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Peripartum-Kardiomyopathie: Selten, aber gefährlich

Es trifft Frauen in oder kurz nach der Schwangerschaft. Frauen, die eigentlich vollkommen gesund sind. Frauen, die bislang keinerlei Probleme mit ihrem Herz hatten: die Peripartum-Kardiomyopathie (PPCM), auch Schwangerschaftskardiomyopathie. Die Erkrankung ist selten, kann aber möglicherweise lebensbedrohlich sein.

Die PPCM entwickelt sich bei herzgesunden Frauen gegen Ende der Schwangerschaft oder in den Folgemonaten. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Abgeschlagenheit, Atemnot, Reizhusten, Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen. In Deutschland bekommt eine von 2.500 bis 4.000 Schwangeren eine PPCM. Doch die Verbreitung ist regional sehr unterschiedlich, in den USA trifft es eine von 3.000 Schwangerschaften.

Wie die PPCM entsteht ist nicht genau geklärt. Möglicherweise ist eine fehlerhafte Spaltung des Stillhormons Prolaktin in den Herzen der PPCM-Patientinnen für die Erkrankung verantwortlich. Das Spaltprodukt könnte sich giftig auf die Herzgefäße auswirken und so die Herzmuskelzellen schädigen. Auch eine Vererbung, Entzündungen sowie autoimmunologische Ursachen kommen als Auslöser in Betracht. Als Risikofaktoren werden Rauchen, Alter, Mehrlingsschwangerschaft und Bluthochdruck in der Schwangerschaft bezeichnet.

Die Folgen einer PPCM können dramatisch sein. Bei den betroffenen Frauen betrug die durchschnittliche Auswurfleistung der linken Herzkammer pro Herzschlag 27 %, normal sind 65 %. Schlimmstenfalls kann es zu einer Herzschwäche oder gar zum Tod durch Herzversagen kommen.

Entscheidend für eine erfolgversprechende Behandlung der Krankheit ist eine frühzeitige Diagnose. Dr. med. Arash Haghikia, Klinik für Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), musste jedoch feststellen: "Aber nicht immer ordnen Ärzte die PPCM-Beschwerden sofort dem Herzen zu.“ Es sei wichtig, "dass die Beschwerden richtig gedeutet und nicht als normale schwangerschaftstypische Beschwerden fehlinterpretiert werden. Insbesondere Internisten und Frauenärzte müssen daher unbedingt über die PPCM informiert sein.“

Haghikia hat heraus gefunden, dass das Medikament Bromocriptin zur Verbesserung der Herzfunktion bei PPCM beitragen kann, wenn es zusätzlich zur medikamentösen Behandlung der Herzschwäche verabreicht wurde. Bromocriptin ist ein Wirkstoff, der eigentlich zur Behandlung von Morbus Parkinson und zur Eindämmung der Bildung von Prolaktin verschrieben wird.

Berliner Ärzteblatt 07.08.2013/ Quelle: Deutsche Herzstiftung

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