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Kunststoffverpacktes Fleisch: Giftige Substanzen im Verpackungsmaterial kann in Lebensmittel übertreten (Foto: Dr. Birgit Hoegen/Uni Bonn)
Kunststoffverpacktes Fleisch: Giftige Substanzen im Verpackungsmaterial kann in Lebensmittel übertreten (Foto: Dr. Birgit Hoegen/Uni Bonn)
Lebensmittelverpackungen: Das langsam wirkende Gift

Die Chemikalien, die in den Kunststoffverpackungen gebraucht werden, in die unsere Lebensmittel eingepackt werden, können unserer Gesundheit schaden. Zumindest auf lange Frist. Davor warnen Wissenschaftler aus den USA, Spanien und der Schweiz. Die Gefahr geht von Substanzen aus, die aus den Verpackungsmaterialien in die Lebensmittel sickern.

Obwohl einige der Chemikalien reguliert sind, die für Verpackungen genutzt werden, können Verbraucher, die viele Fertig-Lebensmittel verzehren, diesen Substanzen dauerhaft ausgesetzt sein. Welche Schäden das hervor rufen kann, darüber sei bisher viel zu wenig bekannt, mahnen die Wissenschaftler. Das betreffe alle Stationen der menschlichen Entwicklung, vor allem aber die, wenn sich das ungeborene Kind noch im Körper der Frau befinde.

Sorgen müsse man sich machen, weil als Gifte ausgewiesene Stoffe - wie z.B. das Formaldehyd, das das Krebsrisiko erhöhen kann - vollkommen offen und von Gesetzen gedeckt verwendet werden kann. So findet man Formaldehyd, wenn auch in geringen Konzentrationen, in Plastikflaschen und Melamingeschirr.

Chemikalien wie Bisphenol A, Tributyltin, Triclosan und Phtalate, alle als Stoffe bekannt, die die Hormonproduktion unterbrechen können, treten in derartigen Verpackungen auf. Mehr als 4000 unterschiedliche chemische Substanzen finden sich in den Materialien, die mit den Nahrungsmitteln in direkten Kontakt kommen. Die Wissenschaftler kritisieren, dass Stoffe, die Schäden an den Zellen bewirken können, noch nicht einmal bei den toxologischen Routineprüfungen analysiert werden. Man müsse deshalb ernsthafte Zweifel an den staatlichen Regulierungsvorschriften haben. "Weil die meisten Nahrungsmittel verpackt sind, kommt die gesamte Bevölkerung damit in Berührung kommen, müssen wir unsere Wissenslücken verlässlich und schnell schließen," fordern die Wissenschaftler.

Anmerkung der Redaktion: Die Gefahren von Lebensmittelverpackungen - wie Frischhalte- und Aluminiumfolien sowie Dosen und Plastikgefäßen, aber auch Klebstoffe, Druckfarben und Beschichtungen von Altpapier - sind längst bekannt. Doch offensichtlich hat die EU keine Eile, die Gefahren dieser Substanzen vollständig zu erkunden und zu bewerten. Kritiker meinen, dass die Lobby der Lebensmittelindustrie so stark und in allen Ausschüssen vertreten ist und auf diesem Wege jede Aufklärungsarbeit wirksam behindert.

 
Berliner Ärzteblatt 18.02.2014/ Quelle: J Epidemiol Community Health

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