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Auch für Chirurgen gilt: Übung macht den Meister (Foto: Klinikum rechts der Isar der TU München)
Mindestmengen bei Operationen: Bringen Sie dem Patienten mehr Sicherheit?

In Deutschlands Operationssäalen sollen Mindestmengen eingeführt werden. Das bedeutet, dass in dem Krankenhaus eine Mindestzahl einer bestimmten Operation jährlich ausgeführt werden muß, damit es diese Behandlung weiter durchführen darf und von den Kassen auch bezahlt bekommt. Diese Regelung soll eine bessere Qualität der medizinischen Versorgung bringen.

Die Einführung der Mindestmengen in deutschen Kliniken könnte die Gesundheitsversorgung in Deutschland nachhaltig verändern. Ziel ist es, dadurch die Behandlung der Patienten langfristig zu verbessern. Doch noch ist unklar, wie die Mindestmengenregelung am besten umgesetzt werden kann. Um diese aktuelle Diskussion in den Brennpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, lädt der  am 24. Januar 2005 zu einem Symposium ein. Unter dem Motto „Mindestmengen in Deutschland: Quo vadis?“ referieren zehn Experten über Chancen und Risiken des Einsatzes von Mindestmengen und stellen sich anschließend der Diskussion.

Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten 25 Jahre belegen, dass der Erfolg einer Behandlung auch davon abhängt, wie häufig eine Klinik diesen medizinischen Eingriff durchführt. Besonders deutlich ist der Zusammenhang zwischen Fallzahl und Ergebnisqualität bei großen Operationen und der Behandlung Schwerkranker.

Wissenschaftler in den USA stellten beispielsweise fest, dass in Kliniken, die jährlich nur eine geringe Anzahl von Pankreasresektionen (Entfernung der Bauchspeicheldrüse) durchführen, durchschnittlich 163 von 1000 Patienten während des Krankenhausaufenthalts verstarben. In einer Klinik mit hohen Fallzahlen starben dagegen nur 38 von 1000 Patienten.

Diese und weitere Ergebnisse der evidenzbasierten Medizin führten dazu, dass im Auftrag des Gesetzgebers im Dezember 2003 ein Mindestmengenkatalog für fünf medizinische Verfahren vorgelegt wurde (Entfernung der Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse sowie Leber- Nieren und Stammzelltransplantationen). Kliniken, welche die erforderlichen Mindestmengen nicht erreichen, dürfen seither die entsprechenden Leistungen nicht mehr erbringen.

Kritiker der Einführung einer Mindestmengenregelung argumentieren, dass durch die willkürliche Festlegung von Schwellenwerten kleinere Kliniken von der Versorgung ausgeschlossen werden. Dadurch wäre eine flächendeckende, wohnortnahe Behandlung gefährdet.

Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) glaubt allerdings, dass die neuen Regelung ein wichtiges Instrument zur Verbesserung der Patientensicherheit sind. Der Verband der großen Kliniken drängt dazu, den Mindestmengenkatalog noch weiter auszuweiten und an den heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand anzupassen.

„Mit der jetzt vorliegenden Mindestmengenvereinbarung wird der Gesetzgeber sein Ziel der Verbesserung des Versorgungsniveaus in Deutschland mit Sicherheit nicht erreichen. Der Grund dafür liegt in den zu niedrig gewählten Schwellenwerten und in zwei Ausnahmetatbeständen, die zusammen genommen fast jeder Klinik die Möglichkeit eröffnen dürfte, den zur Abrechnung mit den Krankenkassen erforderlichen Schwellenwert zu erreichen“, schreiben die Vorsitzenden Rüdiger Strehl, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Tübingen, und Prof. Dr. Rüdiger Siewert, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums rechts der Isar der TU München.

Nun ist eines klar. Den Universitätskliniken kann eine deartige Regelung nur Recht sein, da sie solche Mindestmengen in der Regel locker erfüllen. Kleinere Krankenhäuser fallen da als lästige Konkurrenz schnell weg. Ein wirtschaftliches Interesse der großen Kliniken kann also wohl niemand leugnen.

Und noch etwas ist klar: Allein die Menge der durchgeführten Operationen sichert dem Patienten noch keine bessere Versorgung. Aber: Wie bei den meisten anderen Berufen, macht Übung auch bei Chirurgen den Meister. Jeder Patient wird sich lieber unter das Messer eines Mediziners begeben, von dem er weiß, dass der diese Operation schon häufig durchgeführt hat, als sich den Händen eines Arztes anzuvertrauen, der nur über wenig Erfahrung verfügt. 

WANC 18.01.05
Deutsches Ärzteblatt

Bundesärzte- kammer (PDF)

 
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