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Wartezimmer: Berliner Ärzte fürchten nicht nur um ihr Honorar, sondern auch, dass Patienten längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen (Foto: DAK)
Ärzte: Praxen drei Tage geschlossen

Von heute bis Freitag werden in Berlin Ärzte ihre Praxen geschlossen halten. Sie protestieren damit gegen die Folgen der Gesundheitsreform, die ihnen sinkende Einnahmen beschert. Die Mediziner haben Angst, zu den Verlierern der Reform zu gehören.

Jeder zweite Arzt wird wohl seine Praxis für diese drei Tage schließen, vermutet Wolfgang Mitlehner, Sprecher vom Bündnis Berliner Kassenärzte. Das soll, wie schon andere Protestaktionen im letzten Jahr, deutlich machen, dass eine medizinische Unterversorgung der Alltag sein wird. "Die ambulante medizinische Versorgung der Berliner wird sich durch die geplante Gesundheitsreform erheblich verschlechtern." erklärte die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin, Dr. Angelika Prehn.

Die Furcht der Berliner Ärzte ist nicht ganz unbegründet. Sie verdienen im bundesweiten Durchschnitt am wenigsten. Bei gleicher ärztlicher Leistung liegen die ambulanten Vergütungen in Berlin ca. 30-40 Prozent unter ihren ärztlichen Kollegen in Westdeutschland. Die Gesundheitsreform ändert daran nichts. Denn die Regelung, dass "bundeseinheitliche Vergütung bei gleichartigen Leistungen in den Praxen" gelten solle, haben Länder wie Bayern und Rheinland-Pfalz gekippt. Es sollen zwar künftig bundeseinheitliche Orientierungswerte gelten, aber die können unterschritten werden, wenn regional Betriebskosten oder Wirtschaftskraft in der Region geringer sind.

Das geht den niedergelassenen Ärzten an die Substanz. Sie klagen, dass manche Kollegen nicht mehr so viele Patienten wie bisher versorgen könnten. Andere müssten ihre Praxis schließen, weil sie die steigenden Kosten für Miete, Personal, Geräte etc. nicht bezahlen könnten. Die Folgen seien längere Wartezeiten und längere Anfahrtswege.

Das führe, so warnt die KV Berlin, neben einem reduzierten Leistungsangebot zu einer eingeschränkten freien Arztwahl. Denn neben Verträgen zur Integrierten Versorgung sollen die Kassen künftig auch Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung grundsätzlich nur mit einzelnen Ärzten oder Arztgruppen abschließen dürfen. Das deutsche Gesundheitssystem gehe 50 Jahre zurück, so KV-Chefin Prehn, als Patienten sich noch erkundigen mussten, ob ihr Arzt einen Vertrag mit ihrer Krankenkasse hat.

WANC 24.01.07

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