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In den letzten 30 Jahren hat die Häufigkeit von Migräne bei Kindern zugenommen (Foto: pte)
In den letzten 30 Jahren hat die Häufigkeit von Migräne bei Kindern zugenommen (Foto: pte)
Immer mehr und jüngere Kinder leiden unter Kopfschmerz

Schon Kinder leiden unter Kopfschmerz. Und es werden immer mehr. Und sie werden immer jünger. Die Stiftung Kindergesundheit betont, dass Kopfweh mittlerweile zu den häufigsten Kinderkrankheiten gehört. So plage sich jedes fünfte Kind im Vorschulalter zumindest hin und wieder mit Kopfschmerzen herum. Diese Zahl steige bis zu Ende der Grundschulzeit auf mehr als die Hälfte der Kinder - Mädchen seien häufiger betroffen als Jungen.

Bei einer Studie wurden 1.675 Schüler von zwölf Gymnasien in München und im Münchner Umland befragt. Dabei erklärten 83,7% der 12 bis 19 Jahre alten Kinder und Jugendlichen, innerhalb der letzten sechs Monate mindestens einmal Kopfschmerzen gehabt zu haben. 11,4% der Gymnasiasten/inne hat im letzten Jahr wegen Kopfschmerzen den Arzt konsultiert. Etwa 25% nehmen regelmäßig Medikamente ein. Die Kopfschmerz-Häufigkeit lag an Mädchen-Gymnasien besonders hoch.



Für eine andere Studie hat das Universitätsinstitut für Psychologie Göttingen insgesamt von 2025 Kindern im Alter zwischen sieben und 14 Jahren über einen Zeitraum von vier Jahren jedes Jahr befragt. 10,9% klagten bereits im Alter von acht Jahren mindestens einmal im Monat über Kopfschmerzen. 3,8% der Zweitklässler litten sogar mindestens einmal pro Woche unter  Kopfschmerzen. Mit zwölf Jahren hatten bereits  54% der Kinder Erfahrungen mit Kopfschmerzen gemacht, 6,9% litten jede Woche, 18,5% mindestens einmal im Monat darunter. 

Warum ihre Kinder Kopfschmerzen bekommen, wussten die Eltern. Sie nannten als Auslöser Hektik, Zeitdruck, Überforderung in der Schule, Familienstreit und besonders zu langes Sitzen vor dem PC oder Fernsehgerät. Die Kinder bewerteten das ein wenig anders. Jungen sagten, dass Kopfschmerzen bei ihnen durch das familiäre Klima, die Streithäufigkeit und die zu wenig verfügbare Freizeit (die Jungens berichteten über einen "übervollen Terminkalender" und "wenig Zeit zum Spielen") ausgelöst wurden. So hatten Jungen, in deren Familien mehr als einmal pro Woche gestritten wurde, ein 1,8mal höheres Risiko für Kopfweh als jene, in deren Familie höchstens einmal pro Woche Ärger gab. Mädchen gaben als Ursache vor allem das elterliche Verhalten wie Lob oder Nachgiebigkeit an.



Das Problem ist, dass die Diagnose von Kopfschmerzen bei Kindern nicht leicht fällt, räumt der Kinder- und Jugendarzt Prof. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, ein. Das sei besonders „bei kleinen Kindern, die noch nicht sprechen können" der Fall. Anzeichen für Kopfschmerzen seien bei Babys Reizbarkeit, Unruhe und Überempfindlichkeit gegen Berührungen. Bis zum 5. Lebensjahr lassen sich Kopfschmerzen erkennen, wenn Kinder drücken die Hände an den Kopf oder vor die Augen drücken, auffällig die Augenbrauen runzeln oder sich immer wieder die Haare zausen. Der Kinderarzt sagt, dass verlässliche Angaben von den Kindern erst vom 5. Lebensjahr an zu bekommen sind.



Die häufigste Form des bei Kindern auftretenden Kopfweh ist der Spannungskopfschmerz. Fast jedes jedes vierte Kind wird zeitweise oder immer wieder mal davon geplagt. Bei rund 5% stellen sich während der Attacken Übelkeit ein, viele meiden in dieser Zeit helles Licht und laute Geräusche. Die Stiftung hat fest gestellt, dass in den letzten 30 Jahren hat die Häufigkeit von Migräne bei Kindern zugenommen hat. Bis zum 15. Geburtstag entwickelt sich mittlerweile fast jedes zehnte Kind zu einem Migräniker. Dann treten die Kopfschmerzanfälle ganz plötzlich - "aus heiterem Himmel" - auf. Die Schmerzen pochen meistens einseitig, nur selten auf beiden Hälften des Kopfes. Meist wird den Kindern gleichzeitig schlecht und sie haben Sehstörungen. Bei vielen Kindern liegt eine familiäre Belastung vor.



Was hilft dem Kind? Zur Vorbeugung: Viel im Freien bewegen, Sport treiben und viel Wasser trinken. Dagegen eher auf Computerspielen und Fernsehen verzichten. Ein geregelter Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten und Schlaf helfen ebenso. Als Therapien kommen Entspannungsmethoden (z.B. progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Biofeedback-Verfahren) in Frage. Erleichterung können bei bei jüngeren Kindern Zäpfchen, bei Älteren Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol in Frage, sagt Koletzko. Acetylsalicylsäure (ASS, „Aspirin“) dürfe wegen der Gefahr einer zwar seltenen aber gefährlichen Komplikation („Reye-Syndrom“) erst ab zwölf Jahren eingesetzt werden. Möglich ist auch die äußere Anwendung einer zehnprozentigen Pfefferminzöl-Lösung. Das  Auftragen auf Stirn und Schläfen stimuliert Kälte- und Druckrezeptoren in der Haut und löst ein Kältegefühl aus. Oft lassen die Kopfschmerzen dann nach 15 Minuten nach. 



Berliner Ärzteblatt 25.03.2013/ Quelle:  MUKIS-Studie („Münchner Untersuchung zu Kopfschmerzen bei Gymnasiasten“), Studie „Kinder, Jugendliche und Kopfschmerz“ („KiJuKo“)
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