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Herz- und Atemfrequenz: Falsche Werte in den Richtlinien führen bei Kindern zu einer Fehleinschätzung

Kinderärzte ziehen die Herz- und Atemfrequenz zu Rate, um den Gesundheitszustand oder die Schwere einer Erkrankung abschätzen zu können. Herz- und Atemfrequenz werden beispielsweise verwendet, um den Schweregrad von Infektionen zu beurteilen. Medizinische Richtlinien geben vor, ab wann Referenzwerte zu einer Behandlung führen müssen oder eben nicht. Doch diese Referenzwerte sind möglicherweise falsch.

Dr. Matthew Thompson von der Universität Oxford hat die Herzfrequenzdaten von etwa 143.000 gesunden Kindern sowie die Atemfrequenzdaten von fast 4.000 Kindern untersucht. Sie hat heraus gefunden, dass die Atmungsrate mit steigendem Alter sinkt. Macht ein Baby gleich seiner Geburt 44 Atemzüge pro Minute, sind es im Alter von zwei Jahren nur noch 26 Atemzüge pro Minute.

Etwas anders sieht es beim Herzschlag aus. Bei der Geburt schlägt das Herz pro Minute etwa 127 mal. Bis zum Alter von einem Monat erhöht sich die Herzrate auf 145 Schläge pro Minute. Bis zum zweiten Geburtstag sinkt sie dann auf 113 Schläge pro Minute ab.

Diese so ermittelten Werte weichen von den Vorgaben ab, mit denen Kinderärzte ihre Diagnosen und Therapien bei Kindern durchführen. Laut Thompson wird die Gesundheit von Kindern deshalb derzeit völlig falsch eingeschätzt. Sie gibt ein Beispiel: Nach den geltenden Werten zu Herz- und Atemfrequenzen müsste fast die Hälfte der 10 Jahre alten gesunden Kinder als krank gelten, weil ihre Werte "abnorm" sind.

Berliner Ärzteblatt 21.03.2011/ Quelle: Lancet 2011; 377: 10.1016/S0140-6736(10)62226-X
 
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