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Herzversagen in der Schwangerschaft: Früher erkennen und behandeln

Der Arzt nennt es peri- oder postpartale Kardiomyopathie (PPCM). Gemeint damit ist das Herzversagen von Schwangeren, das meist ohne Vorwarnung zuschlägt. Bisher ist PPCM nur schwer zu diagnostizieren und zu behandeln. Das soll sich bald ändern.

zu einer höheren Konzentration der microRNA miR-146a im Blutserum führt, die uns nun eine frühzeitige Diagnose der PPCM erlaubt“, sagt Professorin Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Investigation“.

Professorin Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie, weiß, dass die PPCM eine seltene aber schwere Erkrankung ist, deren Ursachen noch unklar sind. Das Schlimme daran: Das Herzversagen trifft vorher gesunde Frauen ohne Vorwarnung in den letzten Wochen der Schwangerschaft oder in den ersten Monaten nach der Entbindung. PPCM kann binnen weniger Wochen zum Tod führen. Die Wissenchaftlerin nennt die beiden Umstände die das Eintreten der Erkrankung wahrscheinlicher machen: erhöhter Bluthochdruck oder Mehrlingsgeburten. Und sie zählt auch auf, woran man PPCM möglicherweise erkennen kann: Abgeschlagenheit, Atemnot, Wassereinlagerungen in Armen und Beinen, starker Reizhusten, schlechter Schlaf und Herzrasen.

Hilfiker-Kleiner räumt ein, dass PPCM schwer auf die Schliche zu kommen ist. Die Symptome können nämlich leicht als normale schwangerschaftsbedingte Unpässlichkeiten oder Infekt-bedingte Beschwerden mißverstanden werden. Wenn PPCM früh erkannt wird, dann sind die Chancen für Patientinnen, sich gut von ihrer Krankheit zu erholen, am besten. Dass dies in Zukunft vermehrt geschieht, dafür hat Hilfiker-Kleiner möglicherweise gesorgt.

Sie hat nämlich festgestellt, dass ein bestimmter Stoff im Blut die Blutgefäße im Herzgewebe zerstört und dadurch die Blutzirkulation so stark beeinträchtigt, dass das Herz nicht mehr funktioniert. Der Stoff nennt sich microRNA miR-146a und ist ein Spaltprodukt des Stillhormons Prolaktin, das im Laufe der Schwangerschaft die Brustdrüsen wachsen lässt und für den Milcheinschuß sorgt. Wenn eine zu große Menge microRNA miR-146a im Blut vorhanden ist, dann schädigt das die Gefäße.

Um das zu verhindern, setzen die Wissenschaftler  das Abstillmedikament Bromocriptin ein. Das kann Prolaktin blockieren. Damit werden aber auch die positiven Effekte des Stillens, wie die Rückbildung oder die Mutter-Kind Bindung, verhindert. Eine Blockade nur von miR-146a verhindert dagegen, dass Herzversagen entsteht, lässt das Stillen zu. „Diese Therapie muss aber für Patientinnen erst noch etabliert werden“, betont die Biologin.


Berliner Ärzteblatt 25.04.2013/ Quelle: Journal of Clinical Investigation
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