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Ärztin im Gespräch
Die Bundesbürger stehen dem Gesundheitssystem zunehmend skeptisch und misstrauisch gegenüber (Foto: DAK)
Die Deutschen und ihr Gesundheitwesen: Skepsis

Mit wenig Vertrauen begegnen die Deutschen unserem Gesundheitswesen. Mehr als ein Drittel glaubt nicht mehr daran, dass die gesundheitliche Versorgung langfristig gesichert ist und ihnen eine ausreichende medizinische Versorgung gewährt. Gleichzeitig sinkt das Ansehen der Ärzte, während der Wunsch steigt, die Ausgaben für Gesundheit zu senken.

Die Bundesbürger stehen dem Gesundheitssystem zunehmend skeptisch und misstrauisch gegenüber: Nur noch 37 Prozent trauen der Politik derzeit zu, die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung langfristig sicherstellen zu können. Ein Drittel der Deutschen bezweifelt zudem, dass durch die gesetzliche Krankenversicherung eine ausreichende medizinische Versorgung in Deutschland sicher gestellt ist. Und fast zwei Drittel (62%) sind der Auffassung, dass sich die verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen stärker von Eigeninteressen als vom Patientenwohl leiten lassen.

Auch mit den Leistungen der Hausärzte zeigen sich die Deutschen - trotz eines sehr hohen allgemeinen Hausarztvertrauens - nur mäßig zufrieden: Nur jeder zweite (51%) beurteilt seinen Hausarzt uneingeschränkt positiv. Insbesondere im Bereich aktivierender Behandlungsimpulse (Ratschläge zu gezielter Risikoprävention, gemeinsames Besprechen von Behandlungsvorschlägen, Gesundheitstipps etc.) aber auch im Bereich versorgungsorientierter Behandlungsaspekte (gründliche Untersuchung, Verstehen gesundheitlicher Ängste und Sorgen, ausreichend Zeit für Patienten etc.) bleiben die Hausärzte teils deutlich hinter den Patientenerwartungen zurück.

Die seit Jahren rückläufige Tendenz zum Arztbesuch hat sich derweil etwas "erholt": 34 Prozent der Deutschen geben derzeit an, gleich zum Arzt zu gehen, wenn sich unwohl fühlen oder spüren, dass sie krank werden. Im Frühjahr 2005 waren dies nur 29 Prozent; 1998 lag dieser Wert allerdings noch bei 56 Prozent.

Die Selbstmedikationsbereitschaft in der Bevölkerung liegt weiter auf hohem Niveau: 60 Prozent der Bundesbürger versuchen sich, wann immer es geht, zunächst mit rezeptfreien Medikamenten selbst zu helfen. 61 Prozent gehen bei leichteren Erkrankungen in die Apotheke und verzichten stattdessen auf einen Arztbesuch (2003: 56%). Den Apothekern kommt damit eine verstärkt gesundheitsberatende Funktion zu, der Apothekenbesuch wird zunehmend zum "kleinen Arztbesuch zwischendurch". Derzeit genießen die Apotheker in Deutschland sogar ein höheres Allgemeinvertrauen (91%) als Ärzte (84%).

Gleichzeitig hat mehr als ein Drittel der Bevölkerung (40%) freiverkäufliche Medikamente auch bereits in Drogerien, Reformhäusern, Supermärkten und Discountern gekauft; weitere 24 Prozent sind diesen Einkaufsstätten grundsätzlich gegenüber aufgeschlossen. Der Kauf im "Mass Market" scheitert aber oft noch an fehlenden Beratungsmöglichkeiten, einem eingeschränktem Vertrauen sowie auch mangelnder Erfahrung.

Die monatlichen Pro-Kopf-Ausgaben für rezeptfreie Medikamente (OTC-Präparate) haben sich gegenüber 2004 um durchschnittlich 8 Prozent erhöht. Gleichzeitig versuchen viele Bundesbürger bei ihren Gesundheitsausgaben zu sparen: Rund 20 Prozent verschoben aufgrund der Praxisgebühr eigentlich sinnvolle Arztbesuche oder unterließen diese ganz. 21 Prozent kauften weniger rezeptfreie Medikamente, 23 Prozent haben ihr Medikamenten-Einnahmevolumen zwar nicht grundsätzlich reduziert, aber auf preisgünstigere Mittel zurückgegriffen. 40 Prozent griffen aber auch verstärkt zu bewährten "Hausmitteln" und verzichten stattdessen auf Medikamente.

Dies ergab die Studie "Health Care Monitoring 2005" des Kölner Marktforschungs- und Beratungsinstituts psychonomics AG zum deutschen Gesundheitsmarkt. Mitherausgeber der Studie ist Acxiom Deutschland. 3.000 Bundesbürger ab 16 Jahren wurden im Frühjahr und Herbst 2005 repräsentativ befragt.

WANC 01.12.05

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