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Frauen, die im Alter von über 30 Jahren Mütter werden, müssen sich auf mehr Komplikationen einstellen (Foto: Martin/ pixelio.de)
Frauen, die im Alter von über 30 Jahren Mütter werden, müssen sich auf mehr Komplikationen einstellen (Foto: Martin/ pixelio.de)
Späte Geburt - mehr Komplikationen

Fast jede zweite Frau in Deutschland, die ihr erstes Kind bekommt, ist älter als 30 Jahre. 22% aller Kinder, die 2012 in Deutschland geboren wurden, hatten eine Mutter, die zum Zeitpunkt der Geburt 35 Jahre oder älter war. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat ermittelt, dass der Anteil gegenüber 2002 um vier Prozentpunkte zugenommen hat. Doch damit steigt das Risiko für Komplikationen bei der Schwangerschaft und Kaiserschnitte.

Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, lobt die Schwangerenbetreuung durch niedergelassene Frauenärzte und die klinische Geburtsmedizin. Deshalb würden Risiken frühzeitig zu erkannt und behandelt. Schränkt der Gynäkologe ein: „Trotzdem können wir nicht alle Risiken, die das höhere Alter der Mütter mit sich bringt, einfach durch irgendeine medizinische Maßnahme beseitigen.“

Das kann man nun so verstehen, dass Frauen oberhalb der 30 selbst schuld daran sind, wenn etwas schief geht. Begründet Albring: „So sinkt ab 35 und noch stärker ab 40 Jahren die Fähigkeit des Organismus, die Schwangerschaft zu halten; Aborte und Fehlgeburten sind die Folge. Ein weiteres Risiko ist das Übergewicht vieler Schwangerer, das zum Schwangerschaftsdiabetes und zu Komplikationen wie Bluthochdruck und Nierenschäden in der Spätschwangerschaft führen kann, zu einer Überernährung des Kindes in der Gebärmutter und zu Kaiserschnitten.“

Der Frauenarzt wirft manchen Frauen vor, viel zu sehr darauf zu vertrauen, dass die moderne Medizin schon alles rund um ihre Schwangerschaft richten werde. Er ärgert sich: „Aber wenn die Frau unsportlich, unfit, mit Übergewicht und mit einem erhöhten Alter in die Schwangerschaft geht, dann fordert sie ihr eigenes Schicksal und das ihres Kindes heraus.“ Zudem fehle dann oft die Power, eine natürliche Geburt durchzustehen, so dass mitten in der Geburt dann doch ein Kaiserschnitt notwendig werde, damit das Kind gesund zur Welt kommt. „Etwa jede sechste Geburt endet in einem sekundären Kaiserschnitt, der ursprünglich nicht geplant war. In den meisten Fällen steckt hier ein hartnäckiger Geburtsstillstand mit einer Verschlechterung der kindlichen Herztöne dahinter, weil die Frau nicht mehr die Kraft hat für die anstrengende letzte Phase der Wehen“, beschreibt Albring die Situation.

Aber auch nach der Geburt könne sich ein höheres Alter der Mutter gesundheitlich nachteilig auswirken: „Wir sehen bei älteren Müttern längere Erholungszeiten nach Kaiserschnitten und auch nach natürlichen Geburten“, weiß der Frauenarzt. „Zudem haben sie oft weniger Reserven für die kraftraubende erste Zeit mit dem Baby, für die Schlafunterbrechungen durch Stillen und Wickeln, und sie leiden häufiger unter schweren Rückenschmerzen durch das Tragen. Auch die Zeit mit Klein- und Schulkindern kann für Frauen, die auf die 40 oder auch auf die 50 Jahre zugehen, gesundheitlich sehr anstrengend werden. Wenn die Kinder dann aus dem Gröbsten raus sind und sie wieder in den Beruf einsteigen möchten, sind sie oft älter als ihre künftigen Vorgesetzten, bei denen sie sich vorstellen. Oftmals melden sich dann auch schon die ersten Anzeichen der Wechseljahre, insgesamt eine schwierige Zeit.“

Das Vivantes Klinikum in Berlin bestätigt, "dass die Häufigkeit bestimmter Störungen in der Schwangerschaft höher ist". In Zahlen bedeutet das: Die Rate der Neuerkrankung an bereits durchlittenen Krankheiten  liegt bei den unter 29-Jährigen bei 5,5 Prozent, bei den über 35-Jährigen aber bei 11,8 Prozent. Xchwangerschaftskomplikationen wie hoher Blutdruck, schwangerschaftsbedingter Diabetes, Blutungen im letzten Drittel der Schwangerschaft, eine tief liegende Plazenta und Frühgeburt tritt bei Frauen im Alter von 20 - 29 Jahren in 10,43 Prozent der Fälle auf, im Alter von 35 - 39 Jahren aber bei 19,29 Prozent der Frauen.

Berliner Ärzteblatt 05.09.2014/ Quelle: Berufsverband der Frauenärzte

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