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Künftig sollen Ärzte nach einem Pauschalsystem honoriert werden.
Gesundheitsreform: Ärzte bekommen künftig Pauschalen

Anscheinend haben sich Union und SPD auf eine grundlegende Reform der Arzthonorare geeinigt. Das geltende komplizierte System aus Bezahlung nach Punkten und einem Budget soll durch Pauschalen ersetzt werden.

Wie niedergelassene Ärzte ihre Leistungen bezahlt bekommen, ist eine schwierige Sache. Das heutige System ordnete jeder ärztlichen Tätigkeit einen bestimmten Punktwert zu. Der Summe aller Punkte steht ein Budget für Honorare gegenüber. Daraus ergibt sich am Ende des Jahres der Wert pro Punkt und damit das Einkommen jeden Arztes. Für den Arzt bedeutet das, dass er seinen wirklichen Verdienst eigentlich erst fast ein Jahr, nachdem er seine Leistung erbracht hat, wirklich kennt. Und weil es sonst auch zu leicht wäre, gibt es für bestimmte Leistungen und Fachgruppen zusätzliche Vorschriften, die die ärztliche Tätigkeit mit einer Obergrenze versehen. Wer diese Grenze überschreitet, erhält für jede darüber liegende Leistung keinen Cent.

Selbst Fachleute in den Verwaltungen verwirren sich da oft im Gestrüpp der Regelungen. Das soll jetzt anders werden. Anscheinend haben sich die Unterhändler von CDU, CSU und SPD auf ein neues Honorarystem für Ärzte geeinigt. So soll der behandelnde Arzt für den ersten Besuch eines Patienten eine so genannte "Konsultationspauschale" erhalten. Bei schwierigen Diagnosen und Therapien soll diese erste Pauschale durch weitere aufgebessert werden können. Die Rede ist von bis zu 20 unterschiedlichen, vom Krankheitsbild abhängigen Pauschalen.

Wie hoch die jeweiligen Pauschalen sein sollen, sollen Ärzten und Kassen zusammen mit Experten aushandeln, meldet die Financial Times Deutschland. Sie müssen dann den 23 Mrd. Euro schweren Honorartopf auf Pauschalen umrechnen.

Obwohl ein solches System für Ärzte Vorteile hätte, immerhin wüssten sie vorab, mit welchem Honorar sie rechnen könnten, bleiben einige Fragen offen. Beispielsweise ab wann das neue System gelten soll. Schon vor Beginn der Verhandlungen hatten die Koalitionäre betont, dass die Umsetzung der Beschlüsse möglicherweise in kleinen Schritten vollzogen werde, die sich über mehrere Jahre dehnen könnten.

Fraglich ist auch, wie sich ein Pauschalsystem auf die Kosten im Gesundheitswesen auswirken. Pauschalen ohne einen begrenzten Topf, aus dem sie bezahlt werden, können die Honorare schnell explodieren lassen. Doch was passiert, wenn der Topf leer, das Jahr aber noch nicht vorüber ist? Bekommen die Ärzte dann kein Geld mehr oder werden Kranke nicht mehr behandelt?

Pauschalen für Behandlungen gibt es bereits für Kliniken. Nach Ansicht von Experten tragen die aber dazu bei, viele Krankenhäuser in die wirtschaftliche Not zu treiben.

Die Gesundheitspolitiker der Regierungsparteien sehen eine Möglichkeit zur Kosteneindämmung in der Öffnung verkrusteter Strukturen. So sollen die Kliniken noch mehr für ambulante Behandlungen geöffnet werden. Auch sollen niedergelassene Ärzte vermehrt die Einrichtungen in Krankenhäusern nutzen können, um sie besser auszulasten. Vereinfacht werden soll die Kooperation von Fach- und Hausärzten. Das soll vor allem bei teuren und komplizierten Behandlungen der Fall sein.

Die Regierung behauptet zwar von sich selbst, im Zeitrahmen zu sein. Doch der Druck ist hoch, weil die schwierige Frage, wer bezahlt was, noch geklärt werden muss. Nach Aussage der Koalition sollen bis Anfang Juli die Eckpunkte der Gesundheitsreform stehen.

WANC 30.05.06

Gesundheitssyste- me: Weltweit unter Druck

Behandlungskos- ten: 4,1% Plus

 
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