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Arbeit im Krankenhaus: Viele Nachwuchsärzte suchen nach Alternativen (Foto: DAK/Scholz)
Ärztenachwuchs: Frust

Der Ärztenachwuchs hat immer weniger Lust, in der Klinik oder der eigenen Praxis zu arbeiten. Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) belegen das. Der Frust entsteht durch schlechte Arbeitsbedingungen, vergleichsweise wenig Geld und verkrustete Strukturen.

Die KBV hebt mahnend den Finger. Der Nachwuchs an Ärzten wird in Deutschland knapp. Bis zum Jahr 2015 suchen rund 47000 Ärzte mit eigener Praxis einen Nachfolger. Ob die einen finden, ist mehr als zweifelhaft. Denn im Jahr 2003 haben nur 6802 von 8947 Studienabgängern mit der Ausbildung zum Arzt im Praktikum (AiP) begonnen. Im Vergleich zu 1998 sind das über 1000 Absolventen weniger. Damals waren es noch 7862.

Im Jahr 1998 hatten sich erst 16 Prozent der Absolventen gegen ein AiP im direkten Anschluss an das Studium entschieden. Doch im Jahr 2003 stieg der Anteil auf 24 Prozent. Laut KBV interessieren sich die Studienabgänger zunehmend für berufliche Alternativen in der Pharmaindustrie, der Verwaltung oder im Ausland.

Eine Umfrage der Bundesvertretung der Medizinstudierenden (BVMD) unter 3600 Medizinstudenten belegt die Zahlen der KBV. Wobei die Studenten immer wieder betonen, dass sie gerne in Deutschland arbeiten würden. Sie sind auch durchaus bereit, lange zu arbeiten. So geben über 50% an, eine 50-Stunden-Woche zu akzeptieren. Wenn die Arbeitszeit aber auf 60 Stunden und mehr pro Woche steigt, dann sinkt die Bereitschaft deutlich. Heute sind 60 bis 80 Stunden für die meisten Assistenzärzte immer noch die Regel.

Warum den Medizinstudenten zunehmend der Spaß vergeht, sich um Patienten zu kümmern, liegt aber nicht allein an den langen Arbeitszeiten. Auch schlechte Bezahlung, veraltete Hierarchiestrukturen und zu viele Verwaltungsaufgaben frustieren den ärztlichen Nachwuchs.

Deshalb suchen die zukünftigen Ärzte nach Alternativen. Viele sehen die in einer Tätigkeit als Arzt im Ausland. Denn dort gibt es oft nicht nur mehr Geld, sondern auch bessere Arbeitsbedingungen.

WANC 16.01.06

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