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Psychisch Kranke
Die Betreuung von psychisch Kranken in Krankenhäusern soll reduziert werden
Psychisch Kranke: Verraten und verkauft?

Ist die Versorgung von Patienten in psychiatrischen Kliniken gefährdet? Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) warnt vor einem Rückfall in die 80iger Jahre. Denn die Politik plane eine Aushöhlung der Betreuung. Folge: Versorgungsmangel.

Hintergrund ist der Entwurf des Krankenhausfinanzierungsreformgesetzes (KHRG), der derzeit im parlamentarischen Beratungsverfahren steckt. Darin soll die Personalausstattung für Kliniken neu geregelt werden soll, in denen Menschen mit psychischen Erkrankungen behandelt werden. Zuletzt hatte der Gesetzgeber 1991 in der Psychiatrie-Personalverordnung (PsychPV) festgelegt, wie viel medizinisches Personal in stationären psychiatrischen Einrichtungen notwendig ist, um die Mindestversorgung einer bestimmten Zahl von Patienten sicherstellen zu können.

"Der Gesetzgeber plant nun, die Mindestanforderungen für die Personalausstattung in psychiatrischen Kliniken um 10 Prozent zu kappen und somit auf 90 Prozent des ursprünglichen Zielwertes festzuschreiben", ereifert sich Prof. Dr. Karl H. Beine, Vorstandsmitglied der DGPPN und Leiter der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Universität Witten/Herdecke. "Die Auswirkungen für unsere Patienten wären verheerend. Der bereits vielerorts vorhandene Versorgungsmangel in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik würde weiter eskalieren."

Seit Einführung der Psychiatrie-Personalverordnung wurde die notwendige Personalausstattung in den meisten psychiatrischen Kliniken nicht erreicht, reklamiert die DGPPN. Nur wenige Einrichtungen verfügten heute über ausreichend Ärzte und Pflegepersonal. Grund für die Misere sei vor allem eine Deckelung der finanziellen Budgets für Krankenhäuser. Deshalb können psychiatrische Kliniken ihren Versorgungsauftrag kaum mehr erfüllen.

"Um eine ausreichende medizinische Betreuung in psychiatrischen Kliniken zu gewährleisten, legte die Psychiatrie-Personalverordnung 1991 fest, wie viele Stunden ihrer Arbeitszeit Psychiater direkten Patientenkontakt haben sollten. Mittlerweile ist der direkte Arzt-Patientenkontakt auf nur noch 50 Prozent des ehemals festgeschriebenen Zielwertes abgesunken. Dagegen ist der Arbeitsaufwand für Bürokratie und Verwaltung sprunghaft angestiegen und nimmt mittlerweile 25 Prozent der gesamten Arbeitszeit in Anspruch", beklagt Beine. "Bei einer Umsetzung des Gesetzentwurfs würde der heutige Versorgungsmangel festgeschrieben werden und sich die Situation zudem weiter verschärfen. Schon heute können viele unserer Patienten nicht mehr medizinisch versorgt sondern nur noch verwaltet werden."

Unter allen Krankheiten weisen laut DAK-Gesundheitsreport psychiatrische Erkrankungen die höchsten Steigerungsraten: Durch sie verursachte Arbeitsunfähigkeitstage stiegen zwischen 1997 und 2004 um 68,7 Prozent - fast dreimal so schnell, wie die auf Platz 2 stehenden Infektionskrankheiten. Depressionen, Suchterkrankungen, Ängste und andere psychische Störungen sind mittlerweile für 10 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland verantwortlich.

"Dieser Entwicklung müssen wir uns stellen. Sie steht im krassen Gegensatz zu den Rahmenbedingungen in psychiatrischen Kliniken, die bereits problematisch sind und jetzt noch weiter verschlechtert werden sollen", so Beine. "Vor 17 Jahren wurde festgeschrieben, dass Psychiater mindestens 80 Minuten pro Woche direkten Kontakt mit ihren Patienten haben sollten. Heute liegen wir bei durchschnittlich 40 Minuten."

In der modernen Psychiatrie sei das Arzt-Patienten Gespräch in den allermeisten Fällen zentraler Bestandteil der Therapie. Gerade hier wirke sich eine mangelnde Personalausstattung unmittelbar auf die Behandlung der Patienten aus. "Bei körperlichen Erkrankungen kommen immer mehr Technik und moderne Geräte zum Einsatz. Um die kranke Seele zu erkennen und zu behandeln, braucht man vor allem Zeit und Personal", erläutert der Experte. "Und daran mangelt es schon jetzt. Die mangelnde Personalausstattung in psychiatrischen Kliniken hat die Grenze dessen, was medizinisch vertretbar ist, bereits überschritten."

WANC 21.11.08, Quelle DGPPN

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