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Äztin und Patientin
Die Ärzte befürchten auf den Kosten für die Einführung der elektronischen Gesunheitskarten sitzen zu bleiben. (Foto: DAK)
Ärzte wollen elektronische Gesundheitskarte boykottieren

Der NAV-Virchow-Bund ruft seine Mitglieder in den bestehenden und zukünftigen Testregionen zum Boykott des Einführungstests auf. Hauptgründe dafür sind die den Ärzten entstehenden Kosten und die mangelnde Datensicherheit. Der Verband martialisch: „Das Ende der Gefälligkeiten ist gekommen.“

„Weder die unkalkulierbare Kostenentwicklung noch die fehlende Datensicherheit erlauben es den Ärzten, ruhigen Gewissens an der Einführung dieser Form einer elektronischen Gesundheitskarte teilzunehmen. Das zu Grunde liegende Konzept zur zentralen Speicherung von Patientendaten können die Ärzte nicht widerstandslos hinnehmen“, beschwert sich der NAV-Bundesvorsitzende Dr. Klaus Bittmann.

Der Ärzteverband moniert, dass die elektronische Gesundheitskarte „ein reines Prestigeprojekt für die Industrie“ sei, das jedoch drohe, „zum Milliardengrab zu werden“. Es sei nicht einzusehen, warum Ärzteschaft und Versicherte „den Industrie-Partnern satte Gewinne verschaffen“.

Mit dem Boykott der elektronischen Gesundheitskarte in den Testregionen soll ein Zeichen gesetzt werden. „Zu lange hat die Politik auf das gefällige Entgegenkommen der Ärzte gesetzt. Jetzt ist Schluss mit dieser selbstlosen Dienstwilligkeit“, sagt Bittmann. Mit den Erfahrungen aus den letzten 12 Monaten, als die Politik alles Ansinnen und alle berechtigten Forderungen der Ärzte als „Lobbyistengeschrei“ abgetan habe und den Ärzten vorwarf, Patienten mit ihren Protesten „in Geiselhaft zu nehmen“, stehe fest: „Das Ende der Gefälligkeiten ist gekommen. Wir machen nicht mehr bei allem bereitwillig mit. Erst recht dann nicht, wenn wir davon überzeugt sind, dass es das Falsche ist.“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, hatte schon vor einiger Zeit Nachverhandlungen über die Finanzierung der elektronischen Gesundheitskarte gefordert. Andernfalls würden die Ärzte das insgesamt sinnvolle Projekt „wegen unerträglicher Kostenbelastung boykottieren“, erklärte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Das Bundesgesundheitsministerium wies schon damals die Kritik zurück. Mit der Betreibergesellschaft für die Gesundheitskarten sei vereinbart worden, dass Ärzte 6200 Euro erhalten sollten, um die für die elektronische Gesundheitskarte notwendige Ausstattung zu finanzieren, erklärte das Ministerium.

Allerdings: Eine Kosten-Nutzen-Analyse der Düsseldorfer Unternehmensberatung Booz, Allen, Hamilton im Internet schätzt die Kosten der elektronischen Gesundheitskarte fünf Mal höher als vom Bundesgesundheitsministerium angegeben. Mit bis zu sieben Milliarden Euro rechnet die Beraterfirma.

WANC 09.02.07

Elektronische Gesundheitskarte: Bald Chefsache

Elektronische Ge- sundheitskarte: Weite- re Verzögerungen

 
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