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Krank geschrieben? Die Zahl derer, die wegen Krankheit fehlen, nimmt weiter ab (Foto: DAK/Wigger)
Immer weniger werden krank geschrieben

Der Krankenstand sank 2004 auf 3,2 Prozent (2003: 3,5 Prozent). Gegen den Trend sind jedoch psychische Erkrankungen weiter gestiegen und haben zwischen 1997 und 2004 um fast 70 Prozent zugenommen. Inzwischen machen sie fast zehn Prozent der Fehltage bei den aktiv Berufstätigen aus.

An jedem Tag des Jahres 2004 waren von 1.000 Arbeitnehmern 32 krankgeschrieben. Mehr als die Hälfte der berufstätigen DAK-Mitglieder war jedoch das ganze Jahr über kein einziges Mal krank. Damit lag der Krankenstand auf dem niedrigsten Wert seit 1998. Dies ergab die Auswertung der Krankschreibungen von 2,6 Millionen erwerbstätigen Krankenversicherten im Jahr 2004.

Insgesamt liegt der Krankenstand in den östlichen Bundesländern über den Werten in den westlichen Bundesländern. In den westlichen Bundesländern (mit Berlin) beträgt er durchschnittlich 3,0 Prozent, in den östlichen Bundesländern 3,8 Prozent. Der Krankenstand der Männer lag 2004 mit 3,1 Prozent unter dem der weiblichen Versicherten (3,3 Prozent). Männer waren im Durchschnitt 11,2 Tage, Frauen dagegen 12,2 Tage krank.

Die Analysen der DAK zeigen, dass bei den psychischen Erkrankungen seit 1997 sowohl die Krankheitsfälle als auch die Krankheitstage alarmierend zugenommen haben. Von 1997 auf 2004 stieg die Zahl der Fälle bei psychischen Erkrankungen um 70 Prozent.



Psychische Erkrankungen: immer noch ein Tabu?
Jeder siebte Berufstätige ist oder war schon einmal wegen eines psychischen Problems in professioneller Behandlung. Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) könnten sich ohne weiteres vorstellen, deshalb einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. 82 Prozent sind der Meinung, dass psychische Krankheiten heute besser akzeptiert werden. Dies ergab eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Berufstätigen.

Das Ergebnis spricht auf den ersten Blick gegen eine fortbestehende Tabuisierung. Doch das gilt nicht ohne Einschränkung: Mehr als der Hälfte (56 Prozent) wäre es gegenüber dem Arbeitgeber unangenehmer, wegen psychischer Probleme am Arbeitsplatz zu fehlen als wegen anderer Krankheiten. Immerhin 26 Prozent meinen, dass psychische Erkrankungen "oft als Vorwand für Blaumacherei missbraucht werden".

Experten bewerten alarmierenden Anstieg
Die DAK hat 22 wissenschaftliche Experten zur Zunahme der psychischen Erkrankungen befragt. Die Mehrheit der Fachleute kommt zu dem Schluss, dass es tatsächlich mehr Fälle gibt. Für wichtig halten sie aber auch, dass psychische Erkrankungen offenbar von den Hausärzten häufiger entdeckt bzw. richtig diagnostiziert werden. Darüber hinaus meinen die Experten, dass Patienten heute wegen psychischer
Probleme eher einen Arzt oder Psychologen aufsuchen als früher. Außerdem geht die moderne Arbeitswelt häufig mit schlechteren Rahmenbedingungen für Menschen einher, die anfälliger für eine psychische Erkrankung sind.

Überproportionaler Anstieg psychischer Erkrankungen in den jüngeren Altersgruppen
Gerade in den jüngeren Altersgruppen ist ein überproportionaler Anstieg der psychischen Erkrankungen zu verzeichnen. Hier sind die Altersgruppen der 15- bis 29-Jährigen (bei den Frauen) bzw. der 15- bis 34-Jährigen (bei den Männern) besonders stark betroffen. Zwischen 1997 und 2004 wiesen die jüngeren Altersgruppen zum Teil sogar eine Verdoppelung der Erkrankungsfälle auf. So hatten beispielsweise die Männer im Alter von 25 bis 29 Jahren einen Anstieg um 106 Prozent. Bei den Frauen zwischen 20 und 24 Jahren gab es sogar eine Zunahme um 123 Prozent.

Angststörungen und Depressionen auf dem Vormarsch
Angststörungen und Depressionen sind die häufigsten psychischen Krankheiten in Deutschland. Gegen den Trend allgemein sinkender Krankenstände stieg seit 2000 die Zahl der Krankheitstage aufgrund depressiver Störungen um 42 Prozent. Bei Angststörungen betrug der Anstieg 27 Prozent. Frauen sind häufiger wegen psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig und von Angststörungen und Depressionen betroffen. Dementsprechend weisen sie auch erheblich mehr Krankheitstage und –fälle auf.

Psychische Erkrankungen: Gesundheitswesen und Öffentliche Verwaltung Spitzenreiter
Insbesondere in den Branchen Gesundheitswesen und Öffentliche Verwaltung gibt es viele Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. So lag die Zahl der Krankheitstage im Gesundheitswesen um 55 Prozent und in der Öffentlichen Verwaltung um 42 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Es folgen die Organisationen und Verbände mit 40 Prozent mehr Krankheitstagen.

Die wichtigsten Krankheitsarten
Die prominenteste Rolle im Krankheitsgeschehen spielen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Auf sie entfallen nahezu ein Viertel (22,6 Prozent) aller Krankheitstage. Zweitwichtigste Gruppe sind Erkrankungen des Atmungssystems mit einem Anteil von 15,5 Prozent am Krankenstand.

An dritter Stelle stehen mit 14,4 Prozent die Verletzungen. Die psychischen Erkrankungen sind die viertgrößte Krankheitsart. 9,8 Prozent des Krankenstandes gehen auf psychische Erkrankungen zurück, ihr Anteil ist damit gegenüber dem Vorjahr noch einmal deutlich gestiegen (2002: 8,8 Prozent). An fünfter und sechster Stelle stehen Erkrankungen des Verdauungssystems und des Kreislaufsystems mit 7,2 und 5,6 Prozent.

Branchenergebnisse
Die Branche mit dem niedrigsten Krankenstand war 2004 erneut die Rechtsberatung/Wirtschaftsprüfung mit 2,1 Prozent, gefolgt von der Datenverarbeitung mit 2,2 Prozent. Unter dem Durchschnitt lagen auch die Krankenstände bei den Banken und Versicherungen mit 2,6 Prozent sowie im Handel mit 2,8 Prozent.

Den höchsten Krankenstand weisen erneut die Branchen Öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen mit 3,8 und 3,7 Prozent auf. Der im Vergleich zur Privatwirtschaft hohe Krankenstand kann teilweise mit dem weit höheren Anteil an Schwerbehinderten im öffentlichen Sektor erklärt werden.

WANC 13.04.05

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