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Viele der jugendlichen Patienten erhalten Schmerzmedikamente verschrieben, obwohl Schmerzexperten das nicht empfehlen (Foto: DAK/Wigger)
Viele der jugendlichen Patienten erhalten Schmerzmedikamente verschrieben, obwohl Schmerzexperten das nicht empfehlen (Foto: DAK/Wigger)
Kinder mit Schmerzen: Schlecht versorgt

Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen müssen bis zu 28 Ärzte aufsuchen, bevor sie eine spezialisierte Behandlung erhalten. Bedenklich: Viele der jugendlichen Patienten erhalten Schmerzmedikamente verschrieben, obwohl Schmerzexperten das nicht empfehlen. Chronische Schmerzen sind Schmerzen, die in einem Zeitraum von drei Monaten ständig anhalten oder immer wiederkehren. Das Deutsche Kinderschmerzzentrum (DKSZ) kennt das als  ein häufiges Phänomen bei Kindern und Jugendlichen. Betroffen sind in Deutschland schätzungsweise 350.000 Kinder.

Das DKSZ hat eine Studie mit 2.249 Kindern und Jugendlichen durchgeführt, die belegt, dass diese Kinder einen langen Weg zu einer spezialisierten Behandlung zurück legen müssen. Ausgewertet wurden Daten aus den Jahren 2005 bis 2010. Den Studienergebnissen zufolge mussten die Patienten nicht nur viele unterschiedliche Ärzten aufsuchen, ehe sie zu einem Spezialisten kamen. Mit zunehmendem Alter der Patienten stieg auch die Zeit zwischen Schmerzbeginn und dem Aufsuchen der Spezialisten kontinuierlich an. Bei 15-Jährigen vergingen im Durchschnitt etwa vier Jahre bis zum Besuch beim Spezialisten.

„Je länger es dauert, bis chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen effektiv behandelt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Entwicklung der Patienten nachhaltig gestört wird und sie massive Einbußen der Lebensqualität hinnehmen müssen“, sorgt sich Prof. Dr. Boris Zernikow, Chefarzt des Deutschen Kinderschmerzzentrums. „Es gibt wirksame Methoden, diese Schmerzen zu behandeln und den Kindern die Kontrolle zurück zu geben – aber das müssen geschulte Kinderärzte übernehmen, und zwar in einem möglichst frühen Krankheitsstadium.“ Was der schnellen Hilfe im Wege steht, sind nach Meinung von Zernikow die Versorgungsstrukturen in Deutschland.

Viele der überwiegend weiblichen Patienten (60 Prozent Mädchen), werden täglich oder dauerhaft (43 Prozent) von Schmerzen geplagt. Jedes vierte Kind verpasst aufgrund der Schmerzen mehr als ein Viertel des Schulunterrichtes. Außerdem sind ältere Kinder in der Regel stärker beeinträchtigt als jüngere. Die meisten Kinder hatten Kopfschmerzen (70 Prozent), gefolgt von Bauchschmerzen und Schmerzen des Bewegungsapparates.

Drei Viertel nahmen Schmerzmedikamente ein. Die Ärzte sehen diese Entwicklung mit Skepsis: Sie empfehlen nur etwa der Hälfte dieser Kinder die Einnahme von Medikamenten, um die Schmerzen zu lindern. „Die Fehleinnahme von Schmerzmedikamenten kann verheerende Folgen haben – zum Beispiel gibt es Schmerzformen, bei denen Medikamente die Schmerzen noch verstärken. Dieser sogenannte medikamenteninduzierte Kopfschmerz verschärft die schon vorhandene Problematik dann noch zusätzlich“, warnt Zernikow.

Berliner Ärzteblatt 05.08.2012/ Quelle: www.biomedcentral.com/1471-2431/12/54/
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