ganz unterschiedlichen Alkoholmengen verbinden.

Beispielsweise kritisieren die Wissenschaftler, dass kaum untersucht wird, wie sich das Vorbild von anderen Jugendlichen und der Gruppendruck auswirken. So bleibe der Einfluss altersspezifischer Alkoholnormen weitgehend unbeachtet.

Alle Studien belegen aber die Tendenz, dass der Alkoholkonsum vom Kindern und Jugendlichen steigt - und zwar mit steigendem Alter. Und das, obwohl es so viele Präventionsporgramme gibt. Das lässt an der Effektivität der Maßnahmen zweifeln. Der Bericht stuft als wirksam sogenannte  Familieninterventionsprogramme und personalisierte computergestützte Interventionen an Schulen und Universitäten ein. Kampagnen, die in den Massenmedien laufen, scheinen dagegen die Zielgruppe nicht zu erreichen, ihre Wirkung wird als "nicht belegt" bewertet. Dauerhaft verringern nur ganz wenige Maßnahmen Häufigkeit oder Menge des Alkoholkonsums. Das können beispielsweise eine Erhöhung von Preisen und Steuern leisten.

Berliner Ärzteblatt 27.07.2011/ Quelle: Prävention des Alkoholmissbrauchs von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen,  Dr. Dieter Korczak, Gerlinde Steinhauser, Dr. Marcus Dietl
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