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Besonders die medizinische Versorgung alter, immobiler und chronisch kranker Menschen leidet unter den Reformen unseres Gesundheitssystems (Foto: BEK)
Versorgungsprobleme durch Gesundheitsreform

Noch werden die Gesundheitspolitiker der Regierungskoalition nicht müde, die angeblichen Erfolge ihrer Gesundheitsreform zu loben. Die Schattenseiten und Verlierer geraten da schnell ins Abseits. Jetzt legt die Patientenbeauftragte von Berlin einen Bericht vor, der exemplarisch zeigt, wie deutlich die Defizite in der Patientenbetreuung und –beratung mittlerweile tatsächlich sind.

Die Intensität der Beschwerden von Patienten nehmen „ständig zu“, beklagt die Berliner Patientenbeauftragte Karin Stötzner. Sie ist seit vier Jahren Patientenbeauftragte bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz in Berlin. Berlin ist das einzige Bundesland, das über eine solche Stelle verfügt.

Stötzner kritisiert die deutlichen Defizite in der Patientenbetreuung und -beratung in Berlin. Ihr werde immer deuticher, dass „Patientinnen und Patienten mit ihrem Bedürfnis nach Heilung und Zuwendung in der Versorgung oftmals nicht mehr im Mittelpunkt stehen“. Rund 100 Anfragen gehen monatlich im Büro der Patientenbeauftragten ein.

Die Gesundheitsreformen belasteten vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen und führen zu einer sozial unausgewogenen Versorgung. Und dann zählt sie die Probleme auf, die nicht nur für Berlin, sondern für die gesamte Republik gelten können:
- Kassenpatienten warten auch in Berlin länger auf Termine, besonders bei Fachärzten.
- Die Wartezeiten würden ganz unverhohlen mit Einkommensargumenten der Ärzte begründet, eine Sortierung nach medizinischer Notwendigkeit trete dann oft in den Hintergrund, wenn Patienten schon an der Sprechstundenhilfe scheiterten.
- Alte, einkommensschwache Menschen litten besonders unter Unzulänglichkeiten in der Organisation des Übergangs von stationärer zur ambulanten Versorgung.
- Patienten verzichteten auf medizinische Maßnahmen, weil sie sich die Vielzahl von Zuzahlungen und Eigenbeiträgen nicht leisten könnten.
- Bei der Suche nach guter Behandlung sei noch immer zu viel Kompetenz erforderlich, es fehlten nach wie vor leicht zugängliche, patientenfreundliche und verständliche Informationen für eine Orientierung im Gesundheitswesen. Es sei auf Dauer ungerecht, wenn vorrangig bildungsstarke und gut situierte Menschen die Zugänge zu guter Versorgung kennen.

Große Probleme sieht Stötzner in der Krankenhausbetreuung. Der Kostendruck und die Verdichtung von Arbeit auf immer weniger Angestellte könnten Pflege „im Sinne klassischer Heilungsbegleitung“ nicht mehr ermöglichen. In der Folge fehle Zeit für Beratungsgespräche und individuelle Betreuung. Vor allem ältere Patienten und Patienten ohne Angehörige leiden nach Stötzners Einschätzung darunter.

Eindeutige Benachteiligung für ältere Menschen entstehe auch, weil sich Ärzte weigerten, Hausbesuche zu machen oder sich Problemfälle „gegenseitig zuschieben“. Dies seien Fälle, die „große Sorgen bereiten“. Hinzu komme, dass sich viele Ärzte (auch Hausärzte) inzwischen weigerten, Hausbesuche zu machen. Für alte, nicht mobile und chronisch kranke Menschen bedeutet das eine wesentliche Einschränkung ihrer medizinischen Versorgung.

Ein weiterer deutlicher Kritikpunkt sei das regionale Ungleichgewicht von niedergelassenen Ärzten. Gerade ländliche Gebiete und viele Bezirke in Ostdeutschland können darüber ein Klagelied singen. Da Berlin als ein Versorgungsbereich gelte, ist es Medizinern möglich, sich den Bezirk ihrer Niederlassung selbst zu wählen. Besonders Bezirke mit schwacher Einkommensstruktur würden so zu einer „Abwanderungsregion“.

WANC 28.08.08/ Quelle: Tätigkeitsbericht, Patientenbeauftrag für Berlin, 2008

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