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IGeL-Monitor: HRT zur Früherkennung eines Glaukoms mit „tendenziell negativ" bewertet

Zur Früherkennung eines Glaukoms bieten viele Augenärzte/innen verschiedene Verfahren als Selbstzahlerleistung - sogenannte Igelleistungen - an. Dazu gehört auch die Heidelberg Retina Tomographie (HRT). Der IGeL-Monitor bewertet derartige Angebote. In der HRT  sieht er keinen Nutzen, aber mögliche Schäden der HRT zur Glaukom-Früherkennung. Die Bewertung lautet deshalb "tendenziell negativ". Nach wie vor mit "tendenziell negativ" bewertet der IGeL-Monitor auch die Kombination aus Augenspiegelung und Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung. Die erste Bewertung dieser Kombi-Untersuchung aus dem Jahr 2015 wurde jetzt aktualisiert.

Das Glaukom, auch „Grüner Star" genannt, ist eine weit verbreitete Augenkrankheit, die den Sehnerv schädigt und schlimmstenfalls zur Erblindung führen kann. Alle Verfahren zur Früherkennung - also zur Untersuchung von Menschen ohne Beschwerden oder besondere Risiken - sind nach Maßgabe der Krankenkassen und der Gesundheitspolitik Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, und müssen von Versicherten selbst bezahlt werden. Zu den Verfahren beim Grünen Star zählt in erster Linie die Kombination aus Augeninnendruckmessung und Augenspiegelung. Darüber hinaus bieten die meisten augenärztlichen Praxen noch weitere Maßnahmen an, wie etwa die Heidelberg Retina Tomographie, kurz HRT.  

Die HRT wird für verschiedene Einsatzgebiete offeriert - für welche, ist von Praxis zu Praxis unterschiedlich. Eine Recherche des IGeL-Monitors bei 50 augenärztlichen Praxen, die die HRT anbieten, hat ergeben: Etwa 70 Prozent der Praxen bieten die HRT explizit zur Glaukom-Früherkennung an. Die Untersuchung kostet in der Regel zwischen 70 und 120 Euro.

Früherkennung des Glaukom: Mäßige Datenlage
Was eine HRT Patienten/innen tatsächlich bringt, ist unmittelbar mit der Frage verbunden:  Lässt sich bei Menschen ohne Beschwerden ein Glaukom, das mit Hilfe der HRT in einem frühen Stadium entdeckt wurde, aufhalten oder der Verlauf der Erkrankung zumindest abschwächen? Die Wissenschaftler/innen beim IGeL-Monitor haben in keinen Studien zur Glaukom-Früherkennung einen Hinweis auf den Nutzen dieser Methode gefunden. 

Deshalb ging das Team der nächsten Fragen nach, ob ein früher Therapiebeginn bessere Ergebnisse erzielt als ein später. Also: Können Augentropfen zur Senkung des Augeninnendrucks und andere Therapien ein frühes Glaukom besser als ein spätes Glaukom aufhalten oder den Krankheitsverlauf zumindest besser abschwächen? 

„Frühes Glaukom" heißt, dass die Krankheit noch keine Beschwerden bereitet hat und nur durch eine Früherkennungsuntersuchung entdeckt wurde. „Spätes Glaukom" bedeutet, dass die Krankheit bereits Beschwerden verursacht hat und deshalb entdeckt wurde. 

In den sieben Studien, die sich damit beschäftigen, wurde keine Antwort entdeckt, „weil die Personen in den Studien nicht die richtigen Voraussetzungen erfüllten, sie zu einem anderen Zeitpunkt behandelt wurden oder weil die Beobachtungszeit zu kurz war“. So jedenfalls die Einschätzung des IGeL-Monitor.  

Keine direkten Schäden - aber indirekte sind möglich
Direkte Schäden der HRT sind bei sachgemäßem Einsatz nicht zu erwarten, sagen die Wissenschaftler/innen. Die HRT komme ohne Berührung des Auges aus und verwende nur schwaches Licht, das die Sehzellen nicht schädige. Indirekte Schäden könnten bei Früherkennungsuntersuchungen aber grundsätzlich entstehen. Das lasse sich auch auf die Glaukom-Früherkennung übertragen: Demnach können Glaukome übersehen, Veränderungen am Sehnerv fälschlich als krankhaft eingestuft und frühe Glaukome unnötigerweise behandelt werden, weil sie nie zu einer Sehbeeinträchtigung geführt hätten. Augentropfen zur Drucksenkung sind zwar in der Regel gut verträglich, können aber durchaus Nebenwirkungen haben.

Insgesamt fällt der IGeL-Monitor aufgrund dieser etwas dürftigen Informationen das Urteil: keinen Nutzen, aber mögliche Schäden der HRT zur Glaukom-Früherkennung. Die Bewertung lautet deshalb „tendenziell negativ".

Glaukom-Früherkennungs-Angebote: „tendenziell negativ"
Auch die Bewertung der Augenspiegelung mit Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung hat sich mit der Sichtung der seit 2015 erschienenen Studien nicht geändert und fällt weiterhin „tendenziell negativ" aus. Inklusive der Optischen Kohärenztomographie (OCT) zur Glaukom-Früherkennung, die im August 2019 ebenfalls mit „tendenziell negativ" bewertet wurde, sind die am meisten verbreiteten IGeL-Angebote in der augenärztlichen Praxis, mit denen nahezu jede Praxisbesucherin und jeder Praxisbesucher konfrontiert wird, im IGeL-Monitor mit einer aktuellen Bewertung vertreten.

Dabei betont der IGeL-Monitor: „Da es keine Studien gibt, die die Frage nach dem Nutzen der Früherkennung untersucht haben, kann man auch nicht ausschließen, dass es diesen Nutzen gibt. Bei der Abwägung von Nutzen und Schaden kann man deshalb individuell zu einem anderen Ergebnis kommen. Das gilt vor allem dann, wenn man die bloße Hoffnung auf ein frühes Erkennen und mögliches Hinauszögern einer Sehverschlechterung als Vorteil ansieht.“

Alterskrankheit Glaukom
Mit zunehmendem Alter steigt das Glaukom-Risiko. Eine Auswertung von Daten der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) von 2019 ergab folgende Zahlen: In der Altersgruppe 50 bis 59 haben etwa 1 Prozent ein Glaukom, in der Gruppe 60 bis 69 etwa 3 Prozent, in der Gruppe 70 bis 79 sind es etwa 5 Prozent. In den höheren Altersgruppen steigt die Häufigkeit nicht mehr an. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch. Laut Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft rechnet man in Deutschland jährlich mit gut 1.000 neuen Erblindungen aufgrund eines Glaukoms.

Behandelt wird mit Medikamenten, Laser und chirurgischen Verfahren. Unmittelbares Ziel der Behandlung ist es meist, den Augeninnendruck zu senken. Das gilt auch dann, wenn der Druck gar nicht erhöht ist. Ein bereits geschädigter Sehnerv erholt sich dadurch aber nicht mehr. Ein Glaukom ist also nicht heilbar. Eine Senkung des Augeninnendrucks soll vielmehr bewirken, dass das Glaukom sich nicht weiter entwickelt und das Augenlicht erhalten bleibt 

13.12.2019 cs / Quelle: www.igel-monitor.de

 
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