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Infektionen im Babyalter fördern Diabetes

Kinder, die in den ersten Lebensmonaten Infektionen - insbesondere Atemwegserkrankungen wie ein akuter Erkältungsschnupfen (Rhinopharyngitis) - bekommen, sind im späteren Leben häufig anfälliger für die Entwicklung eines Typ 1 Diabetes. Ärzte sprechen von der sogenannten Insel-Autoimmunität, bei der sich Autoantikörper gegen die Insulin-bildenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse wenden.

Bei 148 Kindern mit einem erhöhten Risiko für eine Insel-Autoimmunität, weil ein Angehöriger an Typ 1 Diabetes erkrankt ist,  wurden in den ersten drei Lebensjahren insgesamt 1245 Infektionen (in 90750 Personentagen) dokumentiert: und zwar unterschieden nach Infektionen des respiratorischen Trakts (Atemwegserkrankungen), des gastrointestinalen Trakts (Magen-Darm-Infektionen) sowie sonstigen Infektionen. Fieber und Medikation wurden ebenfalls erfasst. Im dreimonatlichen Abstand wurde zudem das Blut der Kleinkinder auf die Bildung von Autoantikörpern untersucht.

Dabei stellte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Atemwegsinfektionen – unter Verdacht stehen insbesondere Infektionen der oberen Atemwege bei einer Rhinopharyngitis (Erkältungsschnupfen) – und einem erhöhten Auftreten von Inselautoantikörpern heraus. Fand eine Infektion innerhalb der ersten sechs Monate statt, dann erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Antikörpern um das 2,27-Fache. Fand eine Infektion zwischen dem sechsten und dem zwölften Monat statt, dann erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Antikörpern um das 1,32-Fache. Im zweiten Lebensjahr erworbene Infektionen wirkten sich nicht auf das Typ 1 Diabetes-Risiko aus.

Kinder mit späteren Inselautoantikörpern hatten sich mindestens zweimal im ersten Lebensjahr infiziert, hauptsächlich mit Atemwegsinfekten. Am höchsten war das Risiko für Insel-Autoimmunität bei Kindern, die im ersten Lebensjahr mehr als fünf Atemwegsinfekte durchlitten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass wahrscheinlich nicht eine spezifische Infektion oder ein spezifisches Virus als Auslöser für Insel-Autoimmunität und Typ 1 Diabetes verantwortlich ist. Vielmehr scheint die Summe der Infektionen und der dabei freigesetzten entzündlichen Botenstoffe für das Risiko einer Autoimmunreaktion entscheidend zu sein.

Mit ihren Ergebnissen befinden sich die Wissenschaftler durchaus im Gegensatz zu Erkenntnissen aus anderen Studien.

Berliner Ärzteblatt 04.07.2013/ Quelle: JAMA Pediatrics
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