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Inbesondere in der Schwangerschaft droht Jodmangel, warnen Mediziner, deshalb müsse auf die Jodzufuhr geachtet werden (Foto: TK)
Inbesondere in der Schwangerschaft droht Jodmangel, warnen Mediziner, deshalb müsse auf die Jodzufuhr geachtet werden (Foto: TK)
Jod in der Schwangerschaft: Unverzichtbar

Deutsche und US-amerikanische Organisationen mahnen, dass eine ausreichende Versorgung mit Jod und Folsäure wichtig für schwangere und stillende Frauen ist. Aber nicht nur für die: auch die Ungeborenen würden unter einem Jodmangel leiden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) betont, dass Jod zu den essenziellen Spurenelementen zählt und zur Regulation wichtiger Stoffwechselvorgänge notwendig ist. Jodmangel könne in schweren Fällen zu Fehlgeburten, Fehlbildungen sowie zu Störungen von Wachstum, Knochenreifung und Gehirnentwicklung des ungeborenen Kindes führen. Auch während der Stillzeit sollte die Mutter auf eine ausreichende Jodzufuhr achten, da sowohl der Jodbedarf der Frau als auch der des Kindes sichergestellt werden müsse.

Deutschland gehöre wegen seiner geologischer Bedingungen zu den Jodmangelgebieten, deshalb herrsche bei schwangeren und stillenden Frauen oft einen Jodmangel. Bestimmte Lebensumstände oder Verhaltensweisen, wie Alter, Rauchen, die Einnahme von oralen Verhütungsmitteln oder eine vegane Ernährung, könnten einen Jodmangel zusätzlich begünstigen.
 
US-Kinderärzte mahnen, dass nur 15% der schwangeren und stillenden amerikanischen Frauen bei grenzwertigem Jodmangel Jod zuführen würden. Die American Thyroid Association and die National Academy of Sciences empfehlen stillenden Frauen eine täglich Jodzufuhr von 290 bis 1100 Mikrogramm Jodid pro Tag. Obwohl die meisten schwangeren und stillenden Frauen in den USA „Supplemente“ zu sich nehmen, würde Jod oft in ungenügender Menge zugeführt werden.

Meiden sollten werdende und stillende Mütter hingegen Nitrate, welche den Jodtransport hemmen können. Nitrate stammen meist aus dem Trinkwasser, wenn dieses nicht von der in der Regel gut überwachten öffentlichen Wasserversorung, sondern aus privaten Wasserquellen wie etwa Hausbrunnen kommt. Aktives und passives Rauchen sind Quellen von Thiozyanat, Perchlorate werden industriell freigesetzt, kommen aber auch natürlich in Trockenregionen wie im Südwesten der USA vor. Perchlorate hemmen die Jodaufnahme und bewirken in hohen Dosen eine Schilddrüsenfunktionsabnahme.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) meint, dass die Situation in Deutschland mit der in den USA vergleichbar ist. So drohe in unseren Breitengraden seit 2000 wie der ein Jodmangel. Die Gesellschaft begründet das "einerseits durch eine „Jodmüdigkeit“ bis zu einer „Jodgegnerschaft“, andererseits dadurch, dass die grossen Supermarktketten für ihre (Halb-) Fertigprodukte kein Jodsalz verwenden, da sie für viele europäischen Länder produzieren, in denen unterschiedliche Vorschriften zur Jodierung existieren". Private Trinkwasserquellen mit dem Risiko einer Nitratüberladung würden auch bei uns vorkommen, insbesondere in wenig besiedelten Bergregionen oder Ebenen, wenn wohl auch nicht so häufig wie in den weiten Landstrichen der USA.

Das BfR empfiehlt, "für eine nachhaltige Jodversorgung regelmäßig Seefisch und Milchprodukte zu verzehren, ausschließlich Jodsalz zu verwenden und bevorzugt Brot und Fleischwaren zu konsumieren, die mit Jodsalz hergestellt wurden". Die dadurch zu erreichende Jodaufnahme reiche jedoch meist nicht aus, um den in Schwangerschaft und Stillzeit erhöhten Bedarf zu decken. Sagt das BfR: "Daher sollten schwangere und stillende Frauen zusätzlich zu einer jodhaltigen Ernährung und nach Rücksprache mit ihrem Arzt täglich 100 bis 150 μg Jod in Form von Jodtabletten zu sich nehmen."

Eine Nahrungsergänzung hält das BfR - ebenso wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung - für Frauen spätestens vier Wochen vor einer Schwangerschaft und bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels für notwendig. 400 μg Folsäure pro Tag sollten in Tablettenform eingenommen werden. Aber auch nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel haben Schwangere und Stillende einen erhöhten Bedarf an Folgt, erinnert das BfR. Um die empfohlene Aufnahme zu erreichen, sei  eine abwechslungsreiche Ernährung und eine schonende Zubereitung der Lebensmittel notwendig. Besonders reich an Folaten sind Leber, grünes Gemüse wie Spinat und Brokkoli, Hülsenfrüchte, Weizenkeime, Hefe, Eigelb, Vollkorngetreideprodukte, Zitrusfrüchte und -säfte.

Allerdings: Die Spanne zwischen Unterversorgung und Überdosierung ist oft sehr gering. Bei Folat sollte die notwendige Tagesdosis keinesfalls überschritten werden. Denn sonst schadet es mehr als es nutzt.

Berliner Ärzteblatt 20.06.2014/ Quelle: Pediatrics, BfR-Merkblatt - Jod, Folsäure und Schwangerschaft - Ratschläge für Ärzte

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