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Schütteltrauma: Ultraschall entlarvt Mißhandlungen

Etwa 100 bis 200 Säuglinge sterben jährlich in Deutschland an den Folgen eines Schütteltraumas. Starkes Schütteln von Babys und Kleinkindern ist eine der häufigsten Formen von Kindesmisshandlung. Stirbt das Kind nicht, erleidet es mitunter schwerste Behinderungen. Mittels Ultraschall lässt sich ein Schütteltrauma diagnostizieren, denn die Sonografie macht die für dieses Trauma typischen Blutergüsse (subdurale Hämatome) um das Gehirn sichtbar. Einer aktuellen Studie zufolge ist oft auch der Wirbelkanal betroffen, der das Rückenmark schützt. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) rät deshalb, in die Diagnostik des Schütteltraumas die Sonografie des Wirbelkanals einzubeziehen.

Schreien Säuglinge stunden- oder gar nächtelang, verlieren Eltern aus Verzweiflung oder Überforderung mitunter die Kontrolle über sich und schütteln ihr Kind heftig. Babys können dadurch schwere Verletzungen an Gehirn und Rückenmark erleiden. „Schwingt der kleine Kopf durch das Schütteln stark hin und her, bilden sich schnell subdurale Hämatome“, warnt Dr. med. Axel Feldkamp, Leitender Oberarzt der Klinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am Klinikum Duisburg. Für Ärzte sind die Blutergüsse unter der Hirnhaut ein wichtiger Hinweis auf ein Schütteltrauma. Denn in vielen Fällen treten keine äußeren Verletzungen auf.

Schütteltrauma kann Zeichen einer Kindesmißhandlung sein
Eine Studie an der Universitätsklinik Innsbruck zeigt jetzt, dass auch Blutergüsse um das Rückenmark des Kindes auf ein Schütteltrauma hindeuten können: Bei Säuglingen ist der Wirbelkanal einschließlich des Rückenmarks mittels Sonografie sichtbar, da die schützenden Wirbelbögen noch weitgehend aus Knorpel bestehen, den die Ultraschallwellen durchdringen. Beim Erwachsenen ist dies nicht mehr möglich, da die Wirbelbogen verknöchert sind. Bei jedem Verdacht auf ein Schütteltrauma sollte nach Ansicht von Experten deshalb sowohl Gehirn als auch Rückenmark mittels Ultraschall untersucht werden. Denn eine übersehene Kindesmisshandlung könne schwerwiegende Folgen für einen Säugling haben: Die durch das Schütteltrauma verursachten Schädigungen des Gehirns riefen oft schwere geistige und körperliche Behinderungen oder sogar den Tod des Kindes hervor. Etwa ein Viertel aller Babys mit Schütteltrauma sterben daran.

wanc 13.12.2011/ Quelle: Ultraschall in der Medizin 2011; doi: 10.1055/s-0031-1281670
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